27.10.2021 10:32 |

Gesetzeserweiterung

Tierversuchsverbot: Kosmetik soll ganz vegan sein

Das Tierversuchsverbot im Zusammenhang mit Kosmetikprodukten besteht in der EU schon seit einigen Jahren, doch nun werden immer mehr Stimmen laut, dass nur noch komplett vegane Kosmetik zugelassen werden soll. Doch kann sich diese Erweiterung des Gesetzes in den kommenden Jahren tatsächlich durchsetzen?

Tierversuche verboten
In der EU sind Tierversuche für kosmetische Fertigerzeugnisse und Bestandteile von Kosmetika bereits seit 2004 verboten. Seit 2009 ist zudem verboten, in der EU Kosmetika zu vermarkten, die an Tieren getestet wurden. Die Frist für dieses Verbot wurde allerdings für die komplexesten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, wie beispielsweise bei der Überprüfung auf krebserregende Bestandteile, bis 2013 verlängert. Konkret bedeutet das Vermarktungsverbot für die Kosmetikindustrie, dass auch Kosmetika, die nicht in der Europäischen Union hergestellt wurden, nur dann in der EU vermarktet werden dürfen, wenn bei der Herstellung keine Tierversuche stattgefunden haben.

Europa ist der weltweit größte Markt für Kosmetika. Die Kosmetikbranche verschafft ca. zwei Millionen Menschen in der EU Arbeitsplätze und im Durchschnitt verwenden Verbraucher in Europa mindestens sieben unterschiedliche kosmetische Produkte pro Tag. Gleichzeitig ist die EU auch globaler Vorreiter in Sachen Tierschutz in der Kosmetikindustrie, denn in knapp 80 Prozent der Länder weltweit sind Tierversuche nach wie vor erlaubt.

Wer heute also durch das „Schön für mich“ Rossmann Prospekt blättert, kann sich darauf verlassen, dass für keines der beworbenen Beauty-Produkte noch Tierversuche durchgeführt werden. Das ist für viele schon mal ein gutes Gefühl, doch anderen reicht das nicht.

Kosmetik soll komplett vegan sein
Denn was die wenigsten ahnen, ist, dass unter den vielen Inhaltsstoffen auf der Verpackung von Kosmetika Rohstoffe von lebenden Tieren wie beispielsweise Honig, Propolis, Milch oder Eier zum Einsatz kommen. Weitere Beispiele für tierische Inhaltsstoffe sind:

Bienenwachs wird aus Bienenwaben hergestellt und kommt oft in Lippenstift oder Cremes zum Einsatz. Vegane Alternativen sind z. B. Carnauba- oder Candelillawachs sowie Avocado- oder Kokosöl.

Elastin ist ein Protein, das aus der Nackensehne von Rindern gewonnen und wegen seiner straffenden Wirkung in Cremes verwendet wird. Vegane Kosmetik nutzt dafür Eiweiße aus Soja oder Weizen.

Fischschuppen/Guanin werden als Effektpigment beispielsweise in Nagellack oder Lidschatten verwendet. Eine vegane Alternative ist Mica.

Gelatine wird aus Knochen, Haut und Bändern von Tieren gewonnen und oft in Shampoos und Cremes eingesetzt. Meeresalgen, Johannisbrotkernmehl oder Agar-Agar sind pflanzliche Alternativen.

Gelée Royale ist das Drüsensekret der Bienen, das wegen seines glättenden Effekts oft in Gesichts- oder Augencremes verwendet wird. Denselben Effekt bietet auch Aloe Vera.

Karmin/Cochenille/Cl 75470 ist ein rotes Pigment, das beispielsweise für Lippenstift oder Nagellack benutzt wird. Für ca. 450 g Karmin müssen 70.000 Cochenille-Schildläuse bei lebendigem Leib getrocknet und so getötet und danach gekocht werden. Vegane Alternativen sind Rote Bete oder Sanddorn.

Glycerin ist ein Nebenprodukt der Seifenherstellung und stammt meist aus Rindertalg. Es wird als feuchtigkeitsspendender Stoff in Kosmetika verwendet. Glycerin kann jedoch auch aus pflanzlichen Ölen und Fetten gewonnen werden.

Hyaluronsäure wird auch heute noch häufig aus Hahnenkämmen gewonnen, obwohl es mittlerweile auch biotechnologisch hergestellt werden kann.

Keratin findet man in zahlreichen Haarpflegeprodukten. Es wird aus zermahlenen Hufen, Hörnern und Federn hergestellt. Vegane Kosmetik greift auf Sojaprotein zurück.

Dies ist nur ein Bruchteil der Liste tierischer Rohstoffe, die in Kosmetika zum Einsatz kommen. In veganer Kosmetik sind solche tierischen Bestandteile komplett verboten. Das Vegan-Label der Vegan Society markiert Produkte, die nicht nur auf Tierversuche verzichten, sondern auch auf jegliche Inhaltsstoffe lebender oder toter Tiere. Ist ein Produkt nicht mit diesem Label ausgezeichnet, gibt es verschiedene Apps, mit denen man überprüfen kann, ob die Kosmetik komplett vegan ist.

Setzt sich der Trend „vegane Kosmetik“ durch?
Ob sich der Trend zur veganen Kosmetik durchsetzt und das Gesetz um ein Verbot tierischer Inhaltsstoffe erweitert wird, bleibt abzuwarten. Allerdings ist es durchaus möglich, dass ein solches Verbot nicht mehr lange auf sich warten lässt, denn schon jetzt gibt es zahlreiche vegane und tierfreundliche Alternativen, mit denen dieselben Effekte erzielt werden können, die bisher durch tierische Bestandteile erzielt wurden.

Nachhaltigkeit spielt eine immer größer werdende Rolle in der Gesellschaft, und das bezieht sich nicht nur auf die Art und Weise, wie wir mit Rohstoffen wie Wasser oder Öl umgehen. Auch die Art, wie wir mit anderen Lebewesen umgehen, steht schon seit Jahren auf dem Prüfstand. Das zeigt die wachsende Zahl an Vegetariern und Veganern.

Ernährungstrends sind schon seit jeher ein guter Indikator für die Lifestyle-Entwicklungen der Gesellschaft und der Kompass zeigt in dieser Beziehung deutlich auf mehr Verantwortung und Bewusstsein für die Produkte, die Verbraucher konsumieren. Zudem gibt es kaum gute Argumente dafür, warum weiterhin tierische Rohstoffe eingesetzt werden sollten, wenn es bereits eine Vielzahl qualitativ hochwertiger pflanzlicher Alternativen gibt. Die Ernährung ist erst der Anfang, die Kosmetik ist der nächste logische Schritt und viele neue Kosmetikhersteller machen es bereits vor, sodass zu erwarten ist, dass auch viele traditionelle Unternehmen der Kosmetikbranche nachziehen.

 krone.at
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