13.10.2021 05:59 |

„Krone“-Kommentar

Kindergärtnerinnen haarsträubend vernachlässigt

Seit vielen Jahren kämpfen die Elementarpädagogen um bessere Arbeitsbedingungen. Am Dienstag versammelten sich 5000 von ihnen zu einer Protestkundgebung im Votivpark in Wien. Völlig zu Recht! Ein Kommentar von „Krone“-Redakteurin und Dreifach-Mama Anja Richter.

Der „Und wie mach ma das jetzt?“-Moment ereilte uns gestern um 6.30 Uhr morgens. Als wir am Frühstückstisch in den Kalender blickend entdeckten, dass der Kindergarten zu hat. Weil die Pädagoginnen zum Streik ausrückten. Wie für uns hat die Kundgebung den Tag für Zigtausende Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf den Kopf gestellt.

Und das ist gut so!

Denn wie mit den Kindergartenpädagogen in den letzten Jahrzehnten umgegangen wurde, ist beschämend. Oder besser gesagt haarsträubend: viel zu große Gruppen, ein Dienstplan, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehrmals die Woche umgeworfen wird, dramatische Personalnot, zu wenig Gehalt und kaum Anerkennung für die so wichtige Arbeit mit unseren Kindern.

Zahl des Tages: 2400 Euro monatlich

So hoch ist das Einstiegsgehalt von Elementarpädagogen in privaten Einrichtungen in Wien. Mitarbeiter der Gemeinde Wien verdienen knapp 400 Euro brutto mehr. Assistenten kommen auf 1643 Euro brutto.


Corona hat die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert. Die Kindergärtnerinnen waren da, als die Schulen noch lange im Heimunterricht-Modus waren. Übernahmen die Kleinen geduldig vor dem Eingang. Nicht wenige steckten sich in der Arbeit mit dem Virus an. Wen wundert’s? Hygienemaßnahmen mit Dreijährigen umsetzen? Niemals. Abstand halten? Schier undenkbar. Dazu ständig neue Verordnungen, die einzuhalten sind.

Wie sie das jetzt machen sollen, das fragen sich unsere Kindergartenpädagogen jeden Tag. Danke dafür!

Anja Richter
Anja Richter
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