01.10.2021 09:55 |

Neue Farb-Richtwerte

Ab 2022 düstere Aussichten für bunte Tattoos in EU

In der Europäischen Union treten ab Jänner 2022 neue Richtwerte für die Inhaltsstoffe von Tattoo-Farben in Kraft. Farbige Tattoos könnten damit vorerst nicht möglich sein, weil gängige Mittel als gesundheitlich bedenklich eingestuft werden. Tätowierer mobilisieren gegen die EU-Verordnung. Sie warnen davor, dass das breite Spektrum an Tattoo-Farben bald vom Markt verschwindet und dass es außer Schwarz ab 2022 „keine Tattoofarben mehr in der EU“ geben werde. Denn Hersteller haben derzeit große Probleme, geeignete Alternativen zu produzieren.

Betroffen davon ist nicht nur eine Randgruppe: Bereits jeder vierte Österreicher ist tätowiert. Zehn Prozent ließen sich bereits mehrfach verzieren. In der gesamten Europäischen Union steigt die Zahl der Menschen, die sich ein Tattoo stechen lassen, besonders unter der jungen Bevölkerung an. Wichtige Farben könnten für Menschen, die sich ab 4. Jänner den Körper verzieren lassen wollen, nicht mehr vorhanden sein.

4000 chemische Substanzen betroffen
Gewisse Inhaltsstoffe sind ab dann reglementiert, da sie nicht der EU-Chemikalienverordnung „REACH“ entsprechen und gesundheitsschädlich sein können. Insgesamt sind laut European Chemicals Agency (ECHA) etwa 4000 chemische Substanzen davon betroffen.

Nur für die Pigmente „Blau 15:3“ und „Grün7“ gibt es noch eine längere Schonfrist bis 4. Jänner 2023. Denn für diese Farbstoffe gibt es keine „adäquate“ Alternative. Ab diesem Stichtag würde es dann wirklich eng werden: Die Österreichische Tätowierer- und Piercer-Vereinigung (ÖTPV) verwies bereits im Jänner darauf, dass ohne diese beiden Pigmente zwei Drittel aller Farbtöne nicht mehr legal zu tätowieren seien.

Experte befürchtet, dass „gar keine Farbe überbleibt“
Chemieingenieur Michael Dirks, der seit 2006 im Bereich der Tattoomittel aktiv ist und eine Petition gegen die EU-Verordnung führt, befürchtet, dass „gar keine Farbe in diesem Sinne überbleibt“. Denn aktuell würden fast 100 Prozent der Farben gegen die Chemikalienverordnung verstoßen. „Schwarz und Weiß sind derzeit nur unter erhöhtem Aufwand konform herzustellen“, so Dirks gegenüber der APA. In Österreich kann dies aktuell nur das steirische Unternehmen „I AM INK“.

Die EU beteuert zwar, dass bei ihren Überlegungen die Verfügbarkeit sicherer Alternativen und mögliche Änderungen der Versorgungskette und des Preises einbezogen wurden. Die Tattoo-Szene wird aber zu Beginn des kommenden Jahres wohl trotzdem mit Umstellungen, Anpassungen und Lieferengpässen zu kämpfen haben. Unklar ist, ob es Herstellern gelingt, die in Zukunft verbotenen Inhaltsstoffe durch andere zu ersetzen.

WKO befürchtet Ausweichen auf den Schwarzmarkt
Bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) liegen auf APA-Anfrage keine Information der Hersteller vor, ob sie bis zum 4. Jänner 2022 Farben für die Bereiche Tätowieren und Permanent-Make-up liefern können. Laut einigen von der WKO kontaktierten Herstellern werde bereits an konformen Farben gearbeitet. Allerdings gebe es keine weiteren Informationen, ob diese bis zum Stichtag am Markt verfügbar sein werden. Die WKO befürchtet ein Ausweichen der Kunden auf den Schwarzmarkt.

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