19.09.2021 06:00 |

Enormer Druck

Unsere Bauern kämpfen täglich um ihr Überleben

Die Corona-Krise zeigt uns auf: Österreichs Landwirte sind für uns alle systemrelevant. Doch unsere Bauern stehen unter enormem Druck durch billige Importe. Jeden Tag schließen neun Höfe für immer ihre Tore. 

Manchmal braucht es offenbar Krisen, um mehr Bewusstsein zu schaffen. Die letzten Monate haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, das wir zumindest auch in puncto Ernährung nicht von anderen Ländern abhängig sind. Unsere Landwirte bringen mit viel Fleiß all das hervor, das wir zum Leben und Überleben brauchen. Denn eines steht wohl außer Frage: Nichts ist so systemrelevant wie die Versorgungssicherheit.

Täglich schließen neun Bauern für immer ihre Tore
Eine Studie belegt, wie sehr die oft harte Arbeit der Landwirte wertgeschätzt wird. Denn stolze 94 Prozent der Bevölkerung haben ein positives Bild über diesen Berufsstand. Dennoch kämpfen die Bauern täglich ums Überleben. Der enorme Preisdruck stellt viele Landwirte und ihre Familien vor eine harte und endgültige Entscheidung: Täglich schließen neun Bauern für immer ihre Türen.

Unsere Bauern achten auf hohe Standards
Ein Grund für dieses „Bauernsterben“ ist die Tatsache, dass ihre Erzeugnisse, die sie unter hohen Standards produzieren, preislich nicht mit den Billigimporten mithalten können.

„Schluss mit Aktionitis, Rabattitis und Billigimporten“
Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, findet dafür harte, aber zutreffende Worte: „Es muss Schluss sein mit Aktionitis, Rabattitis und Billigimporten!“ Der Profi warnt vor einer ruinösen Talfahrt und dem Verlust der bäuerlichen Landwirtschaft. Dies würde nicht nur bedeuten, dass wir noch mehr Importe in den heimischen Regalen finden würden, sondern wohl auch, dass viele Regionen, die vom Tourismus leben, Probleme bekommen würden.

Denn es sind auch unsere Bauern, die für die Schönheit unseres Landes zuständig sind und maßgeblich dazu beitragen. Was wären unsere Alpen ohne die Almbewirtschaftung? Dabei geht es längst nicht nur darum, dass idyllisches Kuhglockengeläut zu hören ist und Wanderer sich an der Pracht der saftig grünen Wiesen erfreuen können, sondern vor allem auch um Sicherheit! Denn würde das Vieh diese Flächen nicht beweiden, dann käme es vermehrt zu Muren- und Lawinenabgängen.

Auch im Tal käme es zu Verbuschung, und unser gut gepflegtes Land würde massiv an Attraktivität verlieren. Unsere Landwirte haben, international betrachtet, hohe Auflagen in puncto Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Tierschutz. Natürlich gilt es, noch zahlreiche Verbesserungen zu erwirken!

Eine Kennzeichnungspflicht ist unumgänglich
Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn unsere Landwirte eine Chance haben, ihre hochwertigen Lebensmittel zu fairen Preisen zu verkaufen. Und: „Es braucht dringend eine Lebensmittelkennzeichnungspflicht! “Konsumenten sollen sofort erkennen, ob ihr Einkauf tatsächlich „Made in Austria“ ist oder ob die Grundzutaten vielleicht doch aus aller Herren Länder stammen", so Bauernbundpräsident Georg Strasser.

Die Politik ist gefragt – aber auch jeder Einzelne von uns. Schauen wir beim nächsten Einkauf und Restaurantbesuch bewusster darauf, woher die Zutaten kommen. Es geht nicht nur um die Sicherheit des Bauernstandes, sondern um unser eigenes Wohlergehen.

Gastkommentar von Hannes Royer von landschafftleben.at
Kalbsschnitzel mit Qualität?
Ich erwarte mir österreichische Qualität auf meinem Teller - Sie auch? Bei Kalbfleisch ist das schwierig. Insbesondere in der Gastronomie wird vor allem ausländisches Kalbfleisch verwendet. Das Fleisch aus dem Ausland bevorzugen die Gäste wegen seiner hellen Farbe und des billigeren Preises. Was viele nicht wissen: Fleisch von einem gesunden Kalb ist rosa. Weißes Fleisch ist unter anderem ein Zeichen von Mangelernährung. Wenn wir im Restaurant also lustvoll ein weißes Kalbsschnitzel essen, dann steckt dahinter alles andere als Lust, sondern ein mangelernährtes Tier.

Während wir Fleisch von schlecht ernährten Kälbern importieren, exportieren wir gleichzeitig gesunde Kälber lebend ins Ausland. Und das nur, weil die Mast im Ausland billiger ist und die heimischen Betriebe im Inland kaum Absatz für ihr Kalbfleisch finden. Das österreichische Kalbsschnitzel im Restaurant würde am Ende rund ein Euro teurer sein. Dieses absurde System auf Kosten der Tiere und der heimischen Landwirtschaft ist nur einen Euro pro Portion billiger! Einen Euro mehr bezahlen - heimische Qualität hat nun mal seinen Preis - und dafür regionales Fleisch am Teller und keine unnötigen Tiertransporte. Mir ist es das absolut wert. Und Ihnen?

Maggie Entenfellner
Maggie Entenfellner
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