04.03.2011 00:18 |

Mord an 26-Jährigem

Lebenslang und zehn Monate Haft für Vater-Sohn-Duo

Zu lebenslanger Haft ist am Donnerstag vor dem Landesgericht Feldkirch ein 56-jähriger Türke wegen Mordes am Freund seiner Tochter verurteilt worden. Sein zum Tatzeitpunkt noch minderjähriger Sohn bekam wegen Mordes durch Unterlassung 18 Monate Haft, zehn davon unbedingt. Der Freund der Tochter wurde Mitte Mai 2010 in ein Waldstück verschleppt und durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe getötet. Während der Sohn die Strafe annahm, ist das Urteil gegen den Vater nicht rechtskräftig.

Die Leiche des 26-jährigen türkischstämmigen Österreichers wurde zwei Tage nach der Bluttat an einem Waldrand im Bereich des Hochhädrichs bei Hittisau entdeckt. Als Tatverdächtige wurde das Vater-Sohn-Gespann kurze Zeit später in U-Haft genommen. Der damals 17-Jährige kam nach zwei Monaten vorerst frei.

Zu der Bluttat soll es nach einem beabsichtigten Besuch des jungen Mannes bei der damals 29 Jahre alten Tochter des Tatverdächtigen gekommen sein. Auf dem Vorplatz des Hauses des 56-Jährigen in Langenegg im Bregenzerwald gerieten die beiden Männer laut Zeugenaussagen dann aneinander. Der Türke habe den jungen Mann, der ihm für seine Tochter nicht gut genug gewesen sein soll, geschlagen und in ein Auto gezerrt, so die Tochter und eine Freundin der jungen Frau, die im Prozess als Zeugin auftrat. Der damals 17-jährige Sohn des Hauptangeklagten fuhr im Wagen mit.

Sohn belastete den Vater
Der Vater hat bis zuletzt alle Vorwürfe bestritten. Jedoch sagte sein Sohn gegenüber der Polizei aus, er sei vom Vater zum Mitfahren gezwungen worden. Im Bereich der Leichenfundstelle sei der 56-Jährige mit dem 26-Jährigen ausgestiegen und weggegangen, wenig später habe er einen Schuss vernommen. Nach dem Hinweis des Sohnes wurde auch ein Revolver entdeckt. Der Verdacht, dass es sich dabei um die Tatwaffe handelt, ließ sich bisher durch die Spurenlage allerdings nicht erhärten. Im Wagen des 56-Jährigen wurden jedoch Fasern von der Bekleidung des Toten gefunden.

Der gebürtige Türke erklärte vor Gericht am Donnerstag erneut, er habe den 26-Jährigen nicht gekannt, sei zum Tatzeitpunkt nicht in der betreffenden Gegend gewesen und habe auch keine Waffe besessen. "Ich bin kein Mörder", erklärte der Mann.

Beweilsage teilweise nicht eindeutig, aber die Indizien
Vor Gericht kamen mehrere Zeugen zu Wort. Sachverständige, die die Tatwaffe sowie die Kleidung der Beteiligten untersucht hatten, berichteten von einer teilweise nicht eindeutigen Spurenlage. So konnte etwa nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob der 56-Jährige einen Schuss abgab. Laut Gerichtsmediziner Walter Rabl starb der Mann an dem Kopfschuss, weitere Hinweise auf Verletzungen, etwa von einer körperlichen Auseinandersetzung, wurden nicht gefunden.

Die Verteidigung berief sich am Donnerstag auf das Fehlen von Beweisen und verlangte einen Freispruch. Der Staatsanwalt hielt dagegen, die Zusammenschau der Indizien überführe den Erstangeklagten klar. Die Geschworenen kamen nach rund fünf Stunden Beratung gegen 20 Uhr zu ihrem Ergebnis.

Bei Ermittlungen Verdacht auf Ehrenmord aufgetaucht
Nach dem Ende des Ermittlungsverfahren Mitte Dezember 2010 waren außerdem weitere Verdachtsmomente gegen den 56-jährigen Familienvater aufgetaucht. Bei den Vernehmungen berichteten mehrere Bekannte bzw. Familienmitglieder vom Verschwinden einer der Töchter des Mannes im Jahr 2005. Es werde geglaubt, dass der Mann seine damals 23-jährige Tochter in die Türkei verschleppt und dort im Stil eines Ehrenmordes getötet haben könnte. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch leitete ihre Ermittlungsergebnisse an Interpol in Ankara weiter, da bei einer mutmaßlichen Tat im Ausland "keine innerösterreichische Gerichtsbarkeit gegeben sei". Im Verfahren am Donnerstag war dieser Aspekt daher kein Thema.

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