Teenager als Täter

Lehrling in Simmering wegen 50 Euro erstochen

Wien
23.02.2011 14:34
Der Mord an dem 18-jährigen Lehrling Valmir L. in Simmering in der Nacht auf den 4. Jänner ist geklärt. Die Polizei hat am Dienstagnachmittag zwei Jugendliche als Tatverdächtige festgenommen. Diese legten bereits kurze Zeit später ein umfassendes Geständnis ab. Dabei bekamen die Ermittler Erschütterndes zu hören: Der 18-Jährige musste offenbar wegen 50 Euro sterben, die er kurz zuvor von den Verdächtigen erhalten und verspielt hatte.

L. war in der Mordnacht von zwei Frauen in der Grillgasse mit mehreren Messerstichen im Rücken gefunden worden. Die Zeuginnen hatten auf dem Nachhauseweg die Hilfeschreie des Opfers gehört und zwei Verdächtige weglaufen gesehen. Der 18-Jährige starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Polizei tappte bei dem Fall zunächst im Dunkeln. Eine Blutspur, die vom Tatort etwa 200 Meter wegführte, stammte nicht von einem Menschen. Auch Zeugen, die sich nach der Veröffentlichung von Fotos Mitte Jänner und Anfang Februar meldeten, schienen zunächst nichts zur Klärung beitragen zu können.

Duo tischt Polizei Lüge auf
Vor allem jene beiden Burschen, die sich als die beiden Menschen auf einem im Februar publizierten Foto aus einem Spiellokal auf der Simmeringer Hauptstraße zu erkennen gaben, sagten, sie hätten den Lehrling an dem Abend zwar kurz in einem Lokal getroffen, seien aber nicht mit ihm unterwegs gewesen. Zum fraglichen Zeitpunkt seien sie zu Hause gewesen, bekamen die Ermittler der Gruppe Fleischhacker zu hören. Offenbar eine Lüge, wie sich in späteren Einvernahmen herauskristallisieren sollte.

"Wir haben uns von einem Hinweisgeber zum nächsten weitergearbeitet", schilderte ein Ermittler. Zwei Tage vor der Festnahme war es erstmals so, dass die Kriminalisten ernsthaft auf die Klärung des Falles hoffen konnten. Ein Informant sagte ihnen, er kenne zwei Personen, die ihnen die entscheidenden Hinweise liefern könnten. Von diesen bekamen die Beamten prompt die Namen der Verdächtigen geliefert. Es handelte sich um jene, die bereits Anfang des Monats befragt worden waren. Dann klickten die Handschellen.

In den Einvernahmen hatten die Polizisten bereits einen Sachbeweis in der Hinterhand, mit dem sie die beiden Jugendlichen konfrontierten. Es dauerte nicht lange, und das Duo schilderte den genauen Tathergang.

50 Euro als Motiv für Bluttat
Demnach hatten sie das Opfer etwa zweieinhalb Stunden vor dem Mord in einem Lokal auf der Simmeringer Hauptstraße um eine Zigarette gebeten. Man kam ins Gespräch: Die Verdächtigen wollten Haschisch und gaben dem Lehrling 50 Euro, damit er ihnen die Drogen besorgt. Gemeinsam verließen sie die Gaststätte. Doch der 18-Jährige hatte noch eine andere Idee: "Die 50 Euro verdoppeln wir mindestens", meinte er und ging mit den beiden in ein Spiellokal. Er hatte sich jedoch verrechnet, das Geld war kurz darauf weg. Ein neuer Plan musste her, und der bestand darin, zu dritt jemanden zu überfallen.

Fast zehn Messerstiche in den Rücken
Doch bei den genaueren Planungen glaubten die beiden späteren Täter, dass sich der Lehrling doch aus dem Staub machen wollte. Sie stellten ihn zur Rede, es gab eine Rangelei. Der ältere der beiden Verdächtigen rammte L. ein großes Messer mit Zackenschliff und Metallgriff in den Rücken und ließ es stecken. Das Opfer flüchtete, nach 20 Metern verlor es die Stichwaffe. Der 16-Jährige holte den Lehrling ein und stach ihm ebenfalls einige Male in den Rücken. Der Verletzte brach in der Grillgasse zusammen und blieb auf dem Bauch liegen. Der 17-Jährige hatte unterdessen sein Messer wieder eingesammelt und verpasste dem Liegenden noch einen Stich in den Rücken. Insgesamt seien es fast zehn Stiche gewesen.

Bekannter rät, Tatwaffen verschwinden zu lassen
Die beiden Jugendlichen flüchteten und deponierten die Tatwaffen zunächst in einem "Hohlraum auf einem öffentlichen Gelände". Dann riefen sie einen Bekannten an und erzählten ihm, was geschehen war. Dieser meinte nur, sie sollten die Messer wegen der Fingerabdrücke und anderer Spuren so verschwinden lassen, dass diese nicht mehr gefunden würden. Die beiden holten die Waffen und deponierten sie an einem Ort, an dem sie bisher nicht gefunden wurden. Details dazu wollten die Ermittler aus kriminaltaktischen Gründen nicht bekannt geben.

Die Verdächtigen dürften schon wegen Eigentumsdelikten aufgefallen sein. Beim älteren der beiden handelt es sich um einen Unterstandslosen, der jüngere ist bei einem großen Unternehmen beschäftigt. Beide sind Wiener.

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