Kulturhauptstadtchefin

„Ich bin sicher nicht jemand, der Geld verprasst“

Nachdem Vorgänger Stephan Rabl geschasst wurde, ist die Wiener Kulturmanagerin Elisabeth Schweeger die neue Chefin der Kulturhauptstadt 2024 im Salzkammergut. Für ihren Job zieht sie sogar nach Bad Ischl.

Der ursprüngliche künstlerische Leiter Stephan Rabl musste nach internen Querelen gehen. Die Intendanz der Kulturhauptstadt 2024 in Bad Ischl und im Salzkammergut wurde unmittelbar danach neu ausgeschrieben - wie berichtet. Die Wahl aus 69 Bewerbungen fiel auf die 67-jährige Dramaturgin und Kulturmanagerin Elisabeth Schweeger, die gestern ihren Vertrag unterschrieb. Der „Krone“ gab sie ein erstes Interview.

„Krone“: Was war Ihre Motivation, sich zu bewerben?
Elisabeth Schweeger: Ich bin gefragt worden. Ich habe das Bewerbungsbuch gelesen und war von etlichen Projekten sehr angetan. Außerdem kenne ich die Gegend gut. Aber ich war natürlich überrascht, dass man auf mich kam.

„Krone“: Sie haben sich gegen 68 andere Bewerber durchgesetzt.Was macht es für Sie so reizvoll, eine Kulturhauptstadt auszurichten?
Schweeger: Bei dieser Kulturhauptstadt kommt es nicht auf die großen Ballungszentren an. Das Reizvolle für mich ist daher die Frage: Wie kann eine Region regional leben und international handeln? Das hat mich immer schon interessiert und nach der Pandemie ist es besonders interessant, dafür Grundlagen zu schaffen.

„Krone“: Im Bewerbungsbuch sind Programmlinien festgelegt. Haben Sie ein gutes Gefühl, dass sich das Programm wirklich so umsetzen lässt?
Schweeger: Der Aufbau des Programms ist für mich logisch. Ich finde die Projekte interessant. Es ist ein gutes Fundament, auf dem man in der Kürze der Zeit aufbauen kann, man kann auch viel weiterentwickeln. Aber es sind an einigen Stellen Optimierungen zu machen.

„Krone“: Sie finden aber nicht alle Projekte interessant. Müssen Sie nicht alle übernehmen?
Schweeger: Man muss alle evaluieren und vor allem schauen, ob man sie finanziell stemmen kann. Auf dem Papier ist alles ungefähr angedacht. Ich weiß als Kuratorin, dass immer vieles gemacht werden kann, aber einiges nicht. Die Überprüfung und Weiterentwicklung werde ich mit dem Team durchführen.

„Krone“: Das Budget ist derzeit mit 30 Millionen Euro angesetzt. Das ist nicht besonders hoch.
Schweeger: Stimmt, das ist nicht viel. Man wird versuchen, noch einiges aufzustellen. Nicht nur Cash, sondern auch Kooperationen. Ich kenne alle, die sich derzeit mit Kulturhauptstädten beschäftigen, etwa die Leute in Novi Sad, da gibt es viele Möglichkeiten, anzudocken.

„Krone“:Die Zeit für die Realisierung der Kulturhauptstadt ist auf zwei Jahre geschrumpft. Das ist doch knapp, oder?
Schweeger: Ja.

„Krone“: Ihr Vorgänger ist rausgebissen worden. Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass es bei Ihnen klappt?
Schweeger: Was vorher passiert ist, kann ich nicht einschätzen. Da müssen Sie jemand anderen fragen. Meine Zuversicht kommt aus dem, was ich kann. Ich habe über 30 Jahre Erfahrung im Kuratieren. Außerdem habe ich großes Vertrauen gegenüber dem Team. Auch die Künstler, die angedacht sind, sind mir vertraut. Letzten Endes habe ich alles, was ich in meinem Leben angefangen habe, zu Ende gebracht.

„Krone“: Der Titel „Die Originale 2024“ ist zuletzt die Marke der Kulturhauptstadt geworden. Die Entwicklung hat einiges an Geld gekostet. Wird die Marke bleiben?
Schweeger: Ich denke schon. Ich bin nicht jemand, der Geld verprasst. Ich bleibe immer im Rahmen des Budgets.

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Ich kehre beruflich zurück nach Österreich! Die Kulturhauptstadt bietet die Chance, eine traditionsreiche Region neu zu denken.

Elisabeth Schweeger

„Krone“:Ein Schwerpunkt der Projekte liegt auf der Thematik Overtourismus. Corona hat diesen bereits stark reduziert. Wird er dennoch ein starkes Thema bleiben?
Schweeger: Natürlich. Wir wollen Strategien entwickeln, um der Situation gerecht zu werden. Das entwickle nicht ich alleine, sondern wir alle gemeinsam mit den Gemeinden hier. Denn Hypertourismus betrifft die ganze Region. Wir werden Überlegungen anstellen, wie man damit umgeht. Das kann nur eine gemeinschaftliche Entscheidung sein.

„Krone“: Wir wissen nicht, wie die Pandemie weitergeht. Ist es nicht äußerst schwierig, Projekte und Veranstaltungen für das Jahr 2024 zu planen?
Schweeger: Nein, denn wenn man Großveranstaltungen plant, muss man immer andenken: Was passiert, wenn? Wir haben viele neue Situationen seit Pandemiebeginn erlebt. Es war und ist letztlich eine spannende Zeit. Natürlich müssen wir bedenken, wie wir damit umgehen, wenn man keine Massen auf einen Platz lassen kann.Aber ich habe die Hoffnung, dass sich immer mehr Leute impfen lassen und Corona wie die Grippe wird. Mit der leben wir schon ein Jahrhundert.

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Das Salzkammergut ist eine kulturträchtige Landschaft mit viel Geschichte. Und wir werden die Region in die Zukunft führen!

Elisabeth Schweeger

„Krone“: Sie haben viele Kontakte. Werden Sie auch eigene Projekte mitbringen?
Schweeger: Ich werde sicherlich die eine oder andere Idee einbringen.

„Krone“: Es gibt die Auflage, dass Sie nach Ischl ziehen.
Schweeger: Ich bin Wienerin und habe dort meinen Wohnsitz. Aber ich leite seit dem Jahr 2014 die Akademie für Darstellende Kunst Baden Württemberg und habe daher auch dort eine Wohnung. Natürlich, man zieht dorthin, wo man arbeitet. Ich werde daher auch in Bad Ischl wohnen.

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Ich bin nur so gut wie meine Mitarbeiter. Und ich setze auf Dialog. Die Kulturhauptstadt ist ein Miteinander – da entwickelt sich viel mehr.

Elisabeth Schweeger

„Krone“: Sie haben gestern den Vertrag unterschrieben. Wann geht es los?
Schweeger: Ich mache jetzt ein paar Tage Urlaub in St. Gilgen, wie jedes Jahr. Und dann beginnt schon die Arbeit hier.

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