19.07.2021 20:40 |

„Krone“-Reportage

Der Pinzgau steht weiterhin in Teilen unter Wasser

„Krone“-Lokalaugenschein am Montag im Pinzgau. Das Hochwasser bestimmt das Leben etlicher Ehrenamtlichen und Gemeindebürger. An Aufräumen wie in Hallein ist noch nicht wirklichen zu denken. Die Region steht in weiten Teilen noch unter Wasser. In manchen Orten wie Niedernsill oder Zell am See wurde es erst jetzt brenzlig, tags zuvor wurde in Mittersill gezittert.

„Zuerst Corona, und dann das“. Kerstin Altenberger steht vor ihrem Lokal beim Uttendorfer Weißsee, verzweifelt. Das Wasser verschluckte den See, die Sportanlage und flutete die Keller von Nachbarhäusern. Der Wasserstand ist sogar höher als am Tag davor, ergänzt ein Mitarbeiter: „Er stieg im Minutentakt, etwa 15 Zentimeter alle zehn Minuten.“

Szenenwechsel nach Niedernsill: „Bis zum Mittag hatten wir einen ansteigenden Pegel“, schildert Bürgermeister Günther Brennsteiner während Ehrenamtliche versuchen, das Wasser beim Kindergarten - neben der untergegangenen Freizeitanlage samt Camp - abzupumpen. Das Problem? „Der Überlauf in das Retentionsbecken kam so schnell, dass die Schutzmaßnahmen für ein 30-jähriges Hochwasser nicht hielten.“ Dass der Pegel wieder anstieg, kam „sehr überraschend“.

Dank raschem Einsatz und den Schutzbauten waren nur 20 bis 30 Wohnhäuser betroffen. Brennsteiner lobt „die starke Hilfsbereitschaft“. Er erzählt auch von einem Mann, der mit vier Kindern in einem Schlauchboot durch das geflutete Gebiet ruderte: „Verrückt“.

Neben den Oberpinzgauer Gemeinden wie Bramberg und Hollersbach, die schwer getroffen und nur per Seitenstraße und Blockabfertigung erreichbar sind, wird in Stuhlfelden aufgeräumt. „So viel Wasser war noch nie“, sagt Ortschefin Sonja Ottenbacher. Der Feuerwehr-Chef Alois Steger nickt: „In dem Ausmaß war es nicht zu erwarten.“ Etwa 50 seiner Mannen stehen - wie etliche andere Feuerwehrleute - seit drei Tagen im Dauer-Einsatz. Das Schadensausmaß sei noch nicht ersichtlich, aber: „Viele Bewohner sind verschont geblieben“. Dank des Hochwasserschutzes, so Ottenbacher: „Man fühlt sich sicherer durch die Verbauungen, und am sichersten durch die Feuerwehr.“

Nächster Szenenwechsel, diesmal im Gewerbegebiet von Zell am See: Ein See erstreckt sich über die Felder bis nach Bruck. Feuerwehr und Bau-Firmen arbeiten zusammen, um den untergegangenen Flugplatz frei zu kriegen und Wohngebiete zu schützen. Beim „Krone“-Gespräch läutet das Handy von Bürgermeister Andreas Wimmreuter: „Der Damm hält“. Zuvor hatte der mobile Schutz gegen die Wassermassen versagt. Es war einfach zuviel. 

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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