Ende der Demo
Ägyptens Militär räumt den "Platz der Befreiung"
Der Militärrat, der übergangsweise die Macht übernommen hat, hatte die Demonstranten bereits am Sonntag aufgefordert, den Platz zu räumen. Das Gremium hatte zudem angekündigt, das Land nur sechs Monate lang oder bis zur nächsten Wahl zu führen.
Am Montag nahm der Oberste Militärrat dann einen Dialog mit Internet-Aktivisten über die Zukunft des Landes auf. Der Militärrat habe eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung binnen zwei Monaten zugesagt, teilten der ägyptische Google-Manager Wael Ghonim und der Blogger Amr Salama nach dem Gespräch mit. Der Militärrat versicherte laut Ghonim und Salama, dass er nicht dauerhaft regieren wolle und Ägypten eine zivile Regierung bekommen werde.
Ghonim ist der Google-Marketingchef für den Nahen Osten und Afrika. Er war während der Massenproteste gegen Mubarak festgenommen worden und hatte zwölf Tage in Haft verbracht (siehe Infobox). Die Armeespitze um Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi hatte am Sonntag das Parlament aufgelöst, in spätestens sechs Monaten soll es Neuwahlen geben. Die Verfassung wurde außer Kraft gesetzt. Der Militärrat erfüllte damit zentrale Forderungen der Mubarak-Gegner.
Polizisten bekunden Solidarität mit Demonstranten
In Kairo haben sich am Montag Hunderte Polizisten mit der Protestbewegung solidarisiert. Die Beamten zogen teils in Uniform, teils in Zivilkleidung auf den Tahrir-Platz. "Wir und das Volk gehören zusammen", riefen sie in Sprechchören. Viele schwenkten die ägyptische Fahne. Mit der Solidaritätskundgebung sollten auch "die Märtyrer der Revolution" geehrt werden, erklärten die Polizisten. "Wir bitten die ägyptische Bevölkerung, uns nicht zu ächten. Wir sind keine Feinde", sagte der Polizist Mohammed Mestekawi. Viele Beamte seien selbst Opfer des Systems gewesen.
Am Rande der Polizei-Kundgebung kam es zu Rangeleien zwischen Beamten und Zivilisten: Wütende Oppositionsanhänger warfen den Polizisten vor, ihre Fahnen nach dem Wind zu hängen. "Das sind Mitläufer. Die wollen die Revolution für sich beanspruchen", rief der aufgebrachte Samah Hassan, der sich mit einem Polizisten geprügelt hatte. Polizisten erklärten wiederum, auch sie hätten unter dem System Mubarak gelitten. Nur die oberen Ränge des Polizeiapparats seien korrupt gewesen.
Die meisten Ägypter betrachten die Polizei als Ausführungsorgan des alten Machtapparats. Sie hatte sich Ende Jänner aus den Straßen zurückgezogen, nachdem sie nicht in der Lage gewesen war, die Situation unter ihre Kontrolle zu bringen. Daraufhin bezog die Armee Stellung in der Hauptstadt und errichtete einen Puffer zwischen Demonstranten und Anhängern des mittlerweile zurückgetretenen Präsidenten Hosni Mubarak.
Ehemalige Politiker drängen an die Macht
Nach dem Sturz von Präsident Mubarak drängen jetzt ehemalige ägyptische Regierungsmitglieder an die Macht, die sich einst mit Mubarak überworfen hatten. Der ehemalige Vize-Außenminister Abdullah al-Ashal sagte der Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" am Montag, er sehe sich als Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl. Der Minister hatte seinen Posten 2003 unter Protest verlassen, weil sich Ägypten seiner Ansicht nach nicht eindeutig genug gegen die US-Invasion im Irak positioniert hatte.
Popularität brachte Politiker zu Fall
Zuvor hatte bereits der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, seine Absicht zur Kandidatur für das höchste Amt erklärt. Er war von 1991 bis 2001 Ägyptens Außenminister gewesen, solange bis Mubarak seine Beliebtheit als verdächtig eingestuft hatte.
Auch der ehemalige Ministerpräsident Kamal al-Ganzouri hofft möglicherweise auf ein Comeback. Er sagte der Kairoer Tageszeitung "Al-Masry Al-Yom", Mubarak, der ihn 1996 als Regierungschef eingesetzt hatte, habe ihn 1999 abgesägt, weil er "zu populär" geworden sei. Viele Ägypter, die sich an Ganzouris Amtszeit erinnern, würden diese Interpretation jedoch bestreiten.











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