Die fast 9.000 Euro wären für Einkünfte aus den Jahren 1999 bis 2002 zu bezahlen gewesen, berichtet das Magazin "News" vorab. Allerdings hatte Grasser im Jahr 2004 einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Verjährungsfrist von zehn auf sieben Jahre verkürzte. Somit muss Grasser "nur" noch 18.811,68 Euro nachzahlen und spart sich damit ein gutes Drittel seiner Schuld.
Auch offenbart die Anzeige, dass das weit entfernte Depot in Kanada nicht die einzige Steuersünde Grassers war. Auch heimische Konten waren betroffen. Der Ex-Finanzminister sieht diese Tatsache aber als nicht besonders schwerwiegend an. Er habe der Öffentlichkeit nichts verschwiegen. "Meine Aussagen in der Öffentlichkeit waren richtig", betonte Grasser am Mittwochnachmittag. Es seien zwar vier Konten und nicht nur eines betroffen, aber die Steuernachzahlung habe "zu 98 Prozent" das kanadische Konto betroffen.
Von 18.811 Euro, die er "freiwillig nachgezahlt" habe, nachdem er seine Steuerberater um die Überprüfung aller seiner Unterlagen gebeten habe, hätten 18.471 Euro nur das kanadische Depot betroffen. Aus diesem Grund sei es "absolut richtig und auch sinnvoll, wenn man in der Öffentlichkeit eine Aussage trifft, dass es praktisch ein Depot betrifft", erklärte Grasser im ORF-Radio, warum er nach der Bekanntgabe seiner Selbstanzeige nur von einem Konto gesprochen hatte.
"Habe Hunderte Gesetze eingebracht"
Konkret habe er für Dividendeneinkünfte am Hypo-Alpe-Adria-Konto 3,96 Euro nachgezahlt, für Erträge eines Zertifikatsverkaufs über das Meinl-Bank-Konto im Jahr 2007 133,52 Euro sowie für ein Konto bei Smith Barney 212,58 Euro. "Beim Raiffeisen-Konto gab es nichts nachzuzahlen", sagte Grasser. Das kanadische Konto sei von einer Bank auf die andere übertragen worden, werde also in der Selbstanzeige zweimal aufgeführt. Also seien insgesamt vier Konten von der Steuernachzahlung betroffen gewesen.
Auf die Frage, ob er sich durch einen von ihm selbst eingebrachten Gesetzesentwurf zur Verkürzung der Verjährungsfristen für Steuerschulden 8.785,98 Euro erspart habe, wie das "News" schreibt", wollte Grasser nicht eingehen. Er habe "Hunderte Gesetzesentwürfe" eingebracht und könne sich daher nicht an diesen erinnern. Außerdem habe nicht er die Gesetze beschlossen, wandte er ein.
"Will keine steuertechnische Diskussion führen"
Auch auf die Frage, warum laut Aussage seines Steuerberaters Millionenhonorare für die Investorensuche für Meinl International Power (MIP) über eine karibische Tochterfirma seiner Liechtenstein-Stiftung an seine österreichische Firma Valuecreation flossen, ging der Ex-Finanzminister nicht inhaltlich ein, da er keine "steuertechnische Diskussion" führen wolle. "Ich habe alles offengelegt, jetzt wird es von der Finanz geprüft, und ich bin überzeugt, dass alles korrekt ist", sagte Grasser.
Grasser sieht sich als Opfer und kündigt neue Anzeige an
Wegen der Veröffentlichung seiner Selbstanzeige in "News" kündigte Grasser eine weitere Anzeige bei der Staatsanwaltschaft an. Das Justizministerium solle endlich diesen "unerträglichen Amtsmissbrauch" abstellen, fordert er. Dass seine Selbstanzeige nicht von ihm bekannt gegeben wurde, sondern erst über einen Medienbericht öffentlich wurde, ist für Grasser kein Argument. "Sie erfahren auch bei anderen Österreichern nicht, dass es eine Selbstanzeige gibt", meinte er. "Ich habe den Fehler selbst entdeckt, habe den Fehler erkannt und selbst aufgedeckt."
Millionen flossen in kompliziertes Stiftungsgeflecht
Grasser hatte über sein kompliziertes Firmen- und Stiftungsgeflecht Millionen fließen lassen, berichtet das Nachrichtenmagazin "News", das in seiner neuen Ausgabe aus der Einvernahme von Grassers Steuerberater Peter Haunold vor dem Bundeskriminalamt am 9. November 2010 zitiert. Grassers österreichische Firma "Valuecreation" habe laut Haunold von der Silverwater in den Jahren 2008/09 vier Millionen Euro Beratungshonorar erhalten.
Die "Silverwater Invest and Trade Inc." mit Sitz auf der Karibikinsel Tortola (Britische Jungferninseln) ist eine Tochtergesellschaft von Grassers "Waterland-Stiftung" in Liechtenstein. Auf die Frage nach dem Grund der Millionenüberweisung sagte der Steuerberater laut "News", dass Grasser in deren Auftrag für den Börsegang der Meinl International Power Investoren geworben habe. Warum Grasser von der - letztlich eigenen - Firma den Auftrag bekam, Investoren für die MIP zu werben, und sich dies am Umweg über die Karibik fürstlich von der eigenen Silverwater-Firma entlohnen ließ, bleibt allerdings unklar.
SPÖ und Grüne verlieren die Geduld
Kritik kommt derweil von SPÖ und Grünen. SP-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter stellte am Mittwoch fest, "dass das gesamte Lügengebäude des Ex-Finanzministers nun krachend zusammenbricht". Er forderte erneut dazu auf, "Licht ins Dunkel der Grasser-Privatstiftungen in Liechtenstein" zu bringen, denn er könne angesichts der nun bekannten Umstände nicht mehr glauben, dass es sich dabei um ordentlich versteuertes Vermögen von Grasser handle.
Die Grüne Abgeordnete Gabriela Moser forderte in einer Aussendung die Offenlegung des Vermögens des Ex-Finanzministers. Gleichzeitig forderte sie die ÖVP dazu auf, den Weg für einen Untersuchungsausschuss freizugeben. "Das wäre ein notwendiger Beitrag zur Politik-Hygiene", so Moser.









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