18.06.2021 09:04 |

Aber keine Eile

Experte erkennt Nutzen bei Impfung für Junge

Kinder und Jugendliche haben zwar nur ein geringes Risiko eines schweren Covid-Verlaufs, ein Wiener Pharmakologe hält Schutzimpfungen für diese Altersgruppen dennoch für sehr sinnvoll. Die Nutzen-Risiko-Abwägung einer Impfung in der Gruppe ab zwölf Jahren falle „eindeutig positiv aus“, so Markus Zeitlinger. Man wisse nun schon sehr viel über die mRNA-Impfstoffe. Obwohl mögliche schwere Nebenwirkungen höchst selten auftreten, sei es aber „total legitim“ für Eltern, auf weitere Daten aus den USA zu warten. Niemand sollte sich drängen lassen, es bestehe keine Eile.

Die Impfung auch für junge Menschen habe neben dem individuellen Schutz vor der Erkrankung auch einen indirekten Nutzen für die Allgemeinheit, wenn etwa durch eine höhere Durchimpfungsrate neue Wellen eher verhindert werden, neue Virenvarianten weniger Chancen haben oder Schulschließungen ausbleiben können, erklärte der Vorstand der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie der MedUni Wien.

Risiko einer Erkrankung von Ungeimpften in nächsten Jahren hoch
Zeitlinger geht davon aus, dass grundsätzlich nahezu jede ungeimpfte Person ein hohes Risiko hat, in den kommenden Jahren mit irgendeiner SARS-CoV-2-Variante in Berührung zu kommen. Wird ein Kind oder Jugendlicher tatsächlich krank, liegt die Wahrscheinlichkeit in Österreich bei 1:500 bis 1:1000, dass sich ein schwerer Verlauf einstellt, der eine Spitalsbehandlung notwendig macht, so der Experte: „Das ist natürlich viel geringer als bei älteren Menschen.“ Würden aber insgesamt eine Million Kinder hierzulande infiziert, betreffe das immerhin zumindest 1000 von ihnen.

Folgeerkrankungen können nach Infektion schwerwiegend sein
Dass Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung in seltenen Fällen bei Kindern auftretende Mis-C- oder PIMS-Syndrom ist durch eine überschießende Immunreaktion, die einen lebensgefährlichen Verlauf nehmen kann und intensivmedizinische Betreuung notwendig macht, gekennzeichnet. In den USA wurden bisher über 4000 solcher Fälle registriert, bei 36 tödlichen Verläufen. Auch für den Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum in Dresden, Reinhard Berner, ist dies ein „relevantes Problem“, das Experten weltweit überrascht habe. Mittlerweile erkenne man zum Glück das Krankheitsbild und könne reagieren und behandeln.

Insgesamt müsse man festhalten: Kinder kommen deutlich seltener ins Spital, ist dies aber notwendig, sind die Überlebenschancen kaum anders als bei Erwachsenen, so Zeitlinger. Wie bei Älteren steige die Häufigkeit schwerer Verläufe und Nebeneffekte bei Jungen mit den Risikofaktoren wie Diabetes oder Übergewicht. Zeitlingers Fazit: „Covid ist eine gefährliche Erkrankung - auch für Kinder. Jeder, der etwas anderes sagt, hat einfach keine schwerkranken Kinder gesehen.“

Studie: Keine Erkrankungen nach Impfung bei Jungen
Dass der für die Altersgruppe ab zwölf Jahren in Europa zugelassene mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer eine gute Immunreaktion anstößt, zeige die Zulassungsstudie mit 2300 Teilnehmern deutlich. Alle 16 Erkrankungsfälle in der Studie waren in der Gruppe, die statt dem Impfstoff eine Placebo-Dosis erhalten hat. „Ganz eindeutig: es wirkt“, so Zeitlinger. Die Nebenwirkungen durch die Impfung seien laut einer Studie über das Vakzin von Biontech/Pfizer nicht dramatisch. Je ein Drittel hatte Kopf- und Muskelschmerzen und war müde. Rund zehn Prozent entwickelten Fieber.

Der Experte meint, dass man bei Impfungen für die jüngeren Menschen über Dosisanpassungen nachdenken müsse. Positiv sei jedoch, dass Junge im Impfplan nach hinten gereiht werden: „Es können sich Kinder impfen lassen, es wird aber kein Druck gemacht.“ Ein Zuwarten sei „total legitim“, ebenso wie eine Entscheidung in die andere Richtung. „Ich verstehe die Ängste, glaube aber, aus all diesen Überlegungen, dass die Risiko-Nutzen-Abwägung auch individuell für das Kind eindeutig positiv ist“, sagte Zeitlinger.

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