Durch Fleckers Initiative wurden in der Steiermark soziale Meilensteine wie die Wohnbeihilfe, Gratis-Kindergarten oder die Abschaffung des Pflegeregresses umgesetzt. Die "Steirerkrone"-Redakteure Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger haben um Statements zu brisanten Fragen gebeten. Und pointierte Antworten erhalten. Etwa, dass die aktuelle Politik "nur langweilig", dass der Landeshauptmann "inhaltlich nicht sattelfest" und eigentlich ein Populist sei.
"Krone": Wie geht es Ihnen mit Ihrer SPÖ? Was unterscheidet diese noch vom politischen Mitbewerber?
Kurt Flecker: Weder inhaltlich noch personell bestens. Wenn wieder Persönlichkeiten, mit denen Inhalte verbunden sind, nach oben gespült werden, wird es besser sein. Die Kreisky-Nostalgie kommt nicht von ungefähr. Die ÖVP ist ähnlich teigig, Wertehaltungen werden nicht diskutiert, daher verschwimmen die Unterschiede.
"Krone": Ist das noch Ihre SPÖ?
Flecker: Ich bin Sozialdemokrat, daher ist sie meine Partei. Sie gehört wieder an die alten Werte herangeführt. Leider herrscht zurzeit innerparteilich Totenstille.
"Krone": Wie geht's Ihnen mit dem Vorsitzenden Franz Voves - persönlich wie inhaltlich?
Flecker: Es ist ihm gegenüber am charmantesten, seine Persönlichkeit nicht zu kommentieren. Inhaltlich ist er leider nicht sattelfest, hat aber ein gutes Gespür für populistische Auftritte.
"Krone": Wie stehen Sie dazu, dass verteilungspolitische Errungenschaften der ersten SPÖ-geführten Regierung - Wohnbeihilfe, Gratis-Kindergarten, Abschaffung der FH-Studiengebühren, jetzt auch noch Abschaffung des Angehörigenregresses - hinweggerafft werden sollen?
Flecker: Ich sehe das äußerst problematisch. Es handelt sich um grundsätzliche Zugänge der Sozialdemokratie, die man zurecht gefeiert hat. Das jetzt aufzugeben heißt, an der Sozialkompetenz und an den Grundsätzen der SPÖ zu rütteln. Interessant ist, dass es in der Steiermark offenbar gelingt, jegliche Diskussion darüber zu unterdrücken.
"Krone": Warum sollte das sogenannte Kernklientel überhaupt noch die SPÖ wählen?
Flecker: Aus Vertrauen auf die Grundwerte. Keine andere Partei bietet auch nur theoretisch Hilfe an.
"Krone": Ist die Steiermark vor zehn Jahren besser dagestanden als heute?
Flecker: Das ganz sicher nicht. Das waren jene Zeiten, als die ÖVP bis zum Hals im eigenen Sumpf gestanden ist.
"Krone": Ist das, was auf Landesebene gerade passiert, für Sie noch Politik?
Flecker: Alles, was Politik tut, ist grundsätzlich Politik. Sie ist nur langweilig, nicht sehr intelligent und lässt jede ernsthafte Diskussion über das, was sie tut, vermissen.
"Krone": Schaut man sich die SPÖ/ÖVP-Vernunftehe an: Ist kuscheln besser als streiten?
Flecker: Weder streiten noch kuscheln sind Werte für sich. Es fehlt die Auseinandersetzung über die Funktion der öffentlichen Hand, über ein Gesellschaftsbild. Zum Beispiel: Aus welchen Aufgaben kann ich mich zurückziehen, und wo muss ich jedenfalls auf die Menschen schauen.
"Krone": Wohin steuert das Land in den nächsten fünf Jahren?
Flecker: Das ist schwer zu sagen. Der derzeitige Kurs wird zu einer Zunahme der Armut und mehr Ohnmacht ziviler Hilfsorganisationen führen. Auch mache ich mir Sorgen um das intellektuelle und kulturelle Flair dieses Landes.
"Krone": Wie geht's Ihnen im Ruhestand?
Flecker: Überraschend gut.
"Krone": Wenn Sie jetzt zurückblicken: Vermissen Sie die Politik?
Flecker: Ja, die gute schon.









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