30.05.2021 06:00 |

Erleichterung

Obdachlose nach Impfung: „Wieder Stück Freiheit“

Zwischen Impfneid, Vordrängler, Stich-Gegner und Verschwörer bleiben ohne Hilfe jene hängen, die am Rand der Gesellschaft stehen: Die „Krone“ hat nachgefragt, wie Obdachlose und Benachteiligte immunisiert werden.

Ein Leben auf der Straße bringt gesundheitliche Nachteile mit sich - gerade in Pandemie-Zeiten. Denn während alle um den begehrten Stich rittern, haben Betroffene kaum eine Möglichkeit, sich ohne Unterstützung für Impfungen anzumelden. Zugleich sind sie aber schon allein durch ihre Lebensumstände sehr gefährdet.

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Ich lasse mich impfen, weil es notwendig ist. Ich bin wirklich froh darüber. Jetzt habe ich eine große Sorge weniger.

Patient des neunerhaus Gesundheitszentrums nach dem Stich

„Gerade für Menschen in prekären Lebenssituationen ist es wichtig, dass sie eine schützende Impfung erhalten und so Sicherheit vor dem Virus haben“, weiß Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Betroffene sind aber auch schwierig zu erreichen, da braucht es einen niederschwelligen Zugang. Hier setzt man auf die Einrichtungen, in denen die Leute betreut werden.

Digitale Exklusion macht Anmelden schwer
So läuft seit Mitte Mai eine Impfaktion der Stadt Wien in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, dieser Tage auch im neunerhaus Gesundheitszentrum in Wien-Margarethen in Abstimmung mit dem Roten Kreuz und allen Stellen.

Die Impfbereitschaft in dieser Gruppe sei in etwa so wie „in der Allgemeinbevölkerung vor den Aufklärungskampagnen“, erklärt der ärztliche Leiter Stephan Gremmel: „Auch ihre Sorgen und Ängste sind die gleichen, etwa ob Vakzine ausreichend getestet sind. Für sie ist es schwierig, an Informationen zu kommen, es wird viel auf Gerüchtebasis weitergetragen. So verstärken sich Mythen.“

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Die Impfaktion gerade mit dem Einmalimpfstoff ist großartig. Es ist wichtig, die Impfung allen Menschen zugänglich zu machen.

Stephan Gremmel, ärztlicher Leiter des neunerhaus Gesundheitszentrums

Und was sich schon bei der älteren Bevölkerung zeigte: Die digitale Exklusion macht Informieren und Anmelden schwer. „Viele haben kein Endgerät, kein Internet, sind mit der Nutzung von Webseiten nicht vertraut oder haben Angst, persönliche Daten online einzugeben.“ Wichtig sei einfach aufbereitetes Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen.

Einmalimpfstoff Janssen ist ein großer Vorteil
Vom Risiko her wäre ein früheres Impfen der Gruppe sinnvoll gewesen, doch dafür kann man jetzt den Einmalimpfstoff von Janssen nutzen: „Ein großer Vorteil“, so Gremmel, „weil die Sorge wegfällt, ob man die Leute für den zweiten Stich noch einmal erreicht.“ Die Reaktionen der Leute seien positiv: „Sie sind sehr froh, und es kommt eine große Dankbarkeit zurück.“

Was meinen die Leute selbst? „Ich bin froh, jetzt habe ich eine Sorge weniger“, sagt Peter. Gespürt hat er „nichts“ - Herbert schon: Er lässt sich impfen, „weil’s notwendig ist. Ich bin nicht begeistert, aber wenn man die Möglichkeit hat, muss man sie nützen.“ Und Ulli freut sich: „Endlich wieder ein Stück Freiheit!“

Aktionen auch in den anderen Bundesländern
Auch in Rest-Österreich bzw. bei anderen Hilfsorganisationen liefen ähnliche Aktionen: Die Caritas richtete in größeren Einrichtungen in Wien eigene Impfstraßen ein, in Tirol wird bei Medcare in Kooperation mit dem Roten Kreuz geimpft.

In der Steiermark gab es sechs gemeinsame Impfstraßen von Caritas und Vinziwerken. Beim Vinzidach in Salzburg z. B. unterstützte man Klienten bei der Anmeldung über die Länderplattform. Im AmberMed, einer sozialmedizinischen Einrichtung der Diakonie für versicherungslose Menschen in Wien, ist es nächste Woche so weit. 

Silvia Schober
Silvia Schober
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