23.04.2021 09:55 |

Interview-Reihe

Ostermayer zu Ortstafeln: Kein Platz für Arroganz!

Zehn Jahre nach der historischen Lösung erinnert sich Chefverhandler Josef Ostermayer an den 26. April des Jahres 2011. Als Staatssekretär hatte er immensen Anteil an der Einigung zu Gunsten des Landes.

Wie kamen Sie zum Vergnügen, als Chefverhandler des Bundes und als Ostösterreicher, die Kärntner Ortstafelfrage zu lösen?
Es war Bundeskanzler Werner Faymann, der mir bereits 2009 gesagt hat, ich soll mich darum kümmern. Wir waren beide der Meinung, man muss es mit den Kärntnern und daher vor Ort in Kärnten lösen. Aber Faymann wollte keine ,Runden Tische’, weil da stets dieselben Leute sitzen und ergo dessen auch immer dieselben Meinungen vertreten. Also gingen wir es mit sehr vielen Gesprächen hintereinander an.

Was denkt man sich da als Ostösterreicher? Die spinnen da unten alle? Was soll der Streit um viereckiges Blech?
Nein! Ich hatte immer großen Respekt, habe mir viel angelesen und erkannt, welche persönlichen Schicksale auf beiden Seiten mit dem Thema verbunden waren. Da war und ist kein Platz für Arroganz!

Dann wurde jahrelang verhandelt bis zu diesem 26. April vor zehn Jahren.Wie viele Stunden widmeten Sie dem Thema an den unterschiedlichen Verhandlungstischen? Haben Sie das schon nachgerechnet?
Ich kam zwei Jahre jeden Monat für zumeist zwei Tage nach Kärnten, wenn man sich das ausrechnet, werden es schon mindestens 500 Stunden gewesen sein.

Als die Gespräche starteten, waren Sie da optimistisch oder skeptisch? Immerhin waren schon Politgiganten wie Bruno Kreisky oder im Land Hans Sima an dem Thema gescheitert.
Ich hatte ein gutes Gefühl. Immerhin redeten auch Marjan Sturm und Josef Feldner in der Konsensgruppe wieder miteinander. Landeshauptmann Dörfler versicherte mir mehrmals, die Ortstafelfrage lösen zu wollen. Und er hat gehalten, was er gesagt hat. Unser Ziel war eine Einigung bis zum Jahr 2012.

Dann kam der 26. April mit der doch früheren Einigung, wie erleichtert waren Sie?
Man muss wissen, wir hatten die Lösung sogar schon am 1. April. Aber Valentin Inzko kam damit in seinem Rat der Kärntner Slowenen leider nicht durch. Da hat es noch einmal kurz gewackelt. Aber ich spürte schon, dass wir es schaffen, auch weil die überwältigende Mehrheit der Kärntner das Thema vom Tisch haben wollte. Die Menschen hatten genug davon, dass Ortstafeln für ein schlechtes Image ihres so schönen Landes sorgen.

Kann man also sagen, dass Inzko - landläufig formuliert - die „Kröte schlucken musste“? Weil sein Gesichtsausdruck war ja nicht sehr begeistert.
Valentin Inzko hat sich schwer getan im Rat. Aber er musste das Verhandlungsergebnis akzeptieren, weil Marjan Sturm mit dem Zentralverband und Bernard Sadovnik mit seiner Gemeinschaft für diese Lösung waren.

Und die SPÖ-Hardliner, vor allem unter den Bürgermeistern in Südkärnten?
Um die kümmerte sich Peter Kaiser und brachte sie vernünftigerweise auf Linie.

War die Ortstafellösung eigentlich ihre politische Meisterleistung?
Es war die langwierigste und die emotionalste Leistung, die ich vollbringen konnte. Meines Erachtens ist das Thema erledigt.

Hier geht‘s zum Interview mit Ex-LH Gerhard Dörfler. Morgen: Was sagt Valentin Inzko heute zum Geschehen von 2011?

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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