22.04.2021 12:50 |

Zehn Jahre danach

Dörfler-Erinnerung: Schluss mit Ortstafelkonflikt!

Zehn Jahre nach der Ortstafellösung erinnert sich Ex-LH Gerhard Dörfler an die heiklen Verhandlungen, die Rollen von Josef Ostermayer und Valentin Inzko sowie die Wahl von 2013, die keinen „Lohn“ einbrachte.

Wie gelang aus heutiger Sicht diese historische Ortstafeleinigung? War es das berühmte Mondfenster?
Es waren mehrere Aspekte. Einerseits wurde mit Josef Ostermayer von Bundeskanzler Werner Faymann ein Mitverhandler geschickt, der sich durch Menschlichkeit und Verlässlichkeit auszeichnete. Andererseits bemühten wir uns von Anfang an, die Bevölkerung mitzunehmen. Kreisky und Sima waren ja gescheitert.

Ich erinnere mich daran, wie ich einmal gesagt habe, es gelang, die Berliner Mauer einzureißen, da wird uns das mit den Ortstafeln auch gelingen. Da hat es Kurt Scheuch, als er das gehört hat, einmal richtig gerissen. Bei der Bekanntgabe der Einigung entstand der Eindruck eines nicht sehr glücklichen Valentin Inzko.

Trog damals der Schein?
Nein, der Rat der Kärntner Slowenen kam immer wieder mit Extremforderungen, etwa nach einem eigenen Kindergarten für Gailtaler mit slowenischem Dialekt oder nach 273 Ortstafeln. Ich habe dann stets gesagt, wir sollten uns doch in der Mitte der Brücke treffen.

Was waren an diesem 26. April 2011 die entscheidenden Knackpunkte?
Es gab einige. Etwa als Valentin Inzko noch vor laufenden Kameras eine Tafel für seinen Heimatort Suetschach forderte, und ich mit dem Hinweis kontern musste, dass wir nicht am Tarviser Markt seien. Der Rat war dann auch zunehmend isoliert, weil Marjan Sturm und Bernard Sadovnik ihre Zustimmung signalisierten. Oder die Frage der Amtssprache für die Gemeinden Eberndorf und St. Kanzian. Aber letztlich verließen wir den Spiegelsaal als vier Hocherfreute und ein vielleicht etwas Unzufriedener.

Drohte es, an der Frage der Amtssprache zu platzen?
Heikel war es schon, es zogen ja auch einige bekannte Slowenenvertreter im Hintergrund die Fäden.

Wie fühlten Sie im Moment der Einigung und wie denken Sie jetzt, zehn Jahre später, darüber? Sind Sie damit der Kärntner Ortstafelvater?
Als Landeshauptmann sah ich immer eine vorrangige Aufgabe: Das Land braucht Frieden. Ich habe ein Jahr lang jede Nacht Unmengen an Literatur gelesen und mich informiert. Dann kam ich zur festen Überzeugung: Jetzt muss Schluss sein mit diesem unseligen Konflikt.

Und nein, es war kein Triumph, aber große Erleichterung und Freude. Es freut mich ebenso, dass Landeshauptmann Peter Kaiser das immer wieder würdigt. So, wie es auch Alt-Landeshauptmann Christof Zernatto oft macht.

Trotz dieses historischen Erfolges ging die Landtagswahl 2013 für Sie und die FPÖ krachend verloren. War die Bevölkerung undankbar?
Belohnt wurde die Ortstafellösung nicht, aber es hatte bekanntlich andere Gründe.

Hat diese Einigung Zukunft? Oder anders gefragt: Ist sie in Stein gemeißelt?
Ich behaupte einfach, dass ein paar Unversöhnliche auf beiden Seiten keine Rolle mehr spielen. Der überwiegende Teil der Kärntner Bevölkerung will von Ortstafeln und einem Streit darüber nichts mehr hören. Die Mitte der Brücke ist für alle die beste Lösung, da bin ich mir ganz sicher.

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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