19.04.2021 06:00 |

Tests, Impfung etc.

So unterschiedlich betrifft Corona Männer & Frauen

Männer erkranken häufiger schwer an Covid-19 und sterben öfter daran als das weibliche Geschlecht. Beim Testen und Impfen ist der Frauenanteil höher. Ein Vergleich.

„Corona zeigt, wie wichtig Gendermedizin ist, dass man Krankheiten geschlechterspezifisch betracht und wie wichtig es ist, dabei auf beide Geschlechter einzugehen“, sagt Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin des Instituts für Gendermedizin an der MedUniWien und im lapura in Gars am Kamp. Covid-19 betrifft in allen Bereichen beide Geschlechter - und doch gibt es Unterschiede.

Männer erkranken schwerer und sterben häufiger
So zeigen die globalen Zahlen, dass Männer schwerer erkranken und häufiger sterben als Frauen (siehe Grafik). Der weibliche Anteil ist wiederum beim Testen und Impfen höher. Das liege daran, dass Frauen generell „mehr exponiert sind und Corona Gesundheits- und Sozialberufe stark betrifft - und da arbeiten nun mal mehr Frauen“, so Kautzky-Willer. Auch unter den pflegenden Angehörigen sei der weibliche Anteil höher und aufgrund der höheren Lebenserwartung ebenso in der älteren Bevölkerung - und die war ja etwa beim Impfen bekanntlich vorgereiht.

Grafik: Unterschiede zwischen Männer und Frauen

„Wenn man schaut, wer erkrankt schwer, wer muss intensivmedizinisch behandelt werden, wer stirbt, dann sind die Männer stärker betroffen“, so Kautzky-Willer: „Weltweit sind bei den Hospitalisierungen ca. 53 Prozent Männer, bei den Intensivpatienten 64 Prozent und bei den Verstorbenen sind 56 Prozent Männer.“

Immunsystem der Frauen ist besser
Dass mehr Männer schwer erkranken, „liegt daran, dass das Immunsystem von Männern und Frauen sehr unterschiedlich ist“, so die Expertin: „Frauen haben das bessere Immunsystem. Ausschlaggebend sind hier Geschlechtschromosomen und Sexualhormone.“

Letztere etwa stimulierten das Immunsystem, was zur Folge habe, dass Frauen weniger anfällig für Infektionen sind. „Sie können das Virus auch schneller wieder ausscheiden und eine gute Abwehr aufbauen. Sie sind biologisch im Vorteil, was wohl daran liegt, dass Frauen wegen Schwangerschaften von Natur aus einen gewissen Schutzfaktor haben.“

„Sich impfen zu lassen ist wichtig“
Das gute weibliche Immunsystem bringe aber auch Nachteile, etwa mehr Autoimmunerkrankungen, allergische Reaktionen und Nebenwirkungen. Das zeige sich auch beim Impfen. Beim Corona-Piks etwa fallen „90 bis 100 Prozent der schweren allergischen Reaktionen auf Frauen, etwa weil ihr Immunsystem stärker reagiert“, so Kautzky-Willer. Auch die mittlerweile als Nebenwirkung bekannte Thrombose trifft fast nur jüngere Frauen. Was würde die Expertin Frauen raten? „Sich impfen zu lassen ist wichtig, die Nebenwirkungen sind sehr selten, und die Risiken einer schweren Infektion überwiegen. Aber man sollte achtsam sein und bei Beschwerden sofort zum Arzt gehen.“

Wer sich mehr an die Maßnahmen hält
Wer erkrankt, dabei spielen natürlich auch andere Faktoren als die biologischen eine Rolle, etwa psychosoziale und gesellschaftliche, das eigene Verhalten und der Lebensstil. So hielten sich laut Befragungen Frauen strenger an vorgegebene Maßnahmen. Auch mit Rauchen und chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Co. haben Männer generell mehr zu kämpfen - was ebenfalls bei einer Covid-19-Infektion negative Auswirkungen haben kann.

Erkrankung hohes Risiko für Schwangerschaft
Schwangere Frauen haben ein hohes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Heißt: Infizierte Schwangere bzw. deren Neugeborene haben ein höheres Risiko, intensivmedizinisch betreut werden zu müssen, für Früh- und Totgeburten, Schwangerschaftsvergiftungen, dass sie selbst sterben, ihre Kinder zu klein geboren werden und vieles mehr. Sinnvoll wäre also: Impfung vor Schwangerschaft. Weil das zumeist noch nicht möglich ist, „sollten sich Schwangere optimal schützen, also alle Maßnahmen einhalten, die es gibt“.

Impfung als Schutz für das ungeborene Kind
Geht das nicht bzw. gibt es zusätzliche Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Alter, sollte man mit einem Arzt individuell abwägen, ob man sich doch impfen lässt. Dafür muss derzeit die Frau die Verantwortung übernehmen, denn zugelassen ist die Impfung für Schwangere noch nicht. Dabei hat der Stich nach bisheriger Datenlage keine negativen Folgen - im Gegenteil: Impfungen können sich positiv auf den Schutz des Kindes auswirken, da Antikörper über Plazenta und Muttermilch den Nachwuchs erreichen.

Covid-19 wirkt sich auf Spermien aus
Was die Fruchtbarkeit beim Mann anbelangt, gibt es Hinweise darauf, dass sich eine Corona-Infektion auf die Spermienqualität auswirken könnte. Das tut hingegen die Impfung - was man bisher weiß - nicht. Kaum geschlechtsspezifische Informationen gibt es bei der Corona-Behandlung - aber da gibt es bisher generell noch wenig.

Langzeitfolgen treffen jüngere Frauen
Was Corona-Langzeitfolgen betrifft, sagt Kautzky-Willer: „Long Covid betrifft eher Frauen, vor allem jüngere. Warum das so ist, ist noch unklar.“ Vermutlich spielten psychische Erkrankungen wie Depressionen mit eine Rolle, da seien Frauen generell stärker betroffen - und in der Krise vielleicht mehr belastet. Klar ist: Erforscht werden muss noch so vieles. Kautzky-Willer hofft, dass Corona „aufrüttelt, damit generell mehr Forschung mit Blick auf Geschlechterunterschiede stattfindet“.

Silvia Schober
Silvia Schober
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