27.03.2021 10:38 |

Aktuelle Corona-Lage

Intensivmediziner: „Situation bald dramatisch“

Kurz vor dem Beginn der Osterferien steigen die Corona-Zahlen vor allem im Osten Österreichs ungebremst weiter. Auch die ohnehin schon prekäre Lage auf den Intensivstationen wird immer trister. Der Wiener Intensivmediziner Thomas Staudinger war deshalb am Freitagabend in der „ZiB 2“ und schlug dabei ordentlich Alarm. „Es ist eine Situation, die im Moment an der Grenze zu dem steht, was man als dramatisch bezeichnen könnte“, so der Leiter einer Intensivstation am Wiener AKH. Eine Ausweitung des Ost-Lockdowns auf die restlichen Bundesländer hält er für eine „logische Schlussfolgerung“.

„In der Regel braucht ein Covid-Intensivpatient eine Beatmung mit Sauerstoff. Wenn das nicht reicht, werden sie über eine Maschine künstlich beatmet“, so Staudinger. Diese Beatmungsgeräte stehen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Intensivpersonal als „Flaschenhals“
Als „Flaschenhals“ bezeichnete er das Personal, um diese Maschinen überhaupt zu bedienen. Denn dafür braucht es eine spezielle Ausbildung: „Das lässt sich nicht auf Knopfdruck erweitern.“ Außerdem stehe man derzeit vor der großen Herausforderung der britischen Variante B.1.1.7. Diese sei infektiöser und sorge auch für schwerere Krankheitsverläufe. „Was wir sehen ist, dass diese Patienten einfach viel, viel schneller auf die Intensivstationen kommen“, sagte Staudinger.

Mehr Aufnahmen sorgen für prekäre Lage
Mittlerweile werde nicht mehr jeder Achte bis Zehnte ins Krankenhaus aufgenommen, sondern „eigentlich jeder Dritte bis Vierte“ - „und das macht die Belastung der Intensivstationen im Moment so prekär“. Zu den immer jünger werdenden Patienten gibt es zwei Theorien. So könnte es entweder an der britischen Mutation liegen oder an der doch nicht mehr so geringen Durchimpfungsrate bei älteren Menschen.

„Weiß nicht, wie man das bewältigen soll“
Laut den Prognosen der Corona-Ampelkommission werden in den kommenden Wochen zu den bereits mehr als 165 Intensivpatienten noch einmal 100 auf den ohnehin schon überfüllten Intensivstationen dazukommen. Staudinger schätzte die Zahl je nach Zählweise schon jetzt auf etwa 200. Man könne zwar noch 100 weitere Patienten aufnehmen, aber „alles was darüber hinausgeht, weiß ich nicht, wie man das bewältigen soll“. 

Lage spitzt sich immer mehr zu
Die Gefährdungslage fokussiere sich aktuell auf drei Hauptgruppen: Patienten mit Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. „Ein Viertel der Patienten hat keine Vorerkrankungen und dann kommen noch die mit chronischen Krankheiten dazu. Es sind relative harmlose Zustände, die als Risikofaktoren gelten“. Auf die Frage, ob wir uns mittlerweile schon in einer Triage befinden, antwortete der Mediziner: „In dieser Phase sind wir noch nicht“, aber eine normale medizinische Grundversorgung könne jetzt schon nicht mehr geleistet werden.

„Es ist jetzt schon ernst und im Gegensatz zum Herbst sind wir nicht am Gipfel, sondern erst am Anfang eines Anstieges“, malte der Intensivmediziner ein bedrohliches Bild. Die Prognosen würden jedenfalls darauf hindeuten, dass es sehr eng werden könne - „oder sogar darüber hinaus“.

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