07.03.2021 06:00 |

Herbert Haupt

„Auch Männer gehören zu unserer Gesellschaft“

Der ehemalige Frauenminister Herbert Haupt betont nicht ohne Stolz, dass die gemeinsame Mail-Adresse auf seine Ehefrau lautet.

„Krone“: Herr Haupt, Sie waren Österreichs bisher einziger männlicher Frauenminister. Ist das zumindest rückblickend nicht ein eigenartiger und ungeeigneter Job für einen Mann?
Herbert Haupt: Ich hatte einen schwierigen Start, es gab gleich einen internationalen Frauengipfel, und Österreich war von anderen Staaten ja ausgegrenzt. Wir haben Frauen als Softwareentwickler ausgebildet, das war sehr erfolgreich, die Gewerkschaft hat protestiert und gemeint, warum es das nur für Frauen gibt. Auf das Projekt bin ich sehr stolz.

Die Frage war aber, ob ein Mann als Frauenminister in der richtigen Funktion ist.
Nach mir gab es auch in Finnland und Portugal männliche Frauenminister. Der Kollege aus Finnland, wo es eine weibliche Regierungschefin und viele weibliche Ministerinnen gibt, sagte: Wenn alle wichtigen Funktionen in Frauenhand sind, kann ein Mann das Frauenressort führen.

Sie haben im Jahr 2001 eine Männerabteilung im Frauenministerium eingerichtet. Das sorgte schon damals für viel Kritik.
Es ging dabei um das gemeinsame Sorgerecht und um die Jugendfürsorge. Das ist ein unverzichtbarer Bereich.

Fakten

Zur Person
Herbert Haupt (73) war zwischen 2000 und Ende April 2003 Frauenminister, er war Sozialminister und im Kabinett Schüssel II kurzfristig auch Vizekanzler. Im April 2005 trat Haupt gemeinsam mit den diversen Regierungsmitgliedern und einigen Nationalratsabgeordneten der FPÖ zum BZÖ Jörg Haiders über. Von 2006 bis 2009 war er Österreichs erster Behindertenanwalt. Herbert Haupt überstand mehr als ein Dutzend Autounfälle, er überlebte einen Flugzeugabsturz und einen Tauchunfall, bereits zweimal war er klinisch tot.

Aber ist angesichts dessen, dass Frauen immer noch deutlich weniger verdienen und weniger in Spitzenfunktionen sind, eine Männerabteilung wirklich das richtige Zeichen?
Ich war ja auch Minister für Soziales und Jugend. Und Männer gehören auch zur Gesellschaft. Das Sorgerecht ist nach wie vor nicht befriedigend gelöst.

Bezeichnen Sie sich eigentlich als Feminist?
Nein, aber ich habe ein offenes Ohr für die Anliegen der Frauen.

Was halten Sie von der Frauenpolitik der jetzigen türkis-grünen Regierung?
Generell muss man sagen, dass sich seit meiner Zeit als Minister beim Equal Pay Day (jener Tag, je nachdem wie gerechnet wird, bis zu dem oder ab dem Frauen im Vergleich mit Männern, die seit Jahresbeginn bezahlt arbeiten, unbezahlt arbeiten müssen. In Österreich ist dies der 21. Februar, beziehungsweise der 22. Oktober, Anm.) nur marginal etwas verändert hat. Die Frauenpolitik könnte man deutlich besser machen, etwa beim Gestalten des Arbeitsrechts. Man muss den Frauen mit mehr Flexibilität entgegenkommen. Etwa bei der Rückkehr in den Beruf nach der Geburt eines Kindes. Da besteht meist Nachholbedarf, und es fehlt an Kreativität beim AMS. Möglich wäre auch eine Zwei-, Drei- oder Viertagewoche für die Frauen. Man müsste schauen wie man den Familien entgegenkommt und ihnen mehr Flexibilität bietet.

Sie sprechen von einem flexibleren System für die Frauen. Aber die Familie ist ja nicht nur Frauensache. Sollte es die Flexibilität also nur für Frauen oder auch für Männer geben?
Für beide.

Doris Vettermann
Doris Vettermann
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