05.03.2021 07:04 |

„Risiken bleiben“

WHO lehnt „Grünen Pass“ der EU wegen Bedenken ab

Nach Plänen der EU soll ab dem Sommer ein digitaler „Grüner Pass“ das Reisen wieder reibungslos möglich machen. Nur wenig von diesem Vorstoß hält allerdings die Weltgesundheitsorganisation. So sei dessen Einführung zwar „wohl unvermeidlich“, die Organisation erklärte dennoch: „Es ist keine Empfehlung der WHO.“ Es sei derzeit schlichtweg nicht klar, wie lange die Immunität nach dem Piks anhält, außerdem würden die Vakzine „nicht unbedingt die Ansteckung anderer Menschen verhindern“.

Die EU will das Vorhaben rasch umsetzen. Bereits am 17. März soll es einen Gesetzesentwurf für den „Grünen Pass“ geben. Darin sollen neben Impfungen auch überstandene Infektionen und Testergebnisse vermerkt werden. So sollen Reisen ohne Beschränkungen in Europa wieder möglich werden. Innerhalb von drei Monaten sollen die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, das System müsse vor allem fälschungssicher sein, wurde betont.

WHO-Regionaldirektor hofft: „Pandemie Anfang 2022 vorbei“
Regionaldirektor der WHO/Europe, Hans Kluge, rechnet damit, dass die Corona-Pandemie in rund zehn Monaten zu Ende sein werde. 2021 könnte noch ein Jahr werden, dass vom Erreger dominiert werde, erklärte er der „Welt“. Vergangenes Jahr habe man mit der Pandemie Neuland betreten. „Ein Jahr später wissen wir viel mehr. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Pandemie Anfang 2022 vorbei ist.“ Das Virus werde dann zwar nicht verschwunden sein - Kluge hofft allerdings, dass keine strengen Maßnahmen mehr erforderlich sein werden.

Die ansteckenderen Mutationen des Erregers müsse man ernst nehmen, da sich manche rasant verbreiten und auch schwere Krankheitsverläufe auslösen. „Wenn dies nun zusammenfällt mit einer nur langsamen Impfkampagne, dann verlieren wir das Momentum. Dann kann das Virus wieder die Oberhand gewinnen“, so der Regionaldirektor weiter. Jetzt sei noch nicht die Zeit für die Menschen in Europa, sich zurückzulehnen.

Auch Datenschützer haben Bedenken
Auch Datenschützer sehen den „Grünen Pass“ kritisch: Während der Staat Einschränkungen für Bürger, die andere gefährden, vornehmen dürfe, fände durch den EU-Impfpass eine Umkehrung statt, dass nur noch Gesunde Zutritt hätten. Dieses Prinzip könnte auch bei anderen Krankheiten Schule machen - das könnte zu einer Zweiklassengesellschaft führen.

Das Europabüro der WHO teilte am Donnerstag mit, dass die Anzahl der Neuinfektionen in Europa um neun Prozent gestiegen sei. Damit sei der vielversprechende Rückgang der vergangenen sechs Wochen vorbei. Die Virusvariante B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien auftrat, sei inzwischen in 43 der 53 europäischen Länder aufgetreten.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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