22.02.2021 12:18 |

Zigtausend auf Straßen

Größte Protestaktionen seit dem Putsch in Myanmar

Obwohl seit Beginn der Proteste in Myanmar mindestens drei Demonstranten von Einsatzkräften erschossen wurden, haben sich die Gegner der neuen Junta nicht einschüchtern lassen - im Gegenteil: Am Montag fanden die bisher größten Proteste seit dem Militärputsch Anfang Februar statt. Im Rahmen eines Generalstreiks gingen in allen Landesteilen Zehntausende Menschen auf die Straßen. Die Europäische Union drohte der Junta unterdessen mit Sanktionen.

„Gewöhnliche Menschen in Myanmar beteiligen sich an einem außergewöhnlichen Akt, um ihren Widerstand gegen den brutalen Militärputsch trotz Morden, Gewalt und Einschüchterungen durch Sicherheitskräfte zu demonstrieren“, schrieb die Aktivistengruppe „Gerechtigkeit für Myanmar“ auf Twitter. „Wenn wir Widerstand gegen die Diktatur leisten, könnten sie uns erschießen. Das wissen alle. Aber wir müssen uns der Diktatur widersetzen, es ist unsere Pflicht“, zitierte das Portal „Frontier Myanmar“ einen Aktivisten. 

Besonders massiv waren die Kundgebungen in der früheren Hauptstadt Yangon im Süden, in der Großstadt Mandalay im Norden und in der Hauptstadt Naypyidaw. Die meisten Geschäfte blieben geschlossen. „Jeder schließt sich dem an“, berichtete ein Demonstrant an der Hledan-Kreuzung in Yangon. Die Straßenkreuzung ist zu einem Ausgangspunkt für die friedlichen Kundgebungen geworden.

Medien im Besitz des Militärs warnten allerdings vor weiteren Aktionen am Montag. „Die Demonstranten stacheln jetzt die Menschen - besonders die emotionalen Teenager und Jugendlichen - zu einem Konfrontationskurs an, bei dem sie ihr Leben lassen werden“, hieß es im staatlichen Fernsehen MRTV.

EU-Außenminister drohen Junta mit Sanktionen
Unterdessen verurteilten die EU-Außenminister die Machtübernahme „auf das Schärfste“, wie es in einer gemeinsamen Erklärung hieß. Sie boten an, einen Dialog zur Lösung der Krise zu unterstützen, zeigten sich aber gleichzeitig bereit, Sanktionen zu verhängen, „die sich gegen die unmittelbar für den Militärputsch Verantwortlichen und deren wirtschaftliche Interessen richten“. Konkret verlangten die Minister ein „sofortiges Ende des Ausnahmezustands“, „die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Zivilregierung und die Eröffnung des neu gewählten Parlaments“.

Zudem müssten Präsident U Win Myint und die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi „umgehend und bedingungslos“ freigelassen werden. Die EU-Vertreter forderten gleichzeitig alle Seiten zum Verzicht auf Gewalt auf - wie auch UNO-Generalsekretär António Guterres, der zum Auftakt der Sitzung des UNO-Menschenrechtsrats in Genf am Montag in einer Videobotschaft ein sofortiges Ende des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten forderte. „Lassen Sie die Gefangenen frei. Beenden Sie die Gewalt. Respektieren Sie die Menschenrechte und den bei den vergangenen Wahlen ausgedrückten Willen des Volkes“, so Guterres.

Zitat Icon

Ich fordere heute das Militär in Myanmar auf, die Unterdrückung sofort zu beenden.

UNO-Generalsekretär António Guterres

Das Militär hatte stets die Kommentare aus mehreren westlichen Ländern als eklatante Einmischung in Myanmars innere Angelegenheiten zurückgewiesen. Die Behörden übten derzeit „äußerste Zurückhaltung“, erklärte das Außenministerium.

Quellen: APA/Reuters/dpa/AFP

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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