12.02.2021 06:00 |

Wer hat recht?

Deutschland vs. Österreich: Zwei Länder, zwei Wege

Deutschland fährt seit dem Jahreswechsel einen deutlich schärferen Corona-Kurs als Österreich. Einzig beim Testen orientiert man sich am kleinen Nachbarn. Wer recht hat, wird sich weisen.

Nach monatelangem Gleichschritt zu Beginn der Pandemie geht Deutschland seit dem Jahreswechsel einen eigenen, deutlich vorsichtigeren Weg als Österreich. Welcher der erfolgreichere ist, wird sich erst weisen, wenn der Kampf geschlagen, das Virus besiegt ist. Bis dahin bleibt nur eine neutrale Gegenüberstellung:

Lockdown. Während bei uns Schulen, Händler und körpernahe Dienstleister seit Anfang der Woche wieder betreten werden dürfen, bleiben sie in Deutschland noch geschlossen. Für Geschäfte und Dienstleister ist der Hoffnungstag der 7. März. Einzig Friseure dürfen ab 1. März öffnen, weil sie eine wichtige „Bedeutung für die Körperhygiene“ haben. Über die Schulöffnung bestimmen - gegen den Wunsch von Kanzlerin Angela Merkel - die Bundesländer eigenständig. Einige wollen am 22. Februar starten.

Private Kontakte. In Österreich darf man - zumindest tagsüber und im eigenen Wohnbereich - wieder unbegrenzt Freunde und Verwandte treffen. In Deutschland bleibt der wichtigste Beitrag im Kampf gegen das Virus, Kontakte zu reduzieren. Private Zusammenkünfte bleiben nur im kleinsten Kreis erlaubt, private Reisen und Besuche „sind zu unterlassen“.

Die Zahlen entscheiden. Wie es nach dem 7. März weitergeht, entscheiden - im Gegensatz zu Österreich - nicht Politiker und Branchenvertreter, sondern die Zahlen: Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 kann es in einzelnen Regionen weitere Lockerungen geben, eben die Öffnung des Einzelhandels, von Museen oder Galerien. Gebiete mit einer Inzidenz über 50 bleiben im Lockdown und dürfen ihn verschärfen. In Österreich liegen Tirol (76) und Oberösterreich (83) noch am nächsten an dieser Grenze, in Deutschland kratzen fünf Bundesländer mit Werten unter 60 bereits an ihr.


Die deutsche Begründung für die strikte Koppelung an Zahlen enthält Worte, die viele in der österreichischen Kommunikation oft vermissen: „Planungsperspektive für Bürger und Unternehmen“ oder „sichere und gerechte Öffnungsstrategie“. Dazu passend gab es, gleichzeitig mit der Verkündung des weiteren Weges, bereits ein mehr oder weniger vollständiges rechtliches Regelwerk.

Impfung. Die deutsche Lockdown-Verlängerung wird unter anderem damit begründet, dass nur eine „zügige Impfung der Bevölkerung“ eine „Normalisierung unseres Alltags“ bedeutet. Wann es so weit sein wird, sehen die beiden Länder unterschiedlich: Während das österreichische Gesundheitsministerium davon spricht, ab Ende des zweiten Quartals die breite Bevölkerung impfen zu können, rechnet man in Deutschland damit, dass es erst Ende des Sommers so weit sein wird.

In beiden Ländern organisiert und finanziert der Bund den Impfstoff, die Länder kümmern sich um die erforderlichen Strukturen. Um die Schulen schneller öffnen zu können, werden in Deutschland Kindergärtner und Volksschullehrer bei der Impfung vorgezogen.

Testen. Beim Testen schaut sich der große Nachbar die Strategie des kleinen ab - immerhin gilt Österreich als Testweltmeister. Die deutsche Regierung will nun zusätzlich mit Schnelltests zur Selbstanwendung die Kapazitäten steigern - eine Idee, die in Österreich die SPÖ trommelt.

Grenzschließungen zu Österreich beschlossen
Den schärferen Weg will Deutschland auch nach außen hin absichern: Deshalb stufte die Regierung Tirol am Donnerstag als Mutationsgebiet ein. Die Folge: verschärfte Grenzkontrollen zwischen Bayern und dem österreichischen Bundesland. Einreisen darf ab Sonntag nur noch, wer einen negativen Corona-Test vorlegen kann. Alle anderen würden zurückgewiesen.

Teresa Spari
Teresa Spari
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