05.02.2021 12:28 |

Attacken auf Bund

AK-Chef: Bei Isolation alle Impfstoffe für Tirol

Die Debatte um die Isolation Tirols wegen der vermehrt aufgetretenen Südafrika-Mutation des Coronavirus reißt nicht ab. Nun ließ Tirols Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl mit einer ungewöhnlichen Forderung Richtung Bund aufhorchen. Er lehne, auch im Sinne der Tiroler Bevölkerung, eine Isolation kategorisch ab, erklärte er am Freitag. Sollte ein solch regionaler Lockdown aber verordnet werden, forderte Zangerl, Tirol bei den Impfungen unverzüglich vorzuziehen. Unterdessen kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober im Kampf gegen die Mutation einen „Aktionsplan für Tirol“ an.

Corona-Experten zeigten sich bisher uneins über eine diesbezügliche Beurteilung Tirols. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erteilte einer Quarantäne am Donnerstag eine Absage, stattdessen wolle man die Testungen und Kontaktnachverfolgungen intensivieren.

Virologin will Teile Tirols isolieren
Die Virologin (und Beraterin der Bundesregierung) Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck bekräftigte am Freitag ihre Forderung nach einer Quarantäne zumindest für die wohl besonders betroffenen Teile Tirols zwischen Innsbruck und der deutschen Grenze. Währenddessen müsse intensiv daran gearbeitet werden, diese Variante auf fast null zu bringen, sagte die Expertin. „Vor einem Jahr hat die Quarantäne wahnsinnig gut geholfen“, erinnerte sie an die Einschränkungen für alle 279 Tiroler Gemeinden im Frühjahr 2020.

Tirols AK-Chef: „Unerhöhrte Frechheit“
„Es ist eine unerhörte Frechheit und verantwortungslos, wenn eine einzige Expertin vorprescht und Tirol zum europäischen Krisengebiet erklärt sowie die Totalisolation fordert“, konterte Tirols AK-Präsident Zangerl. Zahlreiche Experten hätten dargelegt, dass eine Abschottung Tirols aufgrund der Zahlen unnötig sei und auch aus anderen Gründen keinen Sinn mache. Er hoffe, dass in den nächsten Tagen nicht auf Druck von außen politische Fehlentscheidungen getroffen werden.

Sollten jedoch die Expertenmeinungen ignoriert und Tirol unter Quarantäne gestellt werden, forderte Zangerl, unverzüglich allen verfügbaren Impfstoff nach Tirol zu beordern, um hier „die scheinbar besonders gefährdete Bevölkerung“ schützen zu können. „Es reicht, dass die EU bei der Bekämpfung der Pandemie in Bezug auf die Impfstoffbeschaffung schwere Fehler gemacht hat. Wenn wir jetzt auch in Österreich keinen gemeinsamen Weg finden, dann werden heute Tirol, morgen Salzburg und übermorgen Kärnten unter Quarantäne gestellt - Länder, die eine weit höhere Sieben-Tage-Inzidenz haben als Tirol. Das sei doch „sinn- und planlos", kritisierte Zangerl.

Anschober kündigte Massentestungen in betroffenen Regionen an
Gesundheitsminister Anschober kündigte am Freitag unterdessen einen „Aktionsplan für Tirol“ an. In „sehr, sehr enger Abstimmung“ mit Platter habe man einen Plan entwickelt, „der mit Hochdruck umgesetzt wird, um die Mutationen zu begrenzen“, sagte Anschober. Konkret werden in der betroffenen Region - wie der Ressortchef erklärte, handelt es sich um den Bezirk Schwaz - Massentestungen vorbereitet, „nicht für drei, sondern für zehn Tage“. Zusätzlich werde ein besonders engmaschiges Contact Tracing stattfinden, „um herauszufinden, wo es positive Fälle gibt“. Es gehe darum, möglichst sämtliche Kontaktpersonen herauszufiltern. Ziel sei es, „die K1 und K2-Fälle zu ermitteln. Es braucht ein schnelles, breites, konsequentes Handeln“, sagte Anschober.

Endgültige Entscheidung über Tirol am Sonntag
Zusätzlich würden in der betroffenen Region Vorkehrungen zum Schutz der Alters- und Pflegeheime betroffen. Er habe „volles Vertrauen“ in Platter und die Tiroler Behörden, versicherte Anschober. Am Sonntag werde dann entschieden, „ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind“. Auf die Frage, ob er Mittel zum Nachschärfen hätte, sollten die von Tiroler Seite gesetzten Schritte aus seiner Sicht nicht ausreichen, erwiderte der Gesundheitsminister, dafür gebe es in einer Pandemie grundsätzlich „die rechtliche Möglichkeit“. „Aber mein Grundprinzip war immer ein Konsens mit der betroffenen Region“, hielt er fest.

„Bis zu 70 Prozent Ansteckungsrisiko bei Mutationen“
Die britischen und südafrikanischen Mutationen sieht Anschober deshalb als besonders heikel an, weil sie ein erhöhtes Ansteckungsrisiko „von 30 bis 70 Prozent“ hätten, wie er erläuterte. Bei der südafrikanischen Variante sei außerdem „nicht gesichert, ob alle Impfstoffe wirken“. Man müsse diese Variante daher „extrem ernst nehmen“.

Sinkende Infektionszahlen in Tirol, weniger Spitalspatienten
In Tirol hat ungeachtet der Lage rund um die Südafrika-Mutante die Zahl der Infizierten am Freitag erneut abgenommen. 98 Neuinfektionen standen 105 Genesungen gegenüber, teilte das Land mit. Damit galten 1232 Menschen als Corona-positiv. In den Spitälern mussten 130 Corona-Patienten behandelt werden (minus vier). Davon wurden 32 auf den Intensivstationen betreut werden, um eine Person weniger als noch am Vortag. Indes wurde ein weiterer Todesfall in Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet.

Am stärksten betroffen war weiterhin der Bezirk Schwaz mit 234 Fällen, gefolgt vom Bezirk Lienz mit 225. Im Bezirk Innsbruck-Land galten 214 Menschen als infiziert. In Tirol wurden bisher 521.442 Coronatests durchgeführt.

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