03.02.2021 14:17 |

„Land abriegeln“

Neue Corona-Mutation in Tirol aufgetaucht

Auf der Suche nach Corona-Mutationen in Österreich haben Wissenschaftler nun eine neue Variante entdeckt. Sie wurde in Tirol nachgewiesen und ist eine Weiterentwicklung jener aus Südafrika. Die Folgen sind noch völlig unklar.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte nach Bekanntwerden der Verbreitung der Mutation B.1.1.7. aus Großbritannien angekündigt, nun auch vermehrt in Österreich nach der Ausbreitung von möglicherweise ansteckenderen Coronavirus-Varianten zu suchen. Dies geschieht derzeit vor allem durch die DNA-Aufschlüsselung von positiven Corona-Tests sowie durch die Untersuchung von Abwasserproben.

Zumindest zwei bis drei Veränderungen
Wie nun bekannt wurde, haben Wissenschaftler dabei nun offenbar auch in Österreich eine neue Mutation entdeckt. Konkret wurden bei der Analyse von Personenproben in Tirol zumindest zwei bis drei zusätzliche Veränderungen im S-Protein des Virus festgestellt, die allesamt von der südafrikanischen Variante abstammen, wie Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck gegenüber krone.at erklärte.

Alleine am Mittwoch hat das Forschungsteam 27 neue Fälle in Proben gefunden, die eine Weiterentwicklung oder Unterform der Mutation aus Südafrika darstellt. Laut aktueller Datenlage handelt es sich dabei aber nicht um verschiedene eingeschleppte Viren, sondern um Mutationen, wie von Laer erklärt.

Proben werden weiter aufgeschlüsselt
Welche Eigenschaften diese beiden Mutationen mit sich bringen, sei aber noch völlig unklar. Die Proben werden nun noch weiter aufgeschlüsselt, um relevante Fragen zur Gefährlichkeit und Ausbreitungswahrscheinlichkeit klären zu können.

Mutation aus Südafrika enorm verbreitet
Tirol hat sich in den vergangenen Wochen zunehmend als Hotspot für die südafrikanische Mutation B.1.351 entwickelt, die hier auch im europäischen Vergleich besonders dominant ist. So gingen in der vergangenen Woche etwa die Hälfte der Infektionen auf diese zurück.

Sorge um Wirksamkeit der Impfung
Die Variante ist nicht nur ansteckender als die bislang verbreiteten Varianten, sie sorgt auch für eine reduzierte Immunantwort, weshalb eine erneute Infektion mit dem Virus wahrscheinlicher wird, und auch die Impfung wirkt nur bedingt dagegen. „Wir können nicht ausschließen, dass sich Personen, die damit infiziert waren, sich womöglich noch einmal mit dem ,Wildtyp‘ des Virus anstecken“, so von Laer, die aber zugleich betont, dass die Hersteller bereits an der Anpassung der Impfstoffe arbeiten.

Skeptisch sieht die Virologin die geplanten Öffnungsschritte, welche sie als Wagnis bezeichnete - vor allem in Tirol. Man müsse jetzt beobachten, wie sich die Mutationen weiter verbreiten und bei Bedarf entsprechende politische Maßnahmen ergreifen. Aus ihrer Sicht müsste Tirol jedoch ab 8. Februar weiterhin geschlossen bleiben, damit sich das Virus nicht noch weiter ausbreiten kann.

Kommen Lockerungsschritte zu früh?
Angesichts der verschärften Lage um die Mutationen sprechen immer mehr Experten von einem erhöhten Risiko durch die angekündigten Öffnungsschritte. Der Mikrobiologe Michael Wagner von der Universität Wien erklärte am Dienstag, dass es sinnvoller gewesen wäre, die Infektionszahlen zuvor noch deutlich zu drücken. Hierfür wäre ein Grenzwert in der Sieben-Tage-Inzidenz von 50 sinnvoll - zuletzt lag diese in Österreich bei 104, also mehr als doppelt so hoch.

Der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Universität Krems spricht gar von einem „Spiel mit dem Feuer“. Nun müsse man sehr genau die weiteren Entwicklungen beobachten, denn es bestünde die „Gefahr, dass uns das Ganze wieder entgleitet“.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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