03.02.2021 06:35 |

Russischer Impfstoff

Von der Leyen offen für „Sputnik“-Zulassung

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich nach Angaben aus Parlamentskreisen offen für eine mögliche Zulassung des russischen Corona-Impfstoffs in der Europäischen Union gezeigt. Wenn die russischen ebenso wie die chinesischen Hersteller Transparenz zeigten und „alle Daten“ zu ihren Vakzinen offenlegten, könnten sie möglicherweise Zulassungen erhalten, wurde von der Leyen am Dienstag von EU-Parlamentariern zitiert.

Die Kommissionschefin hatte mit den Abgeordneten über die Corona-Lage gesprochen. Sie steht wegen Verzögerungen bei der Lieferung von Impfdosen an die EU-Staaten derzeit stark in der Kritik. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich offen für eine Zulassung des russischen Impfstoffs „Sputnik V". Jedes Vakzin sei in der EU „herzlich willkommen“, sofern die EU-Arzneimittelbehörde EMA dies empfehle, sagte sie in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“.

Hofer: „Chance für Österreich“
In Österreich hieß es am Dienstag aus dem Gesundheitsministerium, man werde den Einsatz anderer Impfstoffe im Rahmen der österreichischen Impfstrategie „natürlich genau prüfen“, sollte es zu weiteren Zulassungen in der EU kommen. Grundsätzlich sei der Bedarf an Impfdosen durch den gemeinsamen europäischen Beschaffungsprozess aber gut abgedeckt. Zuvor hatte FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer „Sputnik V“ als „eine Chance für Österreich“ bezeichnet. Es wäre es an der Zeit, Kontakt zu Russland aufzunehmen, „so wie es Ungarn bereits erfolgreich getan hat“, betonte er.

Eine am Dienstag veröffentliche Studie hatte ergeben, dass „Sputnik V“ zu mehr als 90 Prozent wirksam ist. Laut der von der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Untersuchung schützte das Vakzin in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien 91,6 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Nach Angaben der Autoren wurde der Impfstoff von den Studienteilnehmern zudem gut vertragen.

Impfstoff vor Abschluss von finalen Studien zugelassen
Russland hatte bereits im Dezember damit begonnen, Risikogruppen mit „Sputnik V“ zu impfen, und im Jänner seine groß angelegte Impfkampagne gestartet. Zugelassen worden war das vom Gamaleja-Forschungszentrum entwickelte und nach einem sowjetischen Satelliten benannte Vakzin in Russland schon im August - noch vor Abschluss der finalen Studien. Dieses Vorgehen war international auf scharfe Kritik und Vorbehalte gestoßen.

In Mexiko wurde „Sputnik V“ am Dienstag per Notfallzulassung zugelassen. Mexiko hatte zu Weihnachten als erstes Land Lateinamerikas seine Impfkampagne begonnen. Bisher wird ausschließlich das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Konzerns Pfizer gespritzt, das Präparat des Pharmakonzerns AstraZeneca und der Universität Oxford wurde aber inzwischen auch zugelassen. In Lateinamerika wird „Sputnik V“ bereits in Argentinien eingesetzt.

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