10.12.2020 16:19

KHG-Anwalt Ainedter:

„Viele Zeugen waren entlastend, bis auf Hochegger“

Es ist der größte Korruptionsfall der zweiten Republik. Der Verkauf der Bundesimmobiliengesellschaft im Jahr 2004 unter dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist die Grundlage, drei Jahre später wird es zum ersten Mal kritisiert. Erst im Jänner 2013 gehen alle nötigen Akten an die Staatsanwaltschaft. Der Prozess beginnt letztendlich im Dezember 2017, endet rund drei Jahre später. Grasser kassiert acht Jahre unbedingte Haft, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Moderator Gerhard Koller spricht im Krone News-Talk mit Anwalt Manfred Ainedter über die gerichtliche Objektivität bei prominenten Angeklagten und blickt auf den langwierigen, lehrreichen Prozess zurück.

Fast zwei Jahrzehnte hat es gedauert, am vergangenen Freitag fällt jedoch das Urteil im BUWOG-Prozess. Karl Heinz-Grasser, sein einstiger Trauzeuge Walter Meischberger und der Ex-Lobbyist Peter Hochegger werden verurteilt. Der ehemalige Finanzminister zeigt sich nach dem nicht rechtskräftigen Urteil kämpferisch und beteuert weiterhin seine Unschuld. Meischberger hingegen verlässt nach seiner Urteilsverkündung (sieben Jahre) rasch den großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts. Hochegger sieht es verhältnismäßig gelassen, auch wenn er nach seinem Teilgeständnis eine Strafmilderung erwartet hätte. Der heute 71-Jährige bekommt eine sechsjährige Freiheitsstrafe aufgebrummt.

„Viele Zeugen waren entlastend, bis auf Hochegger“
Anwalt Manfred Ainedter spricht insgesamt von einer peniblen, durchaus zu lobenden Abwicklung. „Viele Zeugen waren entlastend, bis auf Hochegger.“, dessen Aussagen bei Ainedter zu Beginn des Prozesses nach wie vor für Stirnrunzeln sorgen. Der Strafverteidiger erläutert im Krone-News Talk noch einmal die Vorgänge rund um das vermeintliche Treffen mit einem Banker von Walter Maischberger. Der Strafverteidiger ist sich sicher: „Das kann so nicht gewesen sein:“

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"Das kann so nicht gewesen sein!"

Manfred Ainedter über Hocheggers Treffen mit Meischbergers Banker

Das Gebot von 961 Millionen Euro
Der Auslöser dieses langwierigen Prozesses war das ominöse Gebot des bereits bekannten Bieterkonsortiums von rund 961 Millionen für die Bundeswohnungen. „Hätten sie fünf Millionen mehr geboten, wäre es gescheiter gewesen. Die Optik ist nicht schön, aber es ist so.“, meint Ainedter, der über normale Vorgänge spricht. Auch die Richterin Marion Hohenecker stand bei den Angeklagten aufgrund möglicher Befangenheit in der Kritik. Auch hier stellt der verteidigende Anwalt von Karl-Heinz Grasser klar: „Sie hat uns getäuscht. Wir waren und einig - hier kann nur ein Freisprich rauskommen.“ 

Der Prozess ist beendet, das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde ist bereits angekündigt. Alles weitere rund um die fast zwei Jahrzehnte zurückliegende Causa sehen Sie im Video!

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