07.12.2020 07:00 |

Masten stürzten um

Massive Stromausfälle durch Schneechaos in Tirol

Rund 220 Mitarbeiter der Tinetz, der Tiroler Netze, kämpften am Wochenende verbissen gegen die Störungen durch gekappte Stromleitungen oder sogar umgerissene Hochspannungsmasten, die den Wetterkapriolen vor allem in Osttirol „zum Opfer gefallen“ waren. Trotzdem waren insgesamt 35.000 Haushalte von Stromausfällen betroffen - auch in Nordtirol. Muren, Erdrutsche und drohende Lawinen sorgten für viele Straßensperren. Die Experten des Lawinenwarndiensts stuften die Gefahr am Montag von Stufe fünf auf vier herunter, es herrscht also „große Gefahr“. Am Dienstag soll das Risiko weiterhin leicht abnehmen, hieß es. Im Bezirk Lienz und im hinteren Ötztal blieben die Schulen am Montag geschlossen. In Kärnten und Salzburg machten den Einsatzkräften indes vor allem heftige Regenfälle zu schaffen.

Von Stromausfällen besonders betroffen waren der Bezirk Osttirol sowie das hintere Ötztal. „Hier kam es aufgrund der massiven Schneelast zu mehreren Baumbrüchen auf die 110-kV-Leitung“, so Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder. Bis zum Abend waren die Störungen weitgehend behoben. Weitere Ausfälle gab es in der Brenner-Gegend.

Am Sonntagnachmittag waren 700 Haushalte in Nordtirol und 2300 Haushalte in Osttirol nicht versorgt, auch Montagfrüh konnte die Versorgung zahlreicher Haushalte noch nicht hergestellt werden.

Weiterer Lawinenabgang
In Osttirol kam es am Sonntag infolge der extremen Niederschläge noch zu einem weiteren Lawinenabgang. Durch starken Regen löste sich in der Früh am Heidenberger Feld in Nussdorf-Debant unterhalb der Waldgrenze eine Nassschneelawine. Sie kam direkt hinter den dortigen Häusern zum Stillstand. 

Schulweg zu gefährlich
Auf Empfehlung der Bezirkshauptmannschaft Lienz wurde die Schließung aller Schulen im Bezirk am Montag veranlasst. „Es zeichnet sich zwar eine Entspannung ab, aber die Gefahr von Hang- und Nassschneerutschen sowie Muren besteht weiter“, erklärt Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Schulfrei gilt auch im hinteren Ötztal, die Straßensperre dorthin konnte aber beendet werden.

Bis zu 300 Liter Regen pro Quadratmeter in Kärnten
In Kärnten folgte auf den Schnee am Sonntag vielerorts der Regen, der dann nach Stunden wieder in Schneefall überging: Ein außergewöhnliches Wetterereignis, das Meteorologen seit Tagen angekündigt hatten. „Niederschlagsrekorde wurden gebrochen. Noch nie fielen etwa im Raum Lienz so viel Regen und Schnee wie in den letzten Tagen“, erklärt ZAMG-Wetterexperte Gerhard Hohenwarter. Im Lesachtal waren es bis Sonntagabend mehr als 300 Liter (!) pro Quadratmeter.

Überschwemmungen in Salzburg
Massive Regenfälle sorgten auch in Salzburg für Überschwemmungen und kleinere Murenabgänge. Die für das Wochenende angekündigten Schneemassen blieben jedoch aus.

Wetterprognose verspricht leichte Entspannung
Bis zur Wochenmitte sind weitere Schneefälle im Süden Österreichs zu erwarten. Das geht aus der Prognose der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hervor. Die Details:

  • Eine nächtliche Störungszone zieht am Montag über den Nordosten ab und in vielen Regionen ist von Beginn an trockenes und tagsüber zeitweise sonniges Wetter zu erwarten. Nur in den Staulagen alpensüdseitig verdichten sich die Wolken rasch wieder, hier beginnt es am Nachmittag bei einer Schneefallgrenze um 900 Meter erneut zu regnen oder zu schneien. Der Wind bläst im Osten und im Bergland teils lebhaft aus Südost bis Süd. Die Frühtemperaturen erreichen je nach Wind minus zwei bis sieben Grad, die Tageshöchstwerte ein bis zehn Grad.
  • Das nächste Italientief wird am Dienstag bei uns wetterwirksam und weitere feuchte Luftmassen stauen sich an der Alpensüdseite. Besonders betroffen sind damit erneut Osttirol und Oberkärnten, wo bis zum Mittwoch wieder erhebliche Mengen Regen und Schnee zusammen kommen dürften. Die Schneefallgrenze liegt bei 600 bis 1100 Metern. Im Norden und am Alpenostrand bläst lebhafter Wind aus Südost. Das Thermometer zeigt in der Früh minus sechs bis plus fünf Grad von West nach Ost, am Tag höchstens null bis acht Grad.
  • Der Störungseinfluss von Süden her dauert am Mittwoch an. In weiten Teilen des Landes überwiegen die Wolken und zeitweise regnet oder schneit es, mit Schwerpunkt erneut im Südwesten und Süden. Die Schneefallgrenze liegt dabei zwischen 500 und 900 Meter Seehöhe. Nach Frühtemperaturen von minus drei bis plus drei Grad, folgen maximal ein bis sechs Grad am Tag.
Andreas Moser
Andreas Moser
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