01.12.2020 21:56 |

„Geisternetze“ gesucht

Taucher entdecken in Ostsee Nazi-Chiffriermaschine

Im Rahmen der Suche nach sogenannten Geisternetzen in der Ostsee haben Forschungstaucher laut Angaben der Umweltschutzorganisation WWF eine Enigma-Chiffriermaschine aus dem 2. Weltkrieg gefunden. Sie diente zum Verschlüsseln von Nachrichten. „Obwohl diese Maschinen damals in sehr hoher Stückzahl produziert wurden, sind sie heute sehr selten und historisch bedeutsam“, teilte der WWF am Dienstagabend mit.

Forschungstaucher einer Kieler Firma seien im November in der Geltinger Bucht für eine WWF-Aktion im Wasser gewesen: Sie wollten sogenannte Geisternetze bergen. Das sind „herrenlose Fischernetze, die eine tödliche Falle für Fische, Meeressäuger und Seevögel darstellen und als Plastikmüll die Meere belasten“, heißt es in der Mitteilung des WWF. Eines dieser herrenlosen Fischernetze habe sich auf dem Meeresboden an der Enigma verfangen.

In der Geltinger Bucht hatte die deutsche Kriegsmarine im Mai 1945 Dutzende U-Boote versenkt. „Wir vermuten, dass unsere Enigma im Zuge dieses Ereignisses über Bord gegangen ist“, sagte Florian Huber, Taucher und Unterwasserarchäologe in dem Team, das im Auftrag des WWF im Einsatz war und die Chiffriermaschine fand.

Man arbeite in solchen Fällen eng mit archäologischen Landesämtern und dem Munitionsbergungsdienst von Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Während des Zweiten Weltkriegs verschlüsselte die deutsche Wehrmacht ihre Funksprüche mithilfe der Enigma. Heute gelten die Nazi-Chiffriermaschinen als Raritäten. Erst Anfang Juni ist eines der wenigen noch erhaltenen Geräte (Bild unten) im Wiener Dorotheum für 117.800 Euro versteigert worden.

Von deutschem Elektrotechniker 1918 erfunden
Die deutschen Militärs verschlüsselten mit der Enigma, die in ihrer Aufmachung an eine Schreibmaschine erinnert, ihre gesamte Funkkommunikation. Erfunden wurde die Maschine bereits 1918 vom deutschen Elektrotechniker Arthur Scheribus. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wurde sie immer wieder verbessert und kam für die Luftwaffe, die Kriegsmarine und beim Heer, aber auch im diplomatischen Dienst oder bei der Reichsbahn zum Einsatz.

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