02.11.2010 14:15 |

Bande am Werk?

Vandalen verwüsten in Wien 150 Gräber

Eine Bande von Friedhofsvandalen bereitet der Wiener Kriminalpolizei Kopfzerbrechen. Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen war der städtische Friedhof im Bezirk Meidling nun schon Ziel einer größeren Vandalismus-Aktion. Entsetzte Friedhofsbesucher entdeckten die Trümmer von mehr als 150 umgeworfenen Grabsteinen am Sonntag, der Sachschaden beträgt rund 300.000 Euro.
Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Erst am 17. Oktober - ebenfalls in einer Nacht auf Sonntag - waren ähnlich wie diesmal Dutzende Grabsteine umgeworfen und Grabplatten beschädigt sowie Wasserhähne aufgedreht worden. Auch damals war der Sachschaden "relativ hoch". Während die Polizei sich auf keine Mutmaßungen einlassen möchte, glauben Beteiligte, dass es sich in beiden Fällen um dieselben Täter handelt.

Laut Erhard Rauch, Geschäftsführer der Friedhöfe Wien GmbH, betrafen die Zerstörungen beide Male denselben Bereich im Teil des neuen Friedhofsgeländes. "Dort ist ein Zaun, wo man leichter hinüber kommt", erklärte Rauch am Dienstag.

300.000 Euro Schaden
Der Friedhof, der mit 1,80 bis zwei Meter hohen Mauern und Zäunen eingegrenzt ist, wird täglich ab 17 Uhr versperrt. "In den letzten Wochen wurden mehr als Hundert wunderschön gepflegte Gräber zerstört", klagt Peter Klafl-Schuster von der Friedhofsgärtnerei Schuster, die in Meidling zahlreiche Gräber betreut. Bereits vor zwei Jahren seien bei einer derartigen Aktion 55 Gräber geschändet worden. Die Täter wurden nie gefasst.

Die schweren Grabsteine dürften ohne Werkzeuge umgestoßen worden sein, wodurch beim Aufprall auch die Grabplatten zerbarsten. "Ich glaube, zwei erwachsene Männer bringen so etwas schon zusammen", meinte Rauch. "Ich gehe von einem Schaden aus, der pro Grab durchschnittlich bei 3.000 Euro liegt." Manche Gräber seien mehr betroffen, andere - zum Beispiel aufgelassene Ruhestätten - nur marginal. Insgesamt dürfte der Schaden laut einer ersten Schätzung etwa 300.000 Euro betragen.

"Alles ist kaputt, es ist einfach unfassbar"
"Ich bin entsetzt und sprachlos und habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Alles ist kaputt, es ist einfach unfassbar", rang Frau B. beim "Krone"-Lokalaugenschein am Montag in ihrer Verzweiflung um Worte. Sie besuchte am Vortag das Grab ihres Mannes und ihres Vaters. Doch beim Anblick der letzten Ruhestätte ihrer Familie erlitt sie einen Schock. "Der Grabstein, den ich vor 13 Jahren um 60.000 Schilling habe anfertigen lassen, war umgeworfen, die Vase zertrümmert. Es ist die reinste Verwüstung", schildert die Wienerin.

Laut Polizei handle es sich um "schwere Sachbeschädigung". Die zuständigen Kriminalisten hätten die Ermittlungen aufgenommen, es würden jetzt auch verstärkt Schwerpunktstreifen mit Diensthunden durchgeführt. Anzeichen für einen religiösen oder politischen Hintergrund könne man derzeit aber bisher nicht erkennen.

Friedhof Meidling umfasst 18.095 Gräber
Der Friedhof Meidling umfasst eine Fläche von 129.811 Quadratmetern, auf der 18.095 Grabstellen untergebracht sind.  Laut der Friedhöfe Wien GmbH wurde das Areal in seinen Grundzügen am 6. August 1862 eingeweiht. Untergebracht ist auf dem Friedhof auch ein Denkmal für die Opfer der Februarkämpfe 1934.

Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 21. Mai 2022
Wetter Symbol
(Bild: Krone KREATIV, stock.adobe.com)