14.11.2020 19:05 |

Die ersten Reaktionen

Steirer zum Lockdown: „Das ist ein harter Schlag“

Der zweite Voll-Lockdown ist da. Der Handel wird großteils geschlossen, alleine Kastner & Öhler verliert einen Umsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich. Die Seilbahnbetriebe müssen den Ski-Saisonstart wieder verschieben. Immerhin: In der Kultur darf weiter geprobt werden, der Profisport darf weitermachen. Die „Krone“ hat steirische Reaktionen zusammengefasst.

Noch einmal Einkaufen vor dem Lockdown - auch bei Kastner & Öhler, dem Flaggschiff des Grazer Innenstadthandels, herrschte am Samstag Hochbetrieb. Die Stimmung von Vorstand Martin Wäg war trotzdem gedrückt - ausgerechnet zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts muss man wieder zusperren.

„Die letzten Monate waren zum Glück gut, weshalb wir von der Liquidität her gut dastehen. Aber uns wird allein in den nächsten drei Wochen ein Umsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich fehlen“, rechnet Wäg vor. „Diese Maßnahmen stellen für alle Handelsunternehmen eine ernste Angelegenheit dar. Deshalb ist der Staat jetzt gefordert - wir brauchen dieselben Pakete wie die Gastronomie, auch wenn das teuer wird.“

Steirer sollen online regional einkaufen
Von einem „harten Schlag“ spricht auch Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk. Man werde „alles dafür tun, um unsere Betriebe dabei zu unterstützen, Konsumenten bezüglich ihrer Kaufentscheidungen in der Weihnachtszeit zu sensibilisieren. Denn auch wenn viele Geschäfte jetzt geschlossen bleiben müssen, können Waren online oder über ein telefonisches Bestellservice bei diesen geordert werden.“

Sobald es kalt ist, wird beschneit
Ein herber Rückschlag ist der neuerliche Lockdown natürlich auch für die Skigebiete, die Anfang Dezember starten wollten. „Die Wintersaison ist schon wieder verkürzt“, seufzt Seilbahn-Sprecher Fabrice Girardoni, der hofft, dass zu Weihnachten gefahren werden kann.

Die Skigebiete bereiten sich vor, um bei grünem Licht sofort aufsperren zu können. So wird auf der Reiteralm, sobald es die Witterung zulässt, beschneit, kündigt Geschäftsführer Daniel Berchthaller an. Die „wichtige Vorsaison“ ist verloren, seine Hoffnung ist nun, dass nach dem Lockdown die Reisefreiheit mit den wichtigsten Ländern (Deutschland, Tschechien, Polen, Slowakei, Niederlande) wieder gegeben ist.

„Eine eindeutige Sprache“
Von der Landesspitze kommt Rückendeckung für die neuen Maßnahmen: „Egal wie man die Zahlen der vergangenen Tage interpretiert - sie sprechen leider eine eindeutige Sprache“, sagen Hermann Schützenhöfer und Anton Lang. „Die Gesundheit geht vor - auch wenn wir uns gewünscht haben, dass Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und der Handel offen bleiben können.“

Von der größten Oppositionspartei im Landtag, der FPÖ, kommt viel Kritik an den neuen Maßnahmen. Sie seien der „Todesstoß für viele Betriebe“, das Land sei gefordert, weitere Hilfspakete zu schließen. Neos-Klubobmann Niko Swatekt fordert von der Bundesregierung „endlich eine Exit-Strategie aus dem Lockdown und tragfähige Konzepte um einen dritten Lockdown zu verhindern.“

Die Grünen unterstützen natürlich die Maßnahmen und nehmen wiederum die Landesregierung in die Pflicht: „Auch in der Steiermark wird es notwendig sein, das Contact Tracing und die Abwicklung der Fälle durch Gesundheitsbehörden in den nächsten drei Wochen deutlich zu stärken, um danach eine rasche und effiziente Nachverfolgung und Eingrenzung der Fälle sicherzustellen", so Klubobfrau Sandra Krautwaschl.

103 Patienten auf Intensivstation
Die Dramatik der Lage in der steirischen Spitälern verdeutlicht Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß: „Die Situation ist kritisch.“ Am Samstag gab es 103 Corona-Patienten auf Intensivstationen. „Wir gewinnen den Kampf gegen das Virus vor allem durch unsere Disziplin vor den Toren der Spitäler.“

Kinder zuhause betreuen
Bogner-Strauß ist auch für Bildung zuständig. Hier teilt sie mit: „Eltern wissen am besten, ob Bedarf besteht, dennoch möchte ich alle Eltern und Erziehungsberechtigen bitten, Kinder, die zu Hause betreut werden können, in den nächsten drei Wochen auch zu Hause zu betreuen. Natürlich besteht die Möglichkeit, Kinder auch tageweise in die Einrichtung zu bringen.“

Kultur: „Wichtig, dass wir proben dürfen“
Betroffen von der Verschärfung der Maßnahmen ist natürlich auch der Kultursektor - auch wenn zum Beispiel für Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Bühnen Graz, die Verlängerung des Lockdowns „durchaus erwartbar“ war: „Wichtig ist für uns jetzt vor allem, dass wir weiter proben dürfen. So sind wir wenigstens in der Lage, dass wir den Spielbetrieb nach dem Lockdown so schnell wie möglich wieder aufnehmen.“

Ähnlich sieht das auch Monika Klengel vom Theater im Bahnhof, die „realistischerweise nicht davon ausgeht, dass wir die bereits einmal verschobene Premiere unseres neuen Stücks heuer noch zeigen werden können“. Vermehrt wolle man nun auf Online-Angebote setzen. Und für die Freie Szene hofft Klengel, dass es „auch für gemeinnützige Vereine und Gesellschaften sowie für freischaffende Künstler einen Umsatz-Ersatz und Ausfallshonorare gibt“.

Profisport: „Vorbildfunktion noch größer“
Während die Maßnahmen den ohnehin schon auf ein Minimum reduzierten Hobby-Sport komplett untersagen, atmeten steirische Spitzensportler und Vereine am Samstag auf. Fußball, Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball - der Betrieb in den Top-Ligen geht weiter. „Unsere Vorbildfunktion wird jetzt noch größer“, meint Sturm-Präsident Christian Jauk.

Jakob Traby
Jakob Traby
Marcus Stoimaier
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Christoph Hartner
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Georg Kallinger
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