Landestheater Linz:

„Falls Lockdown länger dauert, wird es heikel“

Der zweite Lockdown bringt die Kultur in Bedrängnis. Am Landestheater Linz hat Intendant Hermann Schneider Verständnis für die Maßnahmen und kann den November noch gut überbrücken. Bei einer Verlängerung des Lockdowns stünden aber Produktionsabsagen oder eine Saison-Ausdehnung in den Sommer im Raum.

Krone: Wie ist die Stimmung am Theater nach den erzwungenen zweiten Schließungen?

Schneider: Wir sind natürlich traurig, enttäuscht und auch ein wenig frustriert darüber, dass wir nicht spielen können. Wir hatten ein sehr gutes Präventionskonzept, das Publikum war da. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir ohne Risiko weiterhin spielen hätten können. Aber die Maßnahmen sind bei diesen besorgniserregenden Zahlen nachvollziehbar. Und im Krisenmanagement entwickelt man mittlerweile auch eine gewisse Routine.

Die Bundesregierung bietet 80 Prozent Umsatzersatz auf Basis der Zahlen des Novembers 2019 an. Das gilt auch für das Landestheater, oder?

Darauf hätten wir auch gerne eine Antwort. Zuletzt hieß es Ja, aber wir haben noch nichts schriftlich dazu. Daher arbeiten wir auch bereits an einem Kurzarbeitskonzept, das ist unser Plan B. Wir werden uns dann genau anschauen, welche Variante für uns am besten ist. Wir müssen schließlich wie ein Unternehmen auch wirtschaftlich rechnen.

Könnte der Umsatzersatz nicht sogar ein Gewinn sein gegenüber dem, was im November durch die reduzierte Sitzplatzkapazität zu erwarten gewesen wäre?

Sie haben nicht Unrecht, letzten November waren wir gut am Start mit Erfolgen wie „Sister Act“, aber wir müssen die Erlöse erst analysieren. Fix ist, dass es nicht nur um den November geht. Das Publikum traut sich jetzt auch keine Karten für den Dezember oder Jänner zu kaufen, wobei der Dezember normalerweise unser bester Monat ist - mit Weihnachten und Silvester. Da haben wir jetzt schon einen Schaden in der Zukunft.

Momentan sieht es eher nach Verschärfungen als nach Lockerungen aus - wie sehr gehen Sie davon aus, im Dezember überhaupt wieder spielen zu können?

Ich muss davon ausgehen, dass wir im Dezember wieder spielen, das ist der Stand. Ich habe mir abgewöhnt, irgendwelche Varianten durchzuplanen, wie wir es im Frühjahr gemacht haben. Dann kommt ja doch wieder alles ganz anders. Mit jetzigem Stand können wir alle Termine mit Verschiebungen halten und die sieben Premieren vom November im Dezember machen. Sollte der Lockdown wirklich verlängert werden, wir es aber sehr heikel, dann wird der Stau an Veranstaltungen größer, und wir kommen mit den Proben auch nicht mehr nach. Dann müssen wir irgendwann auch Produktionen absagen.

Die Wiedereröffnung könnte wie im Sommer auch eine Besuchergrenze beinhalten.

Wir wollen jedenfalls spielen, allerdings wäre eine 250-Personen-Grenze für uns ein fürchterliches logistisches Puzzle.

Thomas Ostermeier, Intendant der Schaubühne Berlin, will im Sommer spielen, um aufzuholen. Eine Möglichkeit?

Linz ist nicht Berlin. Dort haben sie Dank der Touristen auch im Sommer genug Publikum. Davon kann man bei uns nicht ausgehen. Trotzdem ist es eine clevere Idee. Sollte der Lockdown länger dauern und es arbeitsrechtlich usw. möglich sein, dann kann ich mir eine Saisonverlängerung um zwei Wochen vorstellen. Es ist aber schwierig, unseren Mitarbeitern steht ja auch Erholung zu.

Jasmin Gaderer/Kronen Zeitung

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