04.11.2020 08:18 |

„Krone“-Kommentar

Die Stille nach dem Anschlag

12 Uhr Mittag am Dienstag, sechzehn Stunden nachdem der Terror nach Österreich kam. Das Land steht still. Menschen schicken ihre Gedanken in den Himmel. Gefühle und Gebete. Wenn es Gott gibt oder Allah, dann muss er diese Stille gehört haben.

Schweigeminute für die Opfer des brutalen Anschlags im Herzen von Wien. Stille nach der grausamen, panischen Nacht. Es fielen Schüsse. Blut und Verzweiflung. Menschen schrien, Polizisten schrien. Helikopter kreisten über der Stadt. Und heute: leere Straßen, die Fahnen auf halbmast, dreitägige Staatstrauer.

Vier wehrlose Zivilisten, kaltblütig ermordet. 24 Verletzte, noch immer ringen einige um ihr Leben. Die Gefühle und Gebete sind bei jenen, denen die Liebsten geraubt wurden, bei allen, die den Überlebenden beistehen, bei den Rettungs- und Sicherheitskräften. Die Gefühle und Gebete gelten der Hoffnung, dass Misstrauen und Angst sich nicht wie eine giftige Wolke über unsere Gesellschaft legen. Dass der Terror unser Wien nicht verändern wird.

Es werden sorgenvolle, düstere Tage und Nächte kommen nach diesem Anschlag, im Lockdown. Poller und Zäune und Mauern. Kameras, mehr Überwachung, neue Sicherheitskonzepte. Die Folgen von Terroranschlägen treffen wie Corona jeden und jede von uns. Unsere Freiheit und das Gefühl, sicher zu sein.

Wenn es Gott gibt, dann lass diese Tragödie das Letzte sein, was uns im schicksalhaften Jahr 2020 abverlangt wurde.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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