18.10.2020 06:00 |

Maßnahmen in Salzburg

Wilfried Haslauer: „Ich kann nicht zuschauen“

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer griff als Erster zu harten Maßnahmen. Die Quarantäne in Kuchl sei alternativlos.

„Krone“: Was war für Sie ausschlaggebend, in Salzburg regional schärfere Maßnahmen zu verordnen?
Wilfried Haslauer: Wir waren immer weit unter dem Bundesdurchschnitt - bis vor 14 Tagen. Der Inzidenzwert hat sich innerhalb von zwei Wochen verdreifacht. Im Tennengau liegt er über 300, in Kuchl über 1000. Das ist eine explosionsartige Entwicklung. Ich habe gehofft, dass es ohne Quarantäne geht. Aber die Infektionszahlen haben nicht abgenommen, sondern steigen weiter. Daher ist die Quarantäne alternativlos.

Haben Sie weitere Maßnahmen in der Schublade?
Es ist natürlich denkbar, dass die verschärften Maßnahmen für den Tennengau auch fürs ganze Land gelten werden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass man die Quarantäne verlängern muss. Das hängt jetzt ganz von der Entwicklung ab. Letztlich ist es auch eine Frage der Disziplin und Akzeptanz unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Schwören Sie die Länder auf einen schärferen Kurs der Bundesregierung ein?
Das muss jeder Landeshauptmann für sich beurteilen. Wir sind natürlich im Austausch. Ich gehe davon aus, dass auch der Bund jetzt Maßnahmen treffen wird. Wien war lange Zeit der Ausreißer nach oben und es gab dort wenig bis keine Einschränkungen. Mittlerweile hat Wien einen Inzidenzwert von 150, in Salzburg nähern wir uns diesem Niveau und ich kann da nicht zuschauen! Wir haben einen Vorlauf von 14 Tagen, bis die Maßnahmen greifen. Allein die Tatsache, dass wir am Samstag Kuchl unter Quarantäne gestellt haben, wird am Montag noch keine Auswirkungen zeigen. Aber vielleicht in einer Woche und hoffentlich in 14 Tagen.

Wie sinnvoll sind regional verschiedene Maßnahmen?
Ich glaube, dieser Weg ist richtig. Die regionalen Behörden können sehr punktgenau bei einzelnen Gemeinden und Bezirken Maßnahmen treffen. Nur weil Kuchl so schlechte Werte hat, ist es nicht notwendig, in Neusiedl was zu verfügen.

Ist die kommende Tourismussaison noch zu retten?
Ich habe die Wintersaison noch nicht abgeschrieben. Ich hoffe, dass sie gut wird, aber garantieren kann das natürlich kein Mensch. Das hängt von der internationalen Entwicklung ab, aber auch ganz wesentlich von der Entwicklung in unserem Land. Da sind die Österreicher eine wichtige Gästegruppe, ebenso wie die Deutschen und die Holländer.

Es droht ja akut eine Reisewarnung aus Deutschland.
Na ja, diese Reisewarnung ist jetzt Mitte Oktober unangenehm, aber keine wirkliche Katastrophe. Die Tourismussaison ist momentan zu Ende. Es trifft natürlich den Handel in der Stadt sehr. Wenn Ende November die Reisewarnung immer noch gilt, wird es schwierig, denn dann ist die Buchungszeit. Wir haben jetzt gesehen: Die Leute buchen kurzfristiger und sagen ebenso spontan wieder ab.

Wie viel verträgt das Salzburger Gesundheitssystem?
Wir haben in Summe gut 120 Spitalsbetten für Covid-Patienten vorgehalten, die könnten in zwei Wochen belegt sein. Wenn wir dann erst Maßnahmen treffen, haben wir ein echtes Problem. Daher müssen wir jetzt arbeiten und die Situation sehr genau beobachten. Zu gegebener Zeit werden wir zusätzliche Kapazitäten aufbauen müssen.

Magdalena Mistlberger, Kronen Zeitung

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