15.10.2020 05:51 |

Bergretter tot

Nach Lawine: „Er war am Großvenediger wie daheim“

Geschockt und tief erschüttert vom Tod eines 57-Jährigen in Osttirol sind nicht nur Familie und Verwandte. Auch seine Kameraden von der Bergrettung in Prägraten können es kaum fassen: „Er wollte doch nur hinauf, und ein Foto vom Gipfelkreuz machen ...“ Dabei stürzte der Osttiroler mit einer Lawine 350 Meter in den Tod.

Ein Foto im Internet mit dem verschneiten Gipfelkreuz hatte den Mann auf den Berg gelockt. Er wollte selbst eines schießen. Am Samstag machte er sich auf den Weg. Als er abends nicht heimkam, schlug die Familie Alarm. Seine Kameraden gingen sofort los - wir hatten berichtet.

Ortsstellenleiter Siegfried Kratzer: „Gegen zwei Uhr früh fanden wir Aufstiegsspuren. Aber auch Abbruchspuren eines Schneebretts. Bei Dunkelheit, Schneefall und Sturm stiegen wir ab.“

„Alle wussten, wir suchen nach einem Toten“
Mit den Prägratern waren Kameraden aus Matrei, Virgen und Neukirchen in Salzburg unterwegs. „Alle wussten, wir suchen einen Toten. So einen Sturz konnte niemand überleben.“ Am Sonntag startete dann „Christophorus 7“ einen Suchflug, musste aber wegen Schlechtwetters abbrechen. Erst die Polizeilibelle war erfolgreich.

Kratzer: „Mit dem Suchsystem Recco am Seil überflog sie den Lawinenkegel und es schlug an. Die Signale waren von Reflektoren an der Kleidung zurückgeworfen worden“, schildert der Bergretter die Situation.

Alle waren erschüttert, aber froh: „Wir konnten ihn zurückbringen! Er lag nur zwei Meter von einer Gletscherspalte entfernt.“ Wie es zu dem Unglück kommen konnte? Kratzer: „Er war da oben wie daheim, aber das kann dem Besten passieren! Zum Abschied haben wir das Foto für ihn gemacht.“

Serina Babka
Serina Babka
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