18.09.2020 06:01 |

Ein Tag am Bio-Hof

Hebein: „Ach, wie schön, mal Bäuerin zu sein“

Eine Klosterschwester hielt Birgit Hebein davon ab, Bergbäuerin zu werden. Die „Krone“ macht es möglich: Einen Tag lang durfte sie jetzt auf einem Bio-Hof in der Wiener Lobau „hackeln“.

Mit Bergen hat es Wien nicht so. Selbst der Hermannskogel ist für eine Kärntnerin wie Hebein nur ein zwergenhafter Hügel. Not macht erfinderisch. Es tut auch ein Flachlandbauer. Der erste Versuch in Stammersdorf, die Vizebürgermeisterin zum Ziegenfüttern zu begleiten, schlug fehl. Ein aggressiver Eber war just zum Termin mit der „Krone“ ausgebüxt. Zu gefährlich für alle Beteiligten!

Scheibtruhe als Geschenk
Also umdisponieren. Es wurde letztlich die Kleine Stadt Farm in der Lobau. Das ist eigentlich kein Bauernhof, sondern ein Gemeinschaftsprojekt von 20 Vereinen und Initiativen. Ein grünes Idyll. Fünf Hektar groß, Pachtgrund der Gemeinde. Hier wird gepflanzt (Wassermelonen, afghanischer Lauch „Gandana“, Spinat, Pilze, Mangold etc.), geritten, meditiert, mit Lamas gewandert und experimentiert. Eine Art Selbstversorgerkommune.

Man bleibt lieber unter sich. Die Zucchini, Tomaten und Kürbisse sind hauptsächlich für den Eigengebrauch. Hebein kommt gut gelaunt in Turnschuhen, Jeans und rotem Leiberl. Sie bringt eine Scheibtruhe als Geschenk mit. Das Wetter ist perfekt. Wolkenlos, fast 30 Grad. Die Pferde sind zu versorgen. An die Arbeit.

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Körperliche Arbeit taugt mir immer noch. Holzhacken ist etwas, das mich ausgesprochen entspannt. Das war früher schon so, und das ist es bis heute geblieben.

Hebein liebt „hackeln“.

„Mein Opa war Almhirt. Wir hatten 120 Pferde auf der Gemeinschaftsalm“
Die 53-Jährige klettert über eine Leiter ins Scheunendach und wirft Heuballen herunter. Wieder am Boden, stopft sie das Stroh in Portionierungsnetze, damit die Tiere sich nicht überfressen. „Mein Opa war Almhirt. Wir hatten 120 Pferde auf der Gemeinschaftsalm. Zwei Sommer lang habe ich selbst auf der Alm gearbeitet“, sagt Hebein. Ihren Wunsch, die Felder zu bestellen, hat ihr eine Nonne ausgeredet. „Sie war meine Religionslehrerin in der Schule. Sie sagte, ich soll nach Wien gehen und einen Sozialberuf machen.“ Also ermöglicht es ihr die „Krone“ in einer Aktion mit allen Kandidaten, einen Tag in dem Beruf zu verbringen.

Die Pferde fressen nicht nur, sie hinterlassen viele Pferdeäpfel. Hebein muss sie wegkehren, das Gehege sauber fegen. Es kommt einiges zusammen. Zwei Scheibtruhen werden voll. Was sie bei Opa noch gelernt hat, ist Holz hacken. Breitbeinig schwingt sie die Axt in die Höhe und lässt sie auf den Bock niedersausen. Die Prügel zerbersten unter der Wucht.

Erschöpft, aber glücklich
Was wäre eine Grüne ohne Biogemüse. Im brütend heißen Glashaus spielt die Politikerin Erntehelferin. Sie schneidet mit geflüchteten Jugendlichen Mangold und Melanzani, pflückt Tomaten von den Ranken. Nach drei Stunden Arbeit ist sie erschöpft, aber glücklich. „Ein wunderbarer Ort“, sagt sie. Aber zurück auf die Alm, um mit der Sense die Hügel abzumähen, das will sie nicht mehr. „Es ist ein unglaubliches Privileg, in einer Stadt wie Wien Politikerin zu sein.“ Sagt’s und wirft sich in ein Kleid für den nächsten Termin.

Alex Schönherr, Kronen Zeitung

Für die „Krone“ versuchen sich alle Spitzenkandidaten einen Tag lang im Berufswunsch ihrer Kindheit. Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache versuchte sich dabei als Wirt. NEOS-Chef Christoph Wiederkehr wollte als kleiner Bub Konditor werden. Und ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel absolvierte einen Probetag als Tierarzt im Zoo. Lesen Sie morgen: Dominik Nepp ist schwer bewaffnet!

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