Wirte als Leidtragende

Firmen verzichten heuer auf ihre Weihnachtsfeiern

Österreich
13.09.2020 06:00

Gerade hat die Regierung private Partys über 50 Personen untersagt. Schon zuvor war für viele Firmen klar: Große Weihnachtsfeiern gibt es nicht. Leidtragende sind nicht zum ersten Mal die Wirte. Sie suchen Alternativen.

„Schweren Herzens haben wir erst vor wenigen Tagen die Weihnachtsfeier 2020 abgesagt.“ Wie beim Wiener Technologiekonzern Frequentis klingt bei allen Unternehmen auf „Krone"-Anfrage Wehmut mit. Auch der Villacher Technologiekonzern Infineon wird heuer keine Weihnachtsfeiern durchführen, dasselbe gilt für den Tabakkonzern JTI oder den Bierproduzenten Ottakringer.

„Es gibt sehr viele Stornierungen, 70 Prozent und mehr“
Enttäuschte Mitarbeiter, enttäuschte Chefs, enttäuschte und in ihrer Existenz bedrohte Wirte. „Es gibt sehr viele Stornierungen. 70 Prozent und mehr“, sagt Sprecher Mario Pulker. Schon in „normalen“ Jahren sind Firmenfeiern für viele Gastronomiebetriebe ein wichtiger Beitrag für eine positive Bilanz. Nach coronabedingten Betriebsschließungen und Einschränkungen hofften viele umso mehr auf einen ausgebuchten Jahresabschluss.

Wirte-Sprecher Mario Pulker (Bild: Zwefo)
Wirte-Sprecher Mario Pulker

Pulker appelliert an die Firmen, nicht alles abzusagen. „Es gibt auch sichere Weihnachtsfeiern. Einzelne Abteilungen können zu einem schönen Menü kommen.“ Was nicht gehe, seien wilde Partys und Alkoholgelage.

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Es muss klar sein: An der Bar stehen und Runden trinken spielt’s halt heuer nicht. Es spricht aber nichts gegen ein Essen.

Mario Pulker, Sprecher der Gastronomie in der WKO

Das sehen auch die Unternehmen so und suchen Alternativen: „Wir wollen gerade in dieser Zeit des ,social distancing‘ eine Möglichkeit finden, wie wir in kleinen Gruppen zusammenkommen können“, heißt es beim Tabakkonzern JTI. Getränkehersteller Vöslauer verlegt die Feier aus dem Thermalbad Vöslau nach draußen, damit „die Kollegen bei alkoholfreien Getränken plaudern können“. Bei Ottakringer will man den Mitarbeitern mit „kleinen Aufmerksamkeiten Danke sagen, die hoffentlich Freude bereiten“.

Bei vielen anderen Unternehmen ist die Unsicherheit groß. „Die momentane Entwicklung lässt keine Planung zu“, heißt es von Versicherer Merkur. In einem Punkt jedoch herrscht bei allen Einigkeit: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter ist das höchste Gut“, so Eva Wohlschlager von Philip Morris.

Auch im Freien: Abstand!
Auch der Advent wird (so wie wir ihn mit Punschtrinken und Christkindlmärkten kennen) heuer nicht wie gewohnt ablaufen. Ein generelles Verbot von Adventbräuchen wäre laut Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien nach heutigem Stand der Dinge nicht notwendig - außer, die Zahlen steigen weiter an.

Ein gewohntes Bild in den Vorjahren: Gedränge am Christkindlmarkt am Wiener Rathausplatz. (Bild: APA/Herbert P. Oczeret)
Ein gewohntes Bild in den Vorjahren: Gedränge am Christkindlmarkt am Wiener Rathausplatz.

„Gesundheit hat nicht nur einen körperlichen Aspekt, sondern auch einen psychischen und sozialen, das gilt besonders zu Weihnachten. Allerdings benötigen wir dafür strenge Auflagen. Oberste Priorität hat, den Abstand von einem Meter einzuhalten, ausreichend Platz und eine geregelte Teilnehmerzahl. Die Rückverfolgbarkeit muss gewährleistet sein, die übliche Drängelei an der Punschhütte und in schmalen Durchgängen müssen wir unbedingt vermeiden!“, sagt der Mediziner.

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Im Freien herrscht tatsächlich geringe Übertragungsgefahr, aber nur dann, wenn die Distanz ernst genommen wird.

Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner MedUni Wien

Letztendlich macht der Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie im „Krone“-Interview klar, dass jede Verordnung nur sinnvoll ist, wenn sie auch eigenverantwortlich umgesetzt wird: „Wir sind Covid-19 nicht ausgeliefert, und es sind auch keine geheimnisvollen Mächte im Spiel. Jeder Einzelne von uns kann die Fallzahlen durch vernünftiges Verhalten steuern.“

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter (Bild: APA/HANS PUNZ)
Umweltmediziner Hans-Peter Hutter

Gastgärten im Winter geöffnet - gute Idee?
Zwiespältig sieht Hutter die Öffnung der Gastgärten im Winter: „Was die Aerosole betrifft, die wir ein- und ausatmen, besteht im Freien tatsächlich geringe Übertragungsgefahr, aber wieder nur, wenn die Distanzvorschriften ernst genommen werden. Aus umweltmedizinischer Sicht sind aber Heizpilze energietechnisch eine Katastrophe. Muss man wirklich die Luft beheizen, anstatt sich wärmer anzuziehen? Dazu kommt die Lärmbelastung für Anwohner und Emissionen durch Rauchen, z. B. in Innenhöfen. Ein hohes Konfliktpotenzial, das wir schon von früher kennen und in die Planung einfließen sollte.“

(Bild: Josef Vorlaufer)

In Deutschland gibt es bereits Anbieter, die „mobile Weihnachtsmärkte“ für eine kleinere Gästezahl vermieten und anliefern. Oder: Virtuelle Firmenfeiern. Jeder Mitarbeiter bekommt Punsch, Kekse und Brötchen nach Hause, zugeprostet wird per Video. 

K. Podolak, Kronen Zeitung

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