08.09.2020 16:20 |

Investionen gefordert

SPÖ will weg vom System der „Hausübungsschule“

Ein teures Bildungssystem trotz Ausgaben unter dem OECD-Schnitt und Schüler, die im internationalen Vergleich wenig Unterricht haben: Das sind zwar keine neuen aber dennoch fragwürdige Erkenntnisse über Österreichs Bildungszustand, die der am Dienstag veröffentlichte Bericht „Bildung auf einen Blick 2020“ erneut in den Fokus rückt. „Wir haben so ein teures Schulsystem, schicken unsere Kinder täglich in die Schule, und sie kommen mit Nachhilfebedarf heim, wo die Eltern noch privat Nachhilfe zahlen müssen: Das kann es doch nicht sein“, sieht SPÖ-Bildungssprecherin Hammerschmid dringenden Handlungsbedarf.

Österreichs Volksschüler kommen pro Jahr im Schnitt auf 705 Pflicht-Stunden (OECD: 804). Den höchsten Wert verzeichnet hier übrigens Costa Rica mit 1147 Pflicht-Stunden. Im Bereich der Sekundarstufe 1 (AHS-Unterstufe, Mittelschule) liegt Österreich mit einer durchschnittlichen jährlichen Unterrichtszeit von 900 Stunden nur knapp unter dem OECD-Schnitt (922), wobei das jetzt auch kein Ruhmesblatt für eine reiche Industrienation darstellt. An der Spitze befinden sich hier Dänemark und Kolumbien mit je 1200 Stunden.

SPÖ will weg von „Hausübungsschule“
„Die Zahlen der OECD haben nicht viel Neues gebracht, die Corona-Krise hat jedoch die Herausforderungen an unseren Schulen in den Vordergrund gerückt. Allen voran das Problem, dass der Erfolg unserer Kinder und Jugendlichen noch immer zu sehr vom Einkommen und den Unterstützungsmöglichkeiten der Eltern abhängig ist“, merkte SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid dazu am Dienstag in einer Aussendung an.

Während PISA-Vorzeigeländer wie Finnland und Dänemark auf Ganztagsschulen (das Angebot wird hierzulande zumindest in Wien ausgebaut; Anm.) setzen würden, sei in Österreich weiterhin die Halbtags- und „Hausübungsschule“ die Normalität, so der Zustandsbefund der SPÖ, die zuletzt in der rot-schwarzen Regierung von SPÖ-Kanzler Christian Kern das Bildungsressort mit Hammerschmid an der Spitze innehatte.

An diesen Zuständen müsse jedenfalls etwas geändert werden. „Ein Zurück zur Normalität bedeutet in der Bildung ein Zurück zum Mittelmaß“, so Hammerschmid. „Wir wollen weg von der Hausübungsschule, denn Eltern sollen keine ErsatzlehrerInnen sein“, wiederholte die SPÖ-Bildungssprecherin ihre Forderungen aus der Vorwoche.

Österreich mit verhältnismäßig kurzen Corona-Schulschließungen
Interessantes Detail aus den aktuellen OECD-Daten: Österreich hat im Frühjahr mit neun Wochen (elf Wochen für Oberstufenschulen) seine Schulen aufgrund der Corona-Pandemie im internationalen Vergleich verhältnismäßig kurz geschlossen. Im OECD-Schnitt waren es 14 Wochen.

Laut dem Bericht „Die Auswirkung von Covid-19 auf die Bildung“ sind zwei Staaten mit nur siebenwöchigen Schließdauern ausgekommen, eines davon war Island. In sechs, darunter auch Österreich, Israel, Dänemark und Norwegen, blieben die Schultore zwischen acht und zwölf Wochen geschlossen. 24 Staaten kamen auf Schließzeiten von zwölf bis 16 Wochen, 13 Länder auf 16 bis 18 Wochen.

Einschränkung: In diese Zeiten können auch Ferienzeiten hineingefallen sein (in Österreich etwa Ostern) - in Staaten, deren Sommerferien etwa Anfang Juni beginnen, ging die Corona-Pause außerdem gleich nahtlos in die Ferien über. Andere Länder wiederum haben das Schuljahr vorzeitig abgebrochen oder später angefangen und dafür die Ferien anders gestaffelt.

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