28.08.2020 06:02 |

krone.tv-Reportage

Ein Blick hinter die Kulissen der Corona-Tests

Was für ein Urlaubsausklang! Für viele Reiserückkehrer endete er in den vergangenen Tagen mit einem Gratis-Corona-Test an einem der insgesamt 48 Drive-in-Stationen. Das Virus kommt mit dem Auto, aber auch mit dem Flugzeug. Der Wiener Flughafen - oder sein Ärztezentrum - arbeitet Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Dort kostet der Test 120 Euro. Auch die Gesundheitshotline 1450 läuft auf Hochbetrieb und schult wöchentlich neues Personal ein. Ein Land im Test-Modus - die krone.tv-Reportage.

„Man darf das Virus nicht runterspielen und nicht zu sehr hochspielen“, sagt Susanne Drapelik, Pressesprecherin vom Arbeiter-Samariter-Bund. Hier beim Wiener Happel-Stadion können sich Reiserückkehrer von den Balearen, aus Kroatien, aber auch aus anderen Bundesländern auf das Coronavirus gratis testen lassen.

„In zwölf Stunden ist alles aufgebaut worden, inklusive Mitarbeiter“ 
Ohne Hilfe der Stadt Wien sowie der Feuerwehr und Rettung wäre das undenkbar gewesen, betont Drapelik. In kürzester Zeit ist vor dem Stadion ein „Test-Drive-in“ für Reiserückkehrer eingerichtet worden: „Binnen zwölf Stunden ist alles hier fertig aufgebaut worden. Aufbauen ist das eine, tagtäglich von 6 Uhr bis 21 Uhr Mitarbeiter zu haben, das war die große Herausforderung, noch dazu an einem Sonntag. Dank der Bereitschaft von vielen konnten wir das bereitstellen.“

Zum Thema Sicherheit: „Wir haben Augenschutz und Masken, die Mitarbeiter vor Ort sind geschützt. Wir gehen ja davon aus, dass symptomfreie Menschen zu uns kommen. Wobei die Übertragungsgefahr mit den Schutzmaßnahmen, die wir hier haben, wirklich gering ist.“

Gurgeltest kommt auch bei Kindern gut an 
Staberl und Abstriche sind die Ausnahme. Bei diesem Covid-Test wird gegurgelt. „Das Gurgeln ist einfach eine angenehmere Methode, die weitaus besser angenommen wird. Gurgeln ist sogar bei sechs- bis siebenjährigen Kindern gut anwendbar.“ In wenigen Tagen wurden in der Teststraße bereits mehrere Tausend Tests gemacht. Nur ein Bruchteil war bislang positiv.

Ergebnis in drei bis sechs Stunden
Die Möglichkeit, sich Gewissheit zu verschaffen, gibt es aber auch am Flughafen Wien-Schwechat. Trotz eingeschränktem Flugverkehr und zahlreichen Reisewarnungen machen die Österreicher Urlaub, viele müssen auch geschäftlich verreisen. Im Health Center setzt man auf einen Rachenabstrich. Nach Anmeldung und Bezahlung im Erdgeschoß - hier kostet der Test 120 Euro - geht es in den ersten Stock. Sein Ergebnis bekommt man in drei bis sechs Stunden.

Laut Peter Kleemann vom Flughafen Wien ist der Preis gerechtfertigt. „Wir setzen auf eine sehr kurze Ergebniswartezeit. Wir übermitteln das Ergebnis in drei bis sechs Stunden, das ist eine Zeit, die es sonst kaum wo gibt. Und wir haben Montag bis Sonntag von 7 bis 20 Uhr geöffnet, demnach ist der Preis aus unserer Sicht gerechtfertigt.“

„Der Flughafen verdient mit diesem Angebot per se kein Geld“
Geschäftemacherei sei die Testoption keine: „Der Flughafen verdient mit diesem Angebot per se kein Geld. Wir haben dieses Service eingerichtet, um Reisen wieder möglich zu machen, um Reisenden eine Möglichkeit zu geben, in Wien anzukommen und eine Quarantäne beenden zu können, bzw. wenn sie in eine Destination fliegen, ein allfälliges Einreiseerfordernis schon erfüllen zu können.“

Mehrmals am Tag überbringt das Flughafenpersonal die Proben an ein Labor. Schlange vorm Ärztezimmer. „Es ist mein zweiter Test“, so ein Herr. Er gibt sein ausgefülltes Deckblatt ab, stellt seinen Aktenkoffer ab. „Viermal laut husten“, bittet der durchführende Mediziner mit Filtermaske, Schutz-Overall und Handschuhen. Danach folgt der Rachenabstrich, bei dem die meisten Probanden einen Würgereiz verspüren. „Es ist schon ein bisschen unangenehm, aber es ist nicht so schlimm wie durch die Nase.“ Warum er hier einen Test macht? „Es kann sein, dass ich beruflich vielleicht in den arabischen Raum reisen muss.“

Im Jänner 50, im März 300 Mitarbeiter
Bei der Wiener Gesundheitshotline 1450 laufen die Telefone heiß. Bis zu 6000 Anrufe am Tag sind es bereits. Täglich werden neue Mitarbeiter eingeschult, so Roland Haller, Leiter von „1450“ in Wien. krone.tv besuchte einen Standort. Nahe dem Gasometer in einem Büroviertel liegt einer von mehreren Standorten der „Corona-Hotline“. Anfang des Jahres waren es 30 Mitarbeiter, im März ist die Zahl bereits auf 300 angewachsen.

Ein Anrufvolumen von „1000 bis 6000 Anrufen täglich“ bringt weiteres „Aufstocken“ des Personals mit sich. Der März war die größte Herausforderung mit durchschnittlich 20.000 Telefongesprächen in der Woche: „Natürlich war das ein gehöriger Stress und Druck, der auf den Mitarbeiterinnen lastete, einerseits was den Arbeitsumfang angeht, andererseits was die empfundene Verantwortung angeht.“

Ob man nicht einfach vorgeben kann, Symptome zu verspüren, um sich so einen Gratis-Check zu erschwindeln? „Wenn die Menschen anrufen und uns ihre Symptome schildern, haben wir ein internationales, standardisiertes, validiertes Softwareprodukt im Einsatz, das Symptome checkt, Krankheitsbilder zuordnet und dabei eine Empfehlung für den Anrufer ableitet oder bei einer Empfehlung behilflich ist.“

„Das Schönste ist, dass wir den Menschen helfen können“
Was das laufend wachsende Team bei seinem Einsatz vorantreibt? „Ich denke, das Schönste ist, dass wir den Menschen helfen können, auch wissen, dass Menschen froh sind, dass es uns gibt, dass Menschen uns sagen und uns schreiben: ,Sie haben mir sehr geholfen‘ oder ,Sie haben mir das Leben gerettet‘."

In den Räumen der Hotline versteht man kein Wort. Fünf Mitarbeiterinnen reden ununterbrochen gleichzeitig, beruhigen einfühlsam Anrufer, erstellen mittels der Software Krankheitsbilder und beauftragen die Test-Teams mit Hausbesuchen.

Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
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