20.08.2020 11:00 |

Unruhe im Rathaus

Personalpolitik in Innsbruck: Kein Ruhmesblatt

Bei der Bestellung des Magistratsdirektors hat Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) 15 Monate verschenkt. Corona ist daher als Ausrede nur bedingt geeignet. Die Opposition fordert nun die sofortige Ausschreibung des Top-Jobs im Rathaus. 

Sage und schreibe 15 Monate hätte der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi Zeit gehabt, einen neuen Magistratsdirektor zu suchen. Dass er nun in einem Fernsehinterview angibt, die Stadt habe in der Coronavirus-Zeit andere Sorgen gehabt als Stellenausschreibungen, ist eine schwache Ausrede. Und eine falsche noch dazu. Denn die Stadt war intensiv mit Postenschacherei beschäftigt, wie zahlreiche „Krone“-Berichte über rätselhafte Bestellungsvorgänge beweisen.

Bisherige Bestellungen 
Konkrete Ergebnisse: Der Finanzdirektor wurde neu bestellt, über den nun bekannt ist, dass er ein Rückkehrrecht an seine frühere Wirkungsstätte in Graz hat, und eine neue Personalchefin, die mit 33 Jahren aus der Privatwirtschaft kommend einen Beamten- und Vertragsbediensteten-Apparat mit 1550 Mitarbeitern übernehmen soll und bei der berechtigte Zweifel bestehen, ob sie die fachliche Expertise hat.

Wieder externes Büro?
Eine ihrer ersten, wenn nicht gar die allererste Amtshandlung wird sein, einen neuen Magistratsdirektor (!) zu suchen. Ob es auch hier wieder ein externes Personalbüro braucht, das 70.000 Euro kostet, oder ob es auch anders geht, das wird sich weisen.

Rätselhafte Betrauung
Fakt ist: Der Posten des Magistratsdirektors muss ausgeschrieben werden. Ob die Betrauung vom bisherigen Vize Herbert Köfler im Frühjahr rechtens war oder nicht, darüber gehen die Meinungen der Juristen auseinander. Der Letztstand ist, es war rechtens, weil Köfler noch von Hilde Zach 2009 als Vize betraut wurde. Eine Mehrheit im Stadtsenat bekommt er so oder so nicht.

Vertrauensverlust
„Das Vertrauen der Mitarbeiter genießt Willi nach seinen Umbauten an höchsten Stellen nicht mehr“, erklärte FP-Klubchef Markus Lassenberger. „Seine Bürochefin Tabea Eichhorn und Willi selbst führen, personell gesehen, ein Schreckensregime und schalten alle aus, die ihnen nicht politisch passen“, konkretisiert Lassenberger und merkt in Richtung Eichhorn an: „Wenn nicht gewählte Personen im Magistrat mehr zu reden haben als die Gemeinderäte, dann läuft der Karren schief, und wir werden alles unternehmen, um diesen Zustand zu beenden.“

Neos: Sofort ausschreiben
Auch die Neos sehen die Vorgänge kritisch: „Das Magistrat braucht dringend einen Magistratsdirektor oder eine Direktorin, die neben der Personalchefin ein Auge auf die Entwicklungen hat und gegebenenfalls kalmierend wirkt“, sagt GR Julia Seidl. Die Ausschreibung sei längst überfällig: „Das Warten auf die neue Personalchefin ist unnötig, da deren Dienstanwesenheit primär im Auswahlverfahren notwendig ist. Die Bewerbungsfrist läuft ja eine gewisse Zeit“, fordert Seidl eine sofortige Ausschreibung. Für die „Verzögerungstaktik durch den Bürgermeister“ habe sie kein Verständnis. Ebenso wenig für Managementprobleme im Rathaus: „Das ist nämlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Zumutung und eine große psychische Belastung.“

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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