19.08.2020 13:00 |

Job-Vergaben

Schlechte Stimmung im Innsbrucker Rathaus

Die grüne Personalpolitik in Innsbruck schlägt Wellen: Es beginnt beim Magistratsdirektor und reicht bis zur Vertretung der 1800 Mitarbeiter. Bei der Top-Job-Vergabe sind Personalvertreter nur noch Zaungäste.

Die Stimmung im Innsbrucker Rathaus unter den 1800 Mitarbeitern war schon mal besser. Die jüngsten Personalrochaden, bei denen die internen Bewerber allesamt leer ausgingen, haben Spuren hinterlassen. Der bisherige Finanzdirektor-Stv. Hannes Verdross ist seit der ruppigen Bestellung seines neuen Vorgesetzten Johannes Müller am 1. Juni im Krankenstand.

Jener Magistratsdirektor, der ihm im Bewerbungsverfahren menschlich letztklassig in den Rücken gefallen war und ihm kurz vor der Ziellinie attestiert hatte, zu alt für den Job zu sein, ist mittlerweile Geschichte.

Stadtsenat muss entscheiden
Ebenso nicht vertrauenserweckend ist der Umstand, dass dieser Posten noch immer nicht nachbesetzt ist und auch wahrscheinlich noch einige Monate nicht sein wird. BM Georg Willi darf nämlich den Magistratsdirektor nicht einfach so betrauen, so wie er sich das vorgestellt hätte. Der Posten muss ausgeschrieben werden, das hat das Land nach einer Aufsichtsbeschwerde der Innsbrucker FPÖ vor Kurzem unmissverständlich festgestellt.

Interims-Lösung
Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Denn der Posten darf laut Stadtrecht bis dahin nicht unbesetzt sein. Der dienstälteste bzw. ranghöchste Beamte muss diese Funktion übernehmen. Doch wer ist das? Ein Name, der immer wieder genannt wird, ist Ferdinand Neu – jener Ex-Personalchef Neu, der bei den Grünen aus bislang unbekannten Gründen in Ungnade gefallen, im Mai „abserviert“ und durch eine fast jugendliche Nachfolgerin ersetzt worden war, die mit 1. September ihren Dienst antreten soll – sofern die Freistellung durch ihren privaten Arbeitgeber rechtzeitig klappt.

Rübe ab für Personalvertreter 
Damit sind die Zustände im Innsbrucker Rathaus aber noch immer nicht hinlänglich beschrieben. Denn auch in der Personalvertretung rumort es. Der bisherige Obmann Georg Kritzinger, ein Sohn des Seniorenbund-Urgesteins Helmut Kritzinger, war erst im Februar zum Chef gekürt worden. Nun wurde er eiskalt wieder abgewählt und vom zuständigen Ausschuss in die Wüste geschickt. Über die Gründe verliert der Nachfolger Harald Raiser keine Worte. Dass Kritzinger zu allem Ja und Amen gesagt haben soll, was in Sachen umstrittener Personalpolitik aus dem Büro des Bürgermeisters gekommen ist, dürfte bei den Personalvertretern nicht so gut angekommen sein.

Personal darf nicht mehr mitreden
Diese dürfen jetzt übrigens in Personalfragen nicht mehr mitreden. BM Willi hat den wichtigsten Teil seines Erlasses, genannt Objektivierungsrichtlinie, wieder einkassiert. Diese soll sicherstellen, dass nur die geeignetsten Bewerber zum Zug kommen. Vor der Krise hatten die Personalvertreter ein Stimmrecht - übrigens genauso wie die Gleichbehandlungsbeauftragte - jetzt nicht mehr. In Kraft ist die Richtlinie noch. „Aber sie ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht“, findet Harald Raiser doch deutliche Worte.

Sondergemeinderat am Freitag
Der Sondergemeinderat in Innsbruck mitten in der Ferienzeit zieht den Fraktionen den Nerv. „Es geht ja nicht um ein Corona-Hilfspaket oder irgendeine andere wichtige Sache, es geht nur um die Verordnung zum Gratisparken am Samstag“, wird missmutig gemurmelt. „Dafür braucht es keinen Sondergemeinderat!“

Mehrheit gegen Willi
Doch Bürgermeister Willi geht lieber auf Nummer sicher. Für Änderungen der Gebührenordnung ist der Gemeinderat zuständig, es hätte aber auch der Bürgermeister per Notrecht erledigen können. Doch diesen Gefallen wollte Willi der Allianz von FPÖ, ÖVP und Für Innsbruck nicht tun, die das Gratisparken am Samstag in der Innenstadt gegen seinen Willen durchdrücken will. Und so müssen die Mandatare antraben!

Für SP-StR Elisabeth Mayr ist der Freitag aber nicht irgendein Tag. Es ist der Tag, an dem sie Hochzeit feiern wird. Gut möglich, dass die SPÖ-Stadträtin im Brautkleid zur Gemeinderatssitzung schreitet. Ein Novum in Innsbruck!

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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