„Krone“-Interview

Hasenhüttl: „Wahnsinns-Entwicklung“ nach 0:9

Ralph Hasenhüttl formte aus dem Abstiegskandidaten Southampton ein Top-Team der Premier League. In der „Krone“ spricht der Trainer-Legionär über einen 0:9-Startschuss, die Corona-Auszeit und den Fußball nach der Krise.

„Krone“: Platz elf, 18 Punkte vor den Abstiegsrängen, drittbestes Auswärtsteam hinter Liverpool und ManCity in England – wie fällt deine Bilanz aus?
Ralph Hasenhüttl: Positiv, wir hatten einen schwierigen Herbst, haben dann aber eine Wahnsinns-Entwicklung genommen.

Auch „dank“ des 0:9 gegen Leicester im Oktober?
Ich bin über das 0:9 nicht glücklich, aber es gehört zu unserer Story dazu. Wir haben eine Kehrtwende vollzogen. Wir haben Chelsea, Tottenham, ManCity geschlagen, waren gegen Liverpool eine Halbzeit überragend. Wir haben uns eine große Qualität erarbeitet.

... und ihr seid im Finish sieben Spiele ungeschlagen geblieben. Was habt ihr im Lockdown besser gemacht?
Die Jungs waren sehr diszipliniert zu Hause, sind fitter zurückgekommen. Das findest du nicht oft, das war auch eine Message an mich. Wir waren brutal motiviert. Unser Platz in der Liga war gesichert, keine Fans im Stadion – so konnten wir zocken, mutig spielen.

Wie hast du den Corona-Lockdown empfunden?
Es klingt eigenartig, aber es war eine entspannte Zeit. Man wird zum Nichtstun gezwungen, so konnte ich auftanken, dafür war diese Zeit perfekt. Ich hatte Zeit für die Familie, wir haben Karten gespielt, viele Abende nur gesprochen. Wir werden oft an dieses Jahr denken.

Wobei Corona England schwer getroffen hat.
Wie alle, es ist eine große Herausforderung. Es wäre Wahnsinn gewesen, wenn die Meisterschaft für nichtig erklärt worden wäre. Das Land ist sehr groß, es war schwierig, alle mit Masken zu versorgen. Die Todesrate hier ist leider hoch. Und die Krise ist noch nicht vorbei.

Viele Klubs haben finanzielle Probleme, wie geht es euch bei Southampton?
Wir haben als einer der ersten Vereine in England auf Gehälter verzichtet, damit unseren Mitarbeitern die Kurzarbeit erspart bleibt. Wir wollten ein Zeichen der Verbundenheit setzen, haben diese Reifeprüfung mit Bravour bestanden. Wir haben gesunde Umstände, wir entwickeln Spieler, statt welche zu kaufen.

Wann plant ihr wieder mit Fans in den Stadien?
Ab Oktober sollte es zum Teil möglich sein. Fußball spielt man nicht in einer Halle, sondern an der Luft. Keiner weiß, ob es da eine Ansteckungsgefahr gibt. Seit dem Restart hatte ich überhaupt keinen kranken Spieler, nicht einmal Schnupfen. Die Hygienemaßnahmen sind jetzt enorm, die Menschen sind sensibler geworden.

Wird die Krise den Fußball nachhaltig verändern?
Wegen Corona achtet man derzeit genau, wo Geld überflüssig ausgegeben wird. Aber auf Sicht wird sich nichts ändern. Es wird immer Vereine geben, die extreme Summen zahlen. Etwa im Abstiegskampf. Wir haben 400 Mitarbeiter, die ganze Stadt lebt von diesem Verein. Fußball bleibt ein großes Geschäft.

Rainer Bortenschlager, Kronen Zeitung

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