28.07.2020 06:00 |

Reisen während Corona

Flug und Zug: Bitte setzen S’ a Maske auf!

Es ist Sommer, es sind Ferien, es ist endlich Urlaubszeit: Aber nicht jeder hat ein Auto, mit dem er verreisen kann. Wie ist die Situation aktuell auf Flughäfen, in Fliegern und in Zügen? Alles wie immer, oder hat Corona die Anreise im Griff? „Krone“-Lokalaugenschein auf dem Flug von Wien nach Barcelona und im Zug von Wien nach Innsbruck.

„Um Gottes willen, um Gottes willen“, murmelt ein kleines Mädchen und drückt sich fest in ihren Sitz. Die Klagen des Kindes sind aber keiner Pandemie geschuldet, sondern dem kleinen Hopser im Bauch, den es macht, wenn ein Flugzeug abhebt.

Dass es das tut, grenzt an ein Wunder. Nur Wochen nachdem der Luftraum wie leer gefegt war, machen Menschen wieder Urlaub. Es ist Sommer - und Corona eben auch ein Bier mit einem spanischen Namen. „Im März war der Flugverkehr auf zehn Prozent des Normalbetriebes reduziert“, informierte Staatssekretär Magnus Brunner jüngst nach einem Treffen mit Airlines und Co., Anfang Juli sei man bei 20 Prozent gewesen - und man arbeite an Sicherheitskonzepten, die laufend evaluiert werden.

Handhygiene, Maske und ein Koffer Abstand
Wer sich dieser Tage auf einem Flughafen aufhält, merkt aber schnell: Auch die Luftfahrt hat das Covid-Rad nicht neu erfunden. Maske, Abstand und Handhygiene lauten hier die Stichworte, die mehrsprachig über die Lautsprecher schallen. Ihre Koffer ziehend, schlendern die Menschen durch den Flughafen Schwechat.

Es riecht nach Urlaub und Desinfektionsmittel, das alle paar Meter steht, aber kaum genützt wird. So mancher Mund-Nasen-Schutz schützt nur den Mund, und beim Check-in gibt es maximal einen Koffer - keinen Meter - Abstand. Die Sicherheitsschleuse gestaltet sich wie immer, nur im Flieger ist die Situation neu - er ist so gut wie leer. Eine Stewardess verteilt Formulare statt Erfrischungen. „Waren Sie in den letzten 14 Tagen mit einer Corona-positiven Person in Kontakt oder in einem Spital?“, wird gefragt.

Man verpflichtet sich, bei Symptomen in Quarantäne zu gehen, und hinterlässt Kontaktdaten. Obwohl die Flugreise erstaunlich normal ist, bleibt ein schaler Beigeschmack. Wie nach einem Schluck Corona-Bier, das zu lange in der Sonne stand.

Kann man im Zug den nötigen Corona-Abstand einhalten?
Szenenwechsel. Eine Zugfahrt, die ist lustig. Eine Zugfahrt, die ist schön - doch gilt das auch heuer, in diesem seltsamen Sommer? Kann man im Zug den nötigen Corona-Abstand einhalten? Werden Maskensünder gestraft oder einfach ignoriert? Wien-Innsbruck, ein Lokalaugenschein.

„Wo ist Ihre Maske?“
„Wo ist Ihre Maske?“, fragt die Kontrolleurin einen jungen Mann im Zug von Wien nach Innsbruck - was folgt, ist eine wortreiche Diskussion, die mit 40 Euro Geldstrafe endet. „Geh bitte, setzen S’ doch einfach die Maske auf“, ruft ein älterer Herr nach vorne.

„Ich habe schon Verständnis dafür“
Der Mund-Nasen-Schutz sei ihm gerissen, sagt Fahrgast Michael Dornauer auf „Krone“-Nachfrage. Er habe ihn weggeworfen, murmelt er weiter in seinen Pullover, den er behelfsmäßig ums Gesicht gewickelt hat. „Ich habe schon Verständnis dafür“, erklärt der Fahrgast, der nicht fotografiert werden wollte, „aber das wäre auch in einem anderen Ton gegangen.“ Tatsächlich scheinen die Nerven der Schaffnerin blank zu liegen.

Ob das öfter passiere? „Ja. Und es steht mir bis hierher“, sagt die Kontrolleurin und hält die Hand an ihren Haaransatz. „Seit Montag werden pro Tag Zehntausende Kontrollen in den ÖBB-Zügen durchgeführt, davon werden in etwa 4000 Personen ermahnt, und einige wenige - in etwa 50 Personen am Tag - werden auch gestraft“, informieren die Bundesbahnen. „Das bedeutet, dass weniger als ein Prozent der täglichen Fahrgäste wegen der fehlenden oder falsch sitzenden Maske ermahnt werden muss“, so die ÖBB weiter.

Ein Mix aus Kontrollen, Strafen und Verantwortung
Der Lokalaugenschein Ende letzter Woche bestätigt diesen Eindruck. Die Fahrgäste halten sich zum allergrößten Teil an die Maskenpflicht. Das war bei einer Fahrt vor zwei Wochen anders. Damals waren auf der Strecke Innsbruck-Wien geschätzt zwei von drei Passagieren „oben ohne“. Der Schaffner ermahnte aber kaum jemanden. Das hat sich nun geändert. Es scheint, die verstärkten Kontrollen und die drohenden Strafen geben der Eigenverantwortung den nötigen Schubs in die richtige Richtung. Angesichts der wieder volleren Züge wohl eine gute Entwicklung.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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