22.07.2020 18:12 |

US-Forscher warnt

Ansteckungsgefahr ist auch im Flugzeug groß

Obwohl die Luft in Flugzeugen laut Angaben von Airlines so sauber wie in einem Operationssaal sein soll, warnt nun ein Wissenschaftler der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana vor Flugreisen. Simulationen seiner Forschungsgruppe hätten nämlich gezeigt, dass Erreger oft minutenlang in der Luft verbleiben und damit zur Gefahr werden können.

„Eine Verteilung der Luft zwischen den Sitzreihen ist unwahrscheinlich“, erklären etwa die Austrian Airlines in ihren Informationen zu Flugreisen. Spezielle Filter würden während des Fluges für eine stete Reinigung der Luft an Bord sorgen - außerdem fände die Luftströmung in Flugzeugen von oben nach unten statt, wodurch eine Übertragung des gefährlichen Coronavirus unwahrscheinlich sei.

Infektionsgefahr höher als gedacht
Der Ingenieur Qingyan Chen von der Purdue University rät dennoch von Flugreisen ab. Diese seien aktuell keine gute Idee, er selbst würde momentan auf gar keinen Fall so reisen. Chens Wort hat Gewicht - schließlich gilt er als einer der weltweit wichtigsten Experten für Lüftungssysteme in Flugzeugen. Er erforscht unter anderem bereits seit Jahren die Ausbreitung von Erregern in Passagierkabinen. Sein Fazit: „Die Ansteckungsgefahr ist wesentlich höher, als uns die Airlines glauben machen wollen.“

Im folgenden Video erklärt der Flugzeughersteller Airbus, wie sein Belüftungssystem funktioniert:

Corona hauptsächlich durch Tröpfchen übertragen
Ein simples Husten befördert Tröpfchen unterschiedlicher Größe in die Luft. Durch die Schwerkraft werden größere recht rasch zu Boden gedrückt, kleinere (sogenannte Aerosole) können aber wesentlich länger in der Luft verbleiben. Chen und sein Team haben verschiedene Szenarien in Kabinen durchgespielt und dabei erforscht, wie sich solche Partikel verbreiten.

Ausbreitung auf bis zu sieben Reihen
Die Lüftungssysteme der meisten Fluggesellschaften sind speziell für die Luftzirkulation ausgelegt. Alle vier Minuten wird dadurch die gesamte Luft in der Kabine aufgefrischt und 99,9 Prozent aller Keime entfernt. Fatal daran: Wie Simulationen des Forschungsteams zeigen, vermischt sich die Luft normalerweise innerhalb dieser Zeitspanne über drei Reihen nach vorne und nach hinten. Wenn Menschen durch die Gänge gehen, reicht die Spanne teils sogar bis zu sieben Reihen weit.

Neues Belüftungssystem notwendig
„Wenn Airlines behaupten, wegen guter Lüftung und der besonderen Filter sei ein Flugzeug ein sicherer Platz, dann ist das einfach falsch“, so Chen. Sein Forschungsteam habe bereits ein neues Belüftungssystem entwickelt, das die kontaminierte Luft in Deckenhöhe absaugt, wodurch sich das Infektionsrisiko um 50 Prozent senken würde. Bis dieses aber eingesetzt werden kann, werde es noch dauern, verweist Chen auf die hohen Kosten und die notwendige Zertifizierung durch die Luftfahrtbehörden.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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