Lieber Gino,
Du warst der Italiener in der „Krone“. Der Itaker mit der Kamera. Der Molin-Pradel.
Der große Ernst Trost hat Dich entdeckt. 1968, vor 52 Jahren. Der legendäre Adabei Roman Schliesser „übernahm“ Dich. Nacht für Nacht, 18 lange Jahre. Den Promi, der Dir „entkam“, den gab’s nicht. Roman schrieb über die Reichen und Schönen. Aber Du, der Itaker mit der Kamera, hast das Schliesser-Kraut erst fett gemacht.
Denn wer zum Beispiel hätte dem Adabei damals geglaubt, dass der weltberühmte Hollywoodstar Richard Burton stinkbesoffen in seiner Wiener Opernball-Loge umhertorkelte, wenn Du nicht den gestochen scharfen Beweis geliefert hättest. Gino Molin, der Top-Knipser, der sich zu tarnen wusste, wenn er müden Blicks die Szene betrat, bisweilen sogar ohne Kamera, wie es schien.
Aber: alles nur Show, ein professioneller Trick. Denn der kleine Klick-klack-Apparat, den keiner bemerkte und den Du so herrlich zu gebrauchen wusstest, war stets dabei. Wie in Bagdad kurz vor dem ersten Golfkrieg, als Dir Deine einzige Kamera aus der Hand fiel und auf dem Marmorboden des Hotels in tausend Stücke zersprang und ich wissen wollte, was Du jetzt machen wirst, und Du geantwortet hast: „Klick, klack!“ Deine Fotos reichten für vier Doppelseiten.
PS: Gino Molin-Pradel ist am Samstag nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen. Ruhe in Frieden, alter Gino.
Michael Jeannée, Kronen Zeitung
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