09.07.2020 15:21 |

Skandal um Wirecard

Staatsanwaltschaft prüft Verdacht der Geldwäsche

Im Skandal um den insolventen deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard geht die Staatsanwaltschaft München auch dem Verdacht der Geldwäsche nach. „Wir ermitteln wegen Geldwäscheverdachts gegen Verantwortliche des Unternehmens und gegen Unbekannt“, erklärte am Donnerstag eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Man prüfe eine Reihe entsprechender Anzeigen aus dem laufenden und aus dem vergangenen Jahr, hieß es.

Wirecard war nach Aufdeckung eines Bilanzlochs von 1,9 Milliarden Euro im Juni zusammengebrochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang gegen den zurückgetretenen Vorstandschef aus Österreich, Markus Braun (Bild unten), sowie gegen weitere Manager wegen Betrugs, Bilanzfälschung und Marktmanipulation. Wegen des Verdachts verschiedener Finanzstraftaten im Umfeld von Wirecard ermitteln Behörden weltweit, unter anderem in den USA, in Singapur und auf den Philippinen.

Verbindung zu Drogen-Geschäften?
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass US-Behörden einer möglichen Verwicklung Wirecards in einen 100 Millionen Dollar (umgerechnet knapp 89 Mio. Euro) schweren Fall von Bankbetrug mit Marihuana-Handel nachgehen. Demnach sollen zwei Geschäftsleute zusammen mit Zahlungsabwicklern US-Banken über die Herkunft der Gelder getäuscht haben, um unbemerkt gegen Handelsverbote verstoßen zu können. Zwei Insider bestätigten einen entsprechenden Bericht des „Wall Street Journal“.

Frühere Ermittlungen verliefen im Sand
In der Vergangenheit wurden gegen Wirecard immer wieder Vorwürfe laut, die auch den Aktienkurs massiv bewegten. In Deutschland sahen Finanzaufsicht BaFin und Staatsanwaltschaft lange Zeit nur Anhaltspunkte für Marktmanipulation durch Außenstehende. Das Amtsgericht München urteilte dann allerdings in zwei Fällen, dass es dafür keine ausreichenden Beweise gebe. Ein Ermittlungsverfahren gegen Investoren und Journalisten wegen des Verdachts der Marktmanipulation dauert nach Angaben der Staatsanwaltschaft München noch an.

Bereits 2010 und 2015 nahmen die Münchner Strafverfolger Wirecard wegen Geldwäscheverdachts ins Visier. Ein umfangreiches Ermittlungsverfahren sei 2012 nach zwei Jahren mangels Tatverdachts eingestellt worden, sagte eine Sprecherin. In einem weiteren Verfahren durchsuchten die Münchner Ermittler im Jahr 2015 im Auftrag der USA Büros von Wirecard. Was aus diesem Verfahren wurde, ist nicht bekannt. Die Münchner verweisen auf eine Zuständigkeit des US-Justizministeriums, das eine Stellungnahme ablehnte.

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