03.07.2020 09:22 |

„Könnt ihn haben“

Amazon-Fahrer schmeißt hin und lässt Van stehen

Mitten während seiner Schicht hat ein Lieferfahrer von Amazon einfach das Handtuch geworfen. Er ließ das Fahrzeug - samt Paketen - einfach auf einer Tankstelle stehen und ließ sogar die Schlüssel in der Zündung stecken. Derick Lancaster erklärte anschließend in sozialen Medien, er habe die Nase voll von der schlechten Bezahlung und den langen Arbeitszeiten.

„Ich höre auf bei Amazon und pfeif darauf, Schrott durch die Gegend zu fahren“, erklärte der 22-Jährige aus Michigan am Montag auf Twitter. „Ich habe den Van […] stehen gelassen, ihr könnt ihn haben. Er ist voller Sprit und die Schlüssel stecken in der Zündung“, so Lancaster weiter.

Bis zu 300 Stopps pro Tag waren Fahrer zu viel
Er begründete seine Flucht vor dem Job damit, dass er 200 bis 300 Stopps pro Tag gehabt hätte. „Ich arbeitete von 9 Uhr in der Früh bis 22 Uhr am Abend, ich konnte einfach nicht mehr“, so der 22-Jährige. Er habe fünf Monate für den Amazon Lieferdienst gearbeitet. Erst habe er im Lager gearbeitet und habe dann zum Job als Fahrer gewechselt. Als Lagerarbeiter habe er aufhören können, wenn seine Schicht zu Ende war. Als Fahrer dagegen habe er erst dann Feierabend machen können, wenn alle Pakete ausgeliefert worden waren - und das sei stets erst spät abends der Fall gewesen.

Als Auslöser für die ungewöhnliche Kündigung nannte Lancaster, dass er wegen der Arbeit zu spät zur Abschlussfeier seiner Schwester gekommen sei, berichtete die US-Zeitung „Detroit Free Press“. Er fühlte sich ständig unter Druck gesetzt, mehr Pakete zu liefern - und zwar immer schneller.

Nachdem er das Lieferfahrzeug bei der Tankstelle samt Fracht stehen gelassen habe, habe er sich ein Taxi nach Hause bestellt. Ein paar Stunden später änderte er jedoch seine Meinung und kehrte zurück, um auf jemanden von Amazon zu warten, der den Wagen abholte. In einem weiteren Tweet erklärte er schließlich, dass ihm seine geistige Gesundheit mehr wert sei als 15,50 Dollar (ca. 14 Euro) pro Stunde.

Streik gegen Arbeitsbedingungen in Corona-Krise
Lancaster ist mit seiner Meinung über die schlechten Arbeitsbedingungen keinesfalls allein: Im April streikten in den USA Hunderte Mitarbeiter, weil sie sich während der Pandemie vom Unternehmen nicht ausreichend geschützt vor dem Erreger fühlten. Die Corona-Situation führte dazu, dass Amazon von Bestellungen überflutet wurde, was dazu führte, dass Angestellte Überstunden leisten mussten.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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