02.07.2020 06:59 |

Begünstigt Fahrfehler

Ablenkung & Unachtsamkeit häufigste Unfallursache

Ablenkung am Steuer begünstigt schwere Fahrfehler. Das belegt nun auch eine Studie des ÖAMTC. Die Unfallstatistik 2019 hat ergeben, dass Unachtsamkeit und Ablenkung mit 31,4 Prozent weiterhin zu den häufigsten Unfallursachen im österreichischen Straßenverkehr zählt. Außerdem verunfallten im Vorjahr 139 Personen tödlich, weil sie oder der Unfallgegner in den entgegenkommenden Verkehr geraten waren.

Insgesamt gab es im Vorjahr 416 Verkehrstote. Sieben Prozent aller Unfälle waren sogenannte Gegenverkehrsunfälle. Diese machten jedoch 33 Prozent der Getöteten aus, geht aus den Daten einer Statistik des ÖAMTC hervor. Besonders ablenkend ist das Handy am Steuer. Wie die Verkehrsüberwachungsbilanz 2019 zeigt, wurden rund 120.000 Übertretungen des Handyverbots von der Polizei geahndet.

Mobiltelefone dürfen nur mit Freisprecheinrichtung verwendet werden, außer es wird das Navi benützt, doch auch dort ist nur Ablesen erlaubt. Dasselbe gilt für Rad- und Rollerfahrer. Wer ohne Freisprecheinrichtung erwischt wird, muss ein Organmandat von 50 Euro an Ort und Stelle bezahlen. Verstoßen Fahranfänger gegen das Verbot, müssen sie eine Nachschulung absolvieren und ihre Probezeit wird um ein Jahr verlängert.

Auch Navi oder Trinken beeinträchtigen
Der ÖAMTC hat Anfang März gemeinsam mit seinem Partnerclub ADAC im Fahrtechnik Zentrum Teesdorf mit 45 jungen Probanden im Alter von 20 bis 35 Jahren die Untersuchung zu möglichen Auswirkungen unterschiedlicher Nebentätigkeiten auf das Fahrverhalten und die Verkehrssicherheit bei Pkw, Fahrrad und E-Tretrollernutzung durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden bei allen untersuchten Nebentätigkeiten, dazu zählten u. a. das Hantieren mit Gegenständen, Trinken aus einer Wasserflasche, Verwendung des Smartphones und Nutzung des Navis während der Fahrt, gravierende Beeinträchtigungen der Fahraufgabe nachgewiesen - unabhängig vom Fahrzeugtyp.

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Jede ablenkende Tätigkeit, die wir untersucht haben, so banal diese auch erscheinen mag, hatte messbare Auswirkungen auf das Fahrverhalten.

ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger

„Jede ablenkende Tätigkeit, die wir untersucht haben, so banal diese auch erscheinen mag, hatte messbare Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Unsere Probanden haben sich dabei oft besser eingeschätzt, als sie tatsächlich waren. Die Fehlinterpretation der eigenen Leistung kann zu gefährlichen Unfällen führen“, konstatierte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Es stellte sich heraus, dass auch „minderbewertete Sachen wie beispielsweise ein Taschentuch aus dem Handschuhfach nehmen genauso ablenkend ist, wie ins Navi zu tippen“, erläuterte die Expertin. Bei der Taschentuch-Aufgabe geriet mehr als ein Drittel der Testpersonen in den Gegenverkehr.

„Es gibt ganz wenig Bewusstsein, wie gefährlich solche Ablenkphasen sind“, sagte Fahrtechnik-Zentrumsleiter Georg Scheiblauer. Außerdem wird es von „allen stark unterschätzt, nicht nur von Fahranfängern. Viele denken, Autofahren geht eh so nebenbei. Ja, es geht, aber nur, solange nichts Unvorhergesehenes passiert“, warnte der Experte.

Tempo- und Spurverhalten deutlich beeinträchtigt
Das Tempo-, Blick- und Spurhalteverhalten war deutlich beeinträchtigt, die Pkw-Teststrecke wurde von den Probanden häufig und lange im „Blindflug“ - auch im Gegenverkehrsbereich - absolviert. Einzelne Teilnehmer schauten beispielsweise bis zu 25 Mal aufs Handy, als sie die Aufgabe hatten, eine Nachricht zu lesen und zu beantworten. Ein Proband war hierbei gar zehn Sekunden im Gegenverkehr unterwegs, was einer Strecke von 130 Metern entspricht.

Bei einer weiteren Aufgabe mussten die Testpersonen eine Adresse ins Navi eintippen. Nur eine Minderheit der Lenker - zehn Prozent - war in der Lage, das Testfahrzeug währenddessen rechtzeitig vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis anzuhalten. „Viele Studienteilnehmer wären mit hohem Tempo gegen das Hindernis gefahren - sie leiteten weder zeitgerecht noch kräftig genug die Bremsung ein. Eine Testperson hat das Hindernis gar nicht bemerkt und wäre auf der Straße völlig ungebremst dagegen geprallt“, berichtete Seidenberger.

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