15.06.2020 14:00 |

Von Maut bis Verbot

Wie Städte ihre Zentren von Autos befreien wollen

Die Wiener Innenstadt soll autofrei werden - diese Ankündigung spaltet naturgemäß die Gemüter der Stadtbewohner. Dabei folgt die Donaumetropole damit einen Trend: Viele europäische Großstädte überlegen, wie sie ihre Zentren lebenswerter, die Luft besser und den Verkehrsstaus den Garaus machen könnten.

Die Lösungsansätze reichen von City-Maut über neue Fußgängerzonen, den Ausbau von Fahrradwegen bis hin zu einer Verknappung von Parkplätzen - oder einem Mix aus allem.

Berlin testet neue Maßnahmen
Die deutsche Hauptstadt Berlin hat noch kein fertiges Konzept für eine autofreie Innenstadt in der Schublade. Zunächst wird ein Teil der Friedrichstraße im Stadtteil Mitte ab diesem Sommer für rund fünf Monate für Autos gesperrt. Auch ein verkehrsberuhigter Bereich am Checkpoint Charlie wird eingerichtet. Das Projekt könnte Ausgangspunkt sein für weitergehende Lösungen und ein Schritt in Richtung autofreie Stadt und sauberere Luft, heißt es dazu auf dem offiziellen Hauptstadtportal.

Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer in München
Auch die Münchner Stadtverantwortlichen tüfteln erst an einem Masterplan. Ziel sei, in der Altstadt den Autoverkehr zu reduzieren, um mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr zu schaffen. Erste verkündete Maßnahmen sind neue Fußgängerzonen und der Ausbau von Radabstellanlagen sowie neue Parkregeln mit gestiegenen Gebühren werktags in der „Blauen Zone“ gegen Dauerparken. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung prüft zudem die Machbarkeit eines Altstadt-Radlrings.

Autofahrt in Londons City nur gegen Gebühr
London führte im Jahr 2003 eine Innenstadt-Maut, die Congestion charge (Staugebühr), ein. Kraftfahrer müssen sie im Zentrum der britischen Hauptstadt entrichten. Einen weiteren Schritt in Richtung autofreies Zentrum macht die Metropole derzeit im Zuge der Lockerungen des Coronavirus-Lockdown: Bürgermeister Sadiq Khan verkündete Mitte Mai Pläne, weite Gebiete im Zentrum für Autos zu sperren, damit zu Fuß gehen und Rad fahren sicherer wird. Betroffen seien etwa wichtige Straßen zwischen London Bridge und Shoreditch, Euston und Waterloo sowie Old Street und Holborn. Die Maßnahme soll nicht zuletzt den öffentlichen Verkehr entlasten, um die Einhaltung der Corona-Abstandsregeln zu ermöglichen.

Oslo nimmt Pkw-Lenkern die Parkplätze weg
Oslo wollte bis zum Jahr 2019 Autos generell aus der Innenstadt verbannt haben. Umgesetzt wurde eine abgemilderte Variante, die aber, im Verbund mit anderen umweltfreundlichen Maßnahmen, die EU-Kommission dennoch dazu veranlasste, die norwegische Hauptstadt zur „Grünen Hauptstadt Europas 2019“ zu ernennen. Im Rahmen der Initiative Bilfritt byliv (Autofreies Stadtleben) wurden jedenfalls großzügig Parkplätze entfernt und der Verkehr eingeschränkt, um Platz für Fahrräder, Bänke und Grünflächen zu schaffen. Autos dürfen aber weiterhin fahren.

Barcelona: Weniger Platz für Autos, bessere Luft
Der katalanische Touristenmagnet Barcelona führte vor einigen Jahren gegen die eklatant schlechte Luft „Superilles“, zu deutsch Superblocks, ein. Bei diesem Verkehrskonzept werden bis zu neun Häuserblocks zusammengefasst, innerhalb derer haben Fußgänger und Fahrradfahrer Vorrang.

Bei zweispurigen Straßen wird den Autos eine Spur weggenommen, für Spielplätze oder Parkbänke etwa. Autoverkehr ist auf den verbleibenden Einbahnstraßen mit zehn bis 20 km/h erlaubt. Die Superblocks sind Herzstück eines 2016 von der Stadtverwaltung entwickelten Konzepts für nachhaltige Mobilität, der erste entstand 2017 im Stadtviertel Poble Nou. Insgesamt sollen 503 Superblocks eingerichtet werden, so der ursprüngliche Plan, 60 Prozent der bisher von Autos genutzten Straßen würden dadurch für andere Nutzungen frei.

Wien: Bald autofrei vom Ring bis zum Franz-Josefs-Kai
In Wien wurden am Wochenende Pläne für eine autofreie Innenstadt
bekannt - Pkw sollen im Bereich vom Ring bis zum Franz-Josefs-Kai verbannt werden. Ausnahmen sollen beispielsweise für Anrainer, Taxis, Hotelgäste, Fahrzeuge für Unternehmen mit Betriebsstandort City oder Gebehinderte gewährt werden. Eine City-Maut ist damit vom Tisch. Die zuständige Stadträtin Birgit Hebein (Grüne) und City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) sollen bereits kurz vor einer Einigung stehen.

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