11.05.2020 10:51 |

Nach zäher Verhandlung

Erster Sonderzug mit Pflegepersonal angekommen

Nach wochenlangem Ringen ist Montagfrüh der erste Korridorzug mit Pflegepersonal aus Rumänien in Wien-Schwechat angekommen. An Bord des Nachtzuges befanden sich 69 Frauen und drei Männer, die für die 24-Stunden-Pflege in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland zum Einsatz kommen. 350 Personen hätten in dem Zug Platz gehabt.

„Die 24-Stunden-Betreuer sind eine große Unterstützung“, sagte Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP). 33.000 Personen seien in Österreich auf diese Betreuung angewiesen. Edtstadler verwies auch darauf, dass es bei der Einrichtung dieser Zugverbindung „nicht ganz einfach“ gewesen sei, alle behördlichen Genehmigungen zu erhalten. Edtstadler hatte bereits im April eine entsprechende Vereinbarung verkündet, der dann aber die rumänische Seite widersprochen hatte. Am Donnerstagabend gab es dann die endgültige Einigung.

Weitere Pflegekräfte ab Donnerstag
Vereinbart sind vorerst sechs Züge: Nach jenem vom Montag erfolgt die Rückreise der abgelösten Betreuer am Dienstag. Pflegepersonal für die Bundesländer Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, die Steiermark, Vorarlberg und Tirol soll am Donnerstag ankommen. Weitere Verbindungen sind am 20., 24. und 27. Mai geplant. In jedem Zug gibt es 300 buchbare Plätze für Vermittlungsagenturen und 50 Plätze für Privatpersonen. Nur Personenbetreuer mit aufrechter Gewerbeberechtigung dürfen mitfahren.

Corona-Test nach Ankunft
Der Zugkorridor aus Rumänien wurde von der Wirtschaftskammer in Kooperation mit den ÖBB organisiert. Nach ihrer Ankunft werden die Passagiere in einem Hotel auf dem Flughafengelände auf das Coronavirus getestet. Bei einem negativen Test können sie von den Familien und Agenturen abgeholt werden. Positiv Getestete müssen in Quarantäne.

Die ÖBB-Vorständin für den Personenverkehr, Michaela Huber, betonte, dass die Fahrgäste bereits vor der Abreise einer Gesundheitsuntersuchung unterzogen worden seien, wobei es „sehr diszipliniert vonstattengegangen“ sei. Die Pflegekräfte hätten Mund-Nasen-Schutz erhalten und sich im Zug nicht frei bewegen dürfen.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen
Die Ankunft des Pflegepersonals auf dem Bahnhof des Flughafens Wien-Schwechat fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zahlreiche Polizisten und Sicherheitskräfte begleiteten die Passagiere zum Hotel und achteten auf den Sicherheitsabstand. Die Betreuer wurden auch von der Pflege-Selbsthilfegruppe „D.R.E.P.T pentru ingrijire“ mit einem Willkommensplakat begrüßt. Eine Vertreterin der Gruppe, Flavia Matei, erklärte, dass sich ihnen rund 5000 rumänische Pflegerinnen angeschlossen hätten, weil es „viel Missbrauch“ in der Branche gebe.

Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen
So seien viele Betreuer etwa gezwungen, den Vermittlungsagenturen Inkassovollmachten zu unterschreiben, berichtete Matei. Ein „großes Thema“ sei auch die Kürzung der Familienbeihilfe. Die Gruppe fordert die Rücknahme der Maßnahme. So bestätigte etwa auch die am Montag angekommene Pflegerin Elena Mecei, dass sie sich in Österreich andere Arbeitsbedingungen wünschen würde. „Aber das ist halt meine Arbeit“, sagte die Frau, die im Burgenland im Einsatz ist. Ihre Kollegin, die sie nun ablöst, sei mehr als drei Monate im 24-Stunden-Dienst gewesen. Das sei nicht mehr tragbar gewesen, erklärte sie.

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