30.04.2020 15:14

Nordkorea-Experte:

„Gerüchteküche über Verbleib des Führers brodelt“

Seit dem 12. April wurde der nordkoreanische Machthaber nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Seither gibt es wilde Spekulationen über Kim Jong Uns Verbleib. Der renommierte Nordkorea-Experte Rüdiger Frank erklärt im krone.tv-Talk mit Katia Wagner, dass persönliche Umstände der Staatsspitze kein Thema seien, über das man in einem solchen System spricht. „Der Führer ist da, er wird nicht infrage gestellt, er erscheint als semi-heilige Figur, die über allem schwebt und nicht von dieser Erde ist“, so Frank. Was Informationen aus Nordkorea betrifft, ist man deswegen und aufgrund der starken Zensur vor allem auf Spekulationen angewiesen.

Auch scheint Nordkorea laut dem Experten „eine gewisse Freude dabei zu empfinden, uns da spekulieren zu lassen“. „Gefährlich“ würde es erst dann werden, wenn die Gerüchte innerhalb des Landes zu brodeln beginnen: „Wenn genügend Nordkoreaner tuscheln, wird sich das Regime genötigt fühlen, ein Lebenszeichen zu senden“, so Frank. Er geht davon aus, dass das in den nächsten Tagen so weit sein wird, denn immerhin brodle die Gerüchteküche jetzt schon.

Schwester als „heißeste Nachfolgekandidatin“
Sollte Kim Jong Un tatsächlich nicht mehr regierungsfähig sein, sei „überhaupt nicht klar, was passiert“. Das Land sei zwar de facto eine „Familiendiktatur“, aber eine klare Nachfolgeregelung gibt es nicht. Aktuell am „heißesten gehandelt“ wird seine jüngere Schwester Kim Yo Jong. Dagegen würde aber sprechen, dass sie „eine Frau und jung ist“. In einem „patriarchalen System“ sei das deswegen schwierig. Spekulationen gebe es auch über eine kollektive Führung.

An den eigenen Berichten, wonach es in Nordkorea keinen einzigen Covid-Fall geben soll, sind „Zweifel, wie an allem, was Nordkorea sagt“, angebracht. Auf Fotos sei zu sehen, dass die Menschen Masken tragen würden, was nahelegt, dass jedenfalls Angst besteht. Es könnte dem stark isolierten Land aber gelungen sein, betroffene Gebiete zu isolieren, denn Bewegungseinschränkungen würden ohne große Diskussion „einfach umgesetzt“. Eine Ausbreitung würde Nordkorea jedenfalls stark treffen, da das Gesundheitssystem nicht gut ausgestattet sei. „Die Ressourcen sind nicht da“, so der Experte.

Katia Wagner

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