Corona-Todesopfer

„Enorme Chancen“: Obduktion liefert neue Einblicke

Österreich
27.04.2020 05:50

Pathologen und Rechtsmediziner sehen enorme Chancen in der Untersuchung von Corona-Toten, um die Krankheit zu verstehen. „Nach meinen Erkenntnissen ist Covid-19 eine vergleichsweise harmlose Viruserkrankung.“ Und: „Die von mir untersuchten Todesopfer hatten alle schwere Vorerkrankungen, sie wären ohnehin dieses Jahr gestorben.“ Dies sagt der namhafte wie umstrittene Rechtsmediziner Klaus Püschel. Er untersucht in Hamburg die Corona-Opfer. Der „Krone“ sagt Püschel, es handele sich um 100 Obduktionen - Alter von 51 bis 99.

Die „Krone“ fragte bei Experten in Österreich nach. „Die Aussagen sind abzulehnen. Trotz meist mildem Verlauf kann Corona eine schwere Erkrankung mit tödlichem Ausgang sein und ist hochinfektiös“, sagt Christa Freibauer, Präsidentin der Gesellschaft für Pathologie. „Selbst bei Vorerkrankungen ist das Virus als unmittelbar zugrunde liegende Todesursache anzusehen.“ Es sei sinnlos zu diskutieren, ob jemand an oder mit Corona gestorben sei. Die Wahrheit liegt auf dem Obduktionstisch.

Auch für die Forschung sind Körperspenden wichtig. (Bild: thinkstockphotos.de, krone.at-Grafik)
Auch für die Forschung sind Körperspenden wichtig.

Studien in diesem Bereich können mehr Klarheit schaffen. „Es wäre gut, wenn alle an Corona Gestorbenen obduziert werden, um über den tatsächlichen Krankheitsverlauf, Vorerkrankungen, Organbeteiligungen zu lernen“, sagt Walter Rabl, Präsident der Gesellschaft für Gerichtliche Medizin.

Taugliches Instrument
In Österreich ist hauptsächlich die Pathologie für Obduktionen bei den Virus-Toten zuständig, die Gerichtsmedizin kommt bei Vorwürfen von Fehlbehandlung etc. zum Einsatz.

Symbolbild (Bild: APA/Helmut Fohringer)
Symbolbild

Auch Pathologin Freibauer betont die Bedeutung von Obduktionen für die Wissenschaft (auch wenn sie bei klaren klinischen Ergebnissen nicht stattfinden müssen). „Sie sind ein wichtiges Instrument bei der Erforschung neuartiger Krankheiten.“ Es kämen täglich neue Studien, sagt die Medizinerin. Zuletzt aus Oklahoma, China, der Schweiz. In Österreich sei man im Vorteil - hier braucht es keine Zustimmung der Angehörigen für eine Obduktion - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wie Deutschland. „Dort verweist man auch schon auf die Vorteile, die unsere Regelung für die Forschung bietet.“

Kronen Zeitung

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